Achselschweiß: Therapie

Achselschweiss Schweißdrüsen Entfernung

Achselschweiß: Therapie

Grundsätzlich bedarf Achselschweiß keiner ärztlichen Therapie. Es existiert eine ganze Reihe von Maßnahmen, die jeder Betroffene bequem zu Hause durchführen kann. Die dafür notwendigen Zutaten sind in der Regel rezeptfrei und problemlos käuflich zu erwerben. Dabei reicht die Bandbreite der Produkte von Sprays über Salben und Tees bis hin zu pflanzlichen Tabletten. Erst wenn diese „sanften“ Maßnahmen versagen sollte ein Gang zum Arzt in Erwägung gezogen werden.


Breite Palette an Maßnahmen

Die bekanntesten Waffen gegen Achselschweiß sind sogenannte Deodorants. Dabei handelt es sich um Kosmetika in Form von Sprays oder Rollern, die auf die Hautoberfläche der Achselhöhlen aufgebracht werden. Dabei unterscheiden sich die unterschiedlichen Deodorants in ihrem Wirkungsschwerpunkt. So gibt es Produkte deren Zusammensetzung so konzipiert ist, dass sie speziell gegen den unangenehmen Geruch von Achselschweiß wirken und diesen neutralisieren bzw. überdecken. Eine Verringerung der Menge an Achselschweiß wird durch diese Art der Pflegeprodukte kaum oder nur in geringem Maße erreicht.

Geruchsneutralisierende Deodorants arbeiten auf der Grundlage von antimikrobiellen Chemikalien. Diese reduzieren die Bakterienbesiedlung der Achselhöhle und reduzieren auf diesem Weg die geruchlichen Auswirkungen von Achselschweiß. Ebenfalls in geruchsvermindernden Deos enthalten sind Antioxidantien die die geruchsbildenden, oxidativen Prozesse im Achselschweiß verhindern. Gleiches gilt für enthaltene Enzymhemmer. Die enzymatische Aktivität der im Achselschweiß befindlichen Bakterien bildet ebenfalls unangenehme Gerüche. Ergänzend enthalten diese Deodorants meistens ätherische Öle, die dem Nutzer einen angenehmen Geruch verleihen.

Andere Formen der Deodorants zielen primär darauf ab, die Menge an sezerniertem Achselschweiß zu verringern. Hierzu enthalten die entsprechenden Produkte Aluminiumsalze, welche die Ausführungsgänge von den Schweißdrüsen zur Hautoberfläche verstopfen. Direkte Folge hiervon ist eine wesentlich geringere Menge an Achselschweiß, der an die Hautoberfläche gelangen kann. Man bezeichnet diese Art der Deos als Antitranspiranten. Nachteil dieser Produkte ist die oft hautreizende Wirkung der Aluminiumteilchen. Aus diesem Grund befinden sich in modernen Antitranspiranten oft pflegende Anteile. Geruchsneutralisierende Deos werden morgens aufgetragen, Antitranspiranten abends. Bei Letzteren müssen die Aluminiumsalze die nötige Zeit haben, in die Schweißgänge einzudringen. Manche Produkte enthalten auch eine Kombination aus beiden Wirkungsarten. Antitranspiranten stehen neben Sprays auch in Form von Pudern oder Salben zur Verfügung.

Einige Pflanzen haben nachgewiesenermaßen eine schweißhemmende Wirkung. Das mit Abstand bekannteste Beispiel hierfür ist Salbei. In Form von Tees, Salben oder Tinkturen wird die Pflanze seit vielen Jahrhunderten gegen eine übermäßige Schweißproduktion bzw. starken Achselschweiß angewendet. Außerdem beugt Salbei Verdauungsstörungen vor und kann bereits bestehende Beschwerden lindern. Die Achselschweiß reduzierende Wirkung von Salbei beruht auf mehreren Mechanismen, wie die Wissenschaft heute weiß. Bereits lange bekannt ist die Tatsache, dass die Inhaltsstoffe von Salbei sowohl die Schweißgänge, als auch die Schweißdrüsen zusammenziehen. Konkret bedeutet dies, dass weniger Achselschweiß nach außen gelangt.

Neuere Forschungen haben aber ergeben, dass dies nicht der einzige Wirkmechanismus von Salbei ist: Die Heilpflanze blockiert auch die neuronale Innervation der Achselschweiß-Drüsen und sorgt im für das Schwitzen zuständigen Bereich im Gehirn für eine Minderung der Aktivität. Um eine angemessene Wirkung zu erzielen müssen relativ hohe Mengen an Salbei aufgenommen werden. Diese sind mit Tees oder Bonbons kaum zu erreichen. Daher existieren mittlerweile Arzneimittel, die sehr hochdosiertes Salbei enthalten. Einige Tabletten täglich von diesen apothekenpflichtigen Präparaten können die Schweißsekretion signifikant vermindern.

Gewisse Lebensweisen sollten schließlich beachtet werden wenn man unter vermehrtem Achselschweiß leidet. Es gilt in jedem Fall, Übergewicht abzubauen. Des Weiteren sollte auf scharfe Speisen, hochprozentige Spirituosen und Kaffee verzichtet werden. Liegt der erhöhten Menge an Achselschweiß eine Erkrankung zu Grunde, ist diese selbstverständlich zu therapieren.


Wenn der Gang zum Arzt unerlässlich wird


Greifen keine der genannten Maßnahmen, sollte ein fachkundiger Mediziner aufgesucht werden. Es gibt einige medizinische Behandlungsmethoden, den extremen Achselschweiß und allgemein eine krankhafte Schweißproduktion therapieren können.


Botulinumtoxin (Botox)

Das Verfahren ist insbesondere Achseschweiß geeignet. Botulinumtoxin – kurz Botox – zählt zu den stärksten Giftstoffen die es auf der Erde gibt. Bekannt ist es v. a. aus dem Bereich der Ästhetischen Chirurgie, wo es im Kampf gegen Falten eingesetzt wird. Im vorliegenden Fall wird das Nervengift unter die Haut der Achselhöhle gespritzt. Dort blockiert es die Nerven, welche für die Schweißdrüsenaktivierung zuständig sind. Da es sich um Nervenfasern des Sympathikus handelt, kommt als Neurotransmitter Acetylcholin vor. Genau hier wirkt Botox: Es dringt in die Nervenzelle ein und blockiert die Ausschüttung des Botenstoffs. Dadurch kann der Nerv keine Information mehr an die Schweißdrüse weiterleiten und die Produktion von Achselschweiß entfällt. Die Wirkung hält etwa 6 – 12 Monate an. Die Kosten für den Eingriff werden nur in Ausnahmefällen von der Krankenkasse erstattet und betragen zwischen 500 und 1.000 Euro.

Iontophorese


Hierbei wird unter Wasser mit einer Elektrode kontinuierlich Gleichstrom an die Haut abgegeben. Dadurch soll die Aktivität der Schweißdrüsen vorübergehend verringert werden. Das Verfahren ist nicht so zuverlässig, wie erstgenanntes.

Sympathektomie

Dieses chirurgische Verfahren sorgt für eine dauerhafte Ausschaltung der Achselschweiß-Produktion. Unter Vollnarkose wird für gewöhnlich in beiden Achselhöhlen zunächst ein Hautschnitt vorgenommen. Durch diesen wird ein entsprechend ausgerüstetes Endoskop in den Brustraum vorangetrieben. Hier gilt es nun, entsprechende Nervenstränge des Sympathikus zu durchtrennen, die nachweislich die axillären Schweißdrüsen innervieren. Alternativ können die Nervenfasern auch mit speziellen Klammern abgeklemmt werden. Diese Maßnahme macht den Eingriff reversibel. Der Eingriff ist nicht völlig risikofrei, wird aber bei entsprechender Indikation von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Saugkürettage


Die Therapieoption nennt sich vollständig minimal-invasive subkutane Saugkürettage. Dieses Verfahren ist ebenfalls speziell für die Behandlung von krankhaftem Achselschweiß geeignet. Unter lokaler Betäubung der Achselhöhlen wird ein kleiner Hautschnitt angefertigt. Durch diesen wird zunächst Kochsalzlösung ins Gewebe eingebracht. Anschließend wird versucht, die im Unterhaut- bzw. Fettgewebe befindlichen Schweißdrüsen abzusaugen oder auszuschaben.


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Teil 1: Achselschweiß: Allgemeines

Teil 2: Achselschweiß: Ursachen

Teil 3: Achselschweiß: Diagnose

Teil 4: Achselschweiß: Therapie

 

© medizin.de 2013 (Gunnar Römer)