COPD (Lungenerkrankung)

COPD (Lungenerkrankung)

Schätzungen zufolge leiden allein in Deutschland bis zu zwölf Prozent aller Erwachsenen ab einem Alter von 40 Jahren an COPD. Die Abkürzung steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen. Seltener wird die Krankheitsgruppe auch als COLD, CORD oder COAD bezeichnet. Krankheiten aus der COPD-Gruppe manifestieren sich durch Symptome wie Auswurf, Husten und belastungsabhängige Atemnot. Diese Beschwerden werden als AHA-Symptome zusammengefasst.

Alle Krankheitsbilder der Gruppe COPD sind durch eine Behinderung der Atmung gekennzeichnet. Bei den meisten Patienten kommt es direkt am Morgen zu Auswurf (Sputum). In den Wintermonaten wird außerdem mehr abgehustet als während der wärmeren Monate. Die Farbe und Konsistenz des Sputums lässt Rückschlüsse auf die zugrundeliegenden Krankheitsprozesse innerhalb der Lunge zu. Die Lungenfunktion der Patienten verschlechtert sich fortlaufend und die belastungsabhängige Atemnot (Belastungsdyspnoe) nimmt im Verlauf der Erkrankung zu. In späteren Stadien kann die Atemnot sogar zur Bewegungsunfähigkeit der Betroffenen führen.

Die bekanntesten Einzelkrankheiten aus der Gruppe der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen sind das Lungenemphysem und die chronisch obstruktive Bronchitis. COPD wird aufgrund der steigenden Zahlen als unterschätzte Volkskrankheit bezeichnet. Die World Health Organisation (WHO) spricht im Zusammenhang mit den Erkrankungen sogar von der weltweit vierthäufigsten Todesursache.

Ursachen

COPD unterliegt einer sogenannten multifaktoriellen Entwicklung. Die internen Risikofaktoren liegen teilweise in der Genetik, so zum Beispiel in einem genetisch bedingten Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (Erbkrankheit bei der Leberzellen zu wenige Enzyme produzieren). Unter den externen Faktoren spielen neben Tabakkonsum auch Umweltverschmutzung, berufliche Belastung, Ernährungsweise und Infektionen eine Rolle.

Prinzipiell besteht die Pathophysiologie aus drei zusammenhängenden Komplexen. Die nicht obstruktive chronische Bronchitis löst einen Wuchs der Bronchialschleimhaut mit Sputum und Funktionsstörungen der Zellen, die die Atemwege polstern (Flimmerepithel), aus. Chronisch obstruktive Bronchitis lässt schließlich die Schleimhaut schrumpfen, zerstört die Bronchialstruktur und führt zu einem Bronchienkollaps. Überdehnte Lungenbläschen stellen daraufhin ein Missverhältnis von körpereigenen Schadstoffen und Schutzstoffen her, das durch Noxen-bedingte Entzündungen aufrechterhalten wird.

Externe Noxen entstehen zum Beispiel durch Tabakkonsum – viele COPD-Patienten sind Raucher. Tabakrauch lässt eine hohe Konzentration freier Sauerstoffradikaler entstehen und stört damit körpereigene Schutzmechanismen der Lunge. Allerdings halten Experten mittlerweile Umweltgifte für die bedeutenderen Schadstoffe. Dämpfe von Biokraftstoffen sowie Atemluftbelastung durch Schwefeldioxid tragen zur Erkrankung an COPD bei. Darüber hinaus legen Studien anorganischen und organischen Staub sowie Nitrit-haltige Ernährung als ursächliche Faktoren nahe. Dasselbe gilt für Infektionen der Atemwege, so zum Beispiel für eine virale Lungenentzündung im Kindesalter.

Diagnose

Die Anamnese ist ein erster entscheidender Schritt bei der Diagnostik von COPD. Die Patienten berichten von Auswurf, chronischem Husten und belastungsabhängiger Atemnot. In vielen Fällen kann die erste Verdachtsdiagnose durch das klinische Bild, eine bakteriologische Untersuchung des Auswurfs sowie Lungenfunktionstests gestellt werden. Auf einem Röntgenbild kann man überdehnte Lungenbläschen sehen. Darüber hinaus geben auch Blutgasanalysen wertvolle Hinweise.

Abzugrenzen sind jedoch andere obstruktive Erkrankungen der Atemwege. Hierzu zählen neben Asthma bronchiale die zystische Fibrose (Stoffwechselstörung), die Sarkoidose (Entzündung, die das Gewebe eines Organs verändert), die Bronchiektasie (abnormale Ausweitungen der Bronchien) und die Bronchiolitis obliterans (Entzündung der Bronchiolen). Über die Ergebnisse des Lungenfunktionstests werden bei der COPD-Diagnostik außerdem der Schweregrad und das Stadium der Erkrankung ermittelt. Zur Ermittlung des Schweregrads stellt die GOLD-Klassifikation einen Orientierungsrahmen.

Therapie

Ziel jeder COPD-Behandlung ist es, das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern. Die Lebensqualität der Patienten soll durch die Behandlung verbessert werden. Außerdem werden ursächliche Schadenseinflüsse bei der Therapie soweit wie möglich reduziert, um die Prognose der Patienten zu verbessern. Verschlechterungen, Infektionen und anderen Komplikationen beugt die Therapie vor. Erfolgskontrollen in Form von Lungenfunktionstests sind ein regelmäßiger Bestandteil der Behandlung. Die Behandlungsschritte hängen im Einzelnen von Stadium und Schweregrad der Symptome ab.

Neben medikamentösen Behandlungsmaßnahmen stehen invasive und unterstützende Verfahren zur Verfügung. Die medikamentöse Langzeittherapie kann mittels Glukokortikoide (spezielle Hormone) erfolgen, die die Patienten über einen Inhalator zu sich nehmen. Zur Reduzierung des Atemwegswiderstands werden oft Anticholinergika (hemmender Wirkstoff) gegeben. Darüber hinaus stehen zur medikamentösen Therapie diverse Stoffe wie Beta-2-Sympathomimetika, Theophyllin, Mukopharmaka und PDE-4-Hemmer zur Verfügung. In fortgeschrittenen Stadien werden diese Verfahren mit operativen Eingriffen wie der Bullektomie, der Lungenvolumenreduktion, der Implantation von Ventilsystemen oder der Lungentransplantation kombiniert.

Zu den unterstützenden Behandlungsmaßnahmen zählt vor allem körperliches Training, das eine Belastbarkeitsverbesserung anstrebt. Neben einer Physiotherapie können Patienten auch eine Atemphysiotherapie machen. In schweren Fällen stehen außerdem Supportmaßnahmen wie Langzeitsauerstofftherapie und Heimbeatmung zur Verfügung. Deutlichen Verschlechterungen wird mit Medikamenten zur Erweiterung der Bronchien, einer Glukokortikoidtherapie, Antibiotikagabe oder einer Beatmung begegnet. Im akuten Notfall werden prinzipiell dieselben Medikamentengruppen genutzt wie bei der Langzeittherapie. In vielen Fällen werden den Patienten außerdem Schutzimpfungen ans Herz gelegt, die das Risiko für Atemwegsinfekte reduzieren.

Weitere Informationen

Seit dem Jahr 2001 engagiert sich die WHO gemeinsam mit dem National Institutes of Health (NIH) vermehrt in der COPD-Aufklärung. Mit der Initiative GOLD soll weltweit eine Optimierung bei der Diagnose und Behandlung von Lungenerkrankungen erreicht werden. Das Bewusstsein der Bevölkerung soll durch die GOLD-Initiative gesteigert werden.

https://www.copd-deutschland.de 
www.lungenaerzte-im-netz.de 
flexikon.doccheck.com 
https://www.lungeninformationsdienst.de 
https://www.lungenemphysem-copd.de

Autor: Sima Moussavian