Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall

Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern der Wirbelsäule dient die Bandscheibe als eine Art „Puffer“. Sie verhindert das Reiben der Knochen aneinander und ermöglicht verschiedene Bewegungen unseres Oberkörpers. Bei einem Bandscheibenvorfall verlagert sich dieser zentrale Gallertkern, wie die Bandscheibe auch genannt wird, entweder in Richtung Spinalkanal oder in die Zwischenwirbellöcher. Am häufigsten sind Lendenwirbel- und Sakralbereich von einem Bandscheibenvorfall betroffen.

In der Regel unterscheidet man Bandscheibenvorfälle nach ihrer Größe:

- Bandscheibenprotrusion: Vorwölbung des Gallertkerns ohne Verletzung des umschließenden Faserknorpelringes 
- Bandscheiben-Prolaps: Vorfall mit teilweiser oder gänzlicher Durchtrennung des Faserknorpelringes, wodurch dieser Teil der Bandscheibe durch die Öffnung des Ringes gequetscht und abgedrückt wird 
- Bandscheiben-Sequester: Absprengung eines Bandscheibenteils mit der Folge, dass dieses Teil keine Verbindung mehr zur Bandscheibe hat und abstirbt 
- Massenvorfall: Austritt des Gewebes in großer Menge

Ursachen

Durch die Abnahme von unterschiedlichsten und abwechslungsreichen Bewegungsabläufen sowohl in Beruf als auch in der Freizeit, sitzen Menschen viel häufiger. Dies führt unweigerlich zu Schädigungen an Wirbelsäule und Bandscheiben. Daher geht man bei den Ursachen eines Bandscheibenvorfalls von den sogenannten „Rücken-Trias“ aus:

- Vorschädigungen: eine geringere Elastizität der Bandscheibe führt zu Mikrorissen im äußeren Ring und begünstigt das Verrutschen der Bandscheibe 
- Mechanische Belastung: falsche, dauerhafte oder einseitige Belastung der Wirbelsäule, insbesondere durch sitzende und stehende Tätigkeiten 
- ungenügende, verhärtete oder verkrampfte Muskulatur an Rücken und Bauch durch falsche Haltung, langes Sitzen, enge Kleidung, falsche Schuhe oder psychische Belastung

Diagnose

Viele junge Menschen hatten vermutlich bereits einen Bandscheibenvorfall, der jedoch unbemerkt verheilte. Dies liegt an der Dehnbarkeit der Wirbelsäule. Erst ab der zweiten Lebenshälfte nimmt die Elastizität dieser ab, weswegen sich Bandscheibenvorfälle häufen können.

Treten folgende Symptome auf, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen: 
- Schmerzen 
- Lumbago: Rückenschmerzen, der klassische „Hexenschuss“ 
- Lasègue-Schmerzen: Ischias-Schmerz beim Anheben des gestreckten Beins im Sitzen 
- Fehlhaltungen 
- Parästhesien (Missempfindungen) entlang bestimmter Nervenbahnen 
- Muskellähmungen 
- schwere Ausprägung: das Kauda-Syndrom 
- Blasen- und Mastdarmstörungen 
- Potenzstörungen 
- Reiterhosenanästhesie (Missempfindungen in der Analregion und Innenseiten der Oberschenkel) 
- schlaffe Lähmung der Beine

Ein Mediziner wird mittels klinischer Untersuchung, Röntgen und MRT feststellen können, ob es sich tatsächlich um einen Bandscheibenvorfall handelt oder ob Wirbelfrakturen, rheumatische Arthritis oder eine Spinalkanalstenose Ursachen der Beschwerden sind.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Schwere des Bandscheibenvorfalls und der Ausprägung der Symptomatik. Bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden ist eine konservative Therapie indiziert. Neben der medikamentösen Therapie, welche besonders Schmerzen lindern und die Muskulatur entspannen soll, ist die physikalische Therapie absolut notwendig. Geschulte Physiotherapeuten zeigen Betroffenen beispielsweise, welche Lagerungen bei Schmerzen am angenehmsten sind, bieten Wärmeanwendungen an, geben Tipps zum richtigen Aufstehen und vermitteln spezielle Übungen für den Muskelaufbau nach Auskurieren des Bandscheibenvorfalls.

Sind Betroffene jedoch vom Kauda-Syndrom betroffen oder drohen Paresen (bleibende Lähmungen), Querschnitt oder dauerhafte Blasenentleerungsstörungen, so ist eine Operation meist unumgänglich. Da dieser Eingriff jedoch mit bestimmten Risiken verbunden ist und die Bewegung im Anschluss oftmals teilweise eingeschränkt bleibt, ist der Gewinn dem Risiko gegenüberzustellen. Dennoch ist es für manche Patienten die einzige Option, die vom Bandscheibenvorfall betroffenen Wirbelkörper operativ versteifen zu lassen, um Lähmungen und andere Komplikationen zu umgehen.

Weitere Informationen 
Bandscheibenvorfällen kann man vorzubeugen! Hier ein paar hilfreiche Tipps. 
Im Beruf und am Arbeitsplatz: 
- Bewegungsübungen einbauen 
- stundenlanges Sitzen und Stehen vermeiden 
- Umbau des Schreibtisches zum Steh-Sitz-Pult

Im Alltag: 
- Als Rückenschläfer nur mit geradem Kopfteil liegen 
- gute Matratzen helfen dem Rücken, sich zu entspannen 
- Liegen und Laufen ist gut, Sitzen und Stehen ist schlecht 
- kein Heben aus dem Rücken, sondern aus den Oberschenkeln 
- Alltagsgegenstände wie Spüle, Wäscheleine auf die richtige Höhe bringen 
- Kleidung und Schuhe anpassen (leicht, luftig, weit, gut sitzend, keine Absätze) 
- Schuhe immer nachmittags kaufen, weil Füße und Beine anschwellen 
In Bezug auf Bewegung und Ernährung: 
- Übergewicht reduzieren 
- Bewegungen zum Muskelaufbau im Rücken und Bauch

Autor: Amalya Lamers