Alter und Pubertät
Die hormonelle Komponente, die Beeinflussung der Akne durch männliche Geschlechtshormone, lässt Jugendliche und junge Erwachsene besonders oft und intensiv betroffen sein. In den letzten Jahren wird zudem beschrieben, dass sich der Beginn der hormonellen Umstellung weiter in die jüngeren Lebensalter verschiebt. Deshalb leiden schon Kinder (meist Mädchen) um das 10. Lebensjahr nicht selten unter Komedonen und Pusteln. Leider ist es auch nicht entsprechend früher wieder damit vorbei: Im Gegenteil kann es durchaus bis zum Alter von 25-30 Jahren bei der so genannten Pubertätsakne bleiben. Auch hier sind Frauen leider eher benachteiligt und haben länger mit der Akne zu kämpfen. Als kleiner Trost verläuft sie aber meist milder als bei den Jungen und Männern.
Aknebehandlung
Keineswegs ist die Akne "Schicksal" oder "man und frau muss da einfach durch". Im Vergleich zu früheren Zeiten verfügt die Dermatologie über eine große Zahl von Behandlungsansätzen. Für jeden Hauttyp, jedes Alter und jeden Schweregrad ist das Richtige dabei. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, zu Beginn der Behandlung und in regelmäßigen Abständen zur Verlaufsbeobachtung zu einem Hautarzt zu gehen. Das "Herumdoktern" bringt meist nur wenig und der Gebrauch der in der Werbung angepriesenen "Mittelchen" nützt nur dem Hersteller. Ein Fachmann sollte den Erfolg begutachten und bei Bedarf die Behandlung verändern bzw. intensivieren.Ein wichtiger Grundsatz gilt aber für alle Therapien: Von heute auf morgen geht es nicht. Bis sich Erfolge einstellen, braucht es Geduld. Sichtbare Ergebnisse benötigen eher Monate als Wochen und in ein paar Tagen bewegt sich nichts. Oft wird es durch die eingesetzten Mittel für einige Tage sogar noch schlimmer, weil sich die Entzündung kurzfristig verstärkt.
Die Behandlungsmöglichkeiten bestehen aus mehrere Optionen und sind meist miteinander kombinierbar:- äußere Therapie (Hautpflege, Kosmetik und/oder Schältherapie)- Antibiotika- UV-Bestrahlung- Anti-Baby-Pille- Isotretinoin
Äußere Therapie (Hautpflege, Kosmetik und/oder Schältherapie).
Die erste Stufe der Behandlung besteht in der äußerlichen Therapie. Die Umstellung auf seifenfreie Waschlotionen und die Aknetoilette bringen oft erstaunliche Erfolge. Unter Aknetoilette versteht man das fachgerechte (nicht selbst versuchen!) Entfernen der Mitesser und leicht entzündeten Pusteln. Sie werden durch warme Kompressen aufgeweicht und dann mit speziellen Geräten ausgedrückt. Das sollte nur von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt werden, die aber gerne Tipps gegen, was jeder selbst tun kann. Unterstützt wird diese Therapie durch Cremes und Gels, die die oberste Hautschicht leicht schälen und damit das Entstehen neuer Komedonen verhindert.
Antibiotika äußerlich und innerlich
Bei stark entzündeten "Pickeln" reicht die erste Stufe oft nicht aus. Dann greift der Hautarzt gern zu Cremes, die Antibiotika enthalten und auf die Pustel aufgetragen werden. Der meist verwendete Wirkstoff ist Erythromycin. Die Anwendung sollte auf wirkliche notwendige Fälle beschränkt bleiben, da es inzwischen viele Resistenzen gegen das Mittel gibt. Gegebenenfalls kann auf andere Wirkstoffgruppen umgestellt werden.
Die nächste Stufe ist die Gabe von Antibiotika "von innen", also in Tablettenform für zum Beispiel vier bis sechs Wochen. Das ist vor allem bei der mittelstarken entzündlichen Form der Akne zu empfehlen. Die überwiegend verwendeten Doxycyclin oder Minocyclin schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie vermindern die Talgproduktion und bekämpfen gleichzeitig die Entzündung durch die Bakterien. Die Mittel sind gut verträglich und bei sonst gesunden jungen Menschen auch unbedenklich, wenn sie korrekt eingesetzt werden.
UV-Bestrahlung
Die meisten Betroffenen machen die Erfahrung, dass ihre Akne in den Sommermonaten und im Sonnenurlaub zurückgeht. Dennoch wird in Deutschland nur im geringen Maße therapeutisch auf die Möglichkeit zurückgegriffen, durch regelmäßige Bestrahlungen in der UV-Kabine das Bild zu bessern. Der Grund sind fehlende Langzeitergebnisse und der große Aufwand für den Patienten. Wenn überhaupt, sollte die Bestrahlung beim Hautarzt geschehen und nicht im Sonnenstudio, da diese andere Wellenlängen (Turbobräuner) benutzen, die die Haut schädigen können.
Anti-Baby-Pille
Der Hormon-Faktor im Gemisch der Akne-Auslöser lässt sich gut mit der Anti-Baby-Pille behandeln. Die darin enthaltenen weiblichen Geschlechtshormone lassen das relative Gewicht der männlichen im Körper sinken und führen zu einer Reduktion der Talgproduktion und weniger Entzündungen. Diese Therapieoption steht nur für Frauen zur Verfügung, Männer dürfen auf keinen Fall die "Pille" nehmen! Da nicht alle Präparate gleich gut geeignet sind, sollte die Auswahl mit dem Frauenarzt abgesprochen werden, der die Frau vorher untersuchen muss. Jede Frau (evtl. mit ihren Eltern) muss für sich entscheiden, ob sie die "Pille" überhaupt nehmen will. Die Akne einzudämmen ist ja nur ein in diesem Fall erwünschter Begleiteffekt.
Isotretinoin
Bei schwerer und sehr schwerer Akne wird der Wirkstoff Isotretinoin in Tablettenform gegeben. Dabei handelt es sich um einen sehr starken Hemmer der Talgproduktion, der entfernt mit dem Vitamin A verwandt ist. Allerdings erkauft sich der Anwender die Wirkung mit teilweise sehr lästigen Nebenwirkungen wie dem Aufspringen der Lippen, möglichem Haarausfall und Verminderung der Tränenflüssigkeit. Darüber hinaus muss das Blutbild regelmäßig kontrolliert werden. Isotretinoin führt, nimmt die Mutter das Mittel während der Schwangerschaft ein, immer zu schwersten Geburtsfehlern und Behinderungen beim Kind, es ist absolut fruchtschädigend oder teratogen. Daher dürfen Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter das Mittel nicht nehmen. Ausnahmen können nur gemacht werden, wenn es während und mindestens ein halbes Jahr nach der Einnahme sicher zu keiner Schwangerschaft kommt. In jedem Fall wird die Aufklärung über die genannten Probleme in einem Begleitheft für den Patienten dokumentiert.
Kostenübernahme
Die beschriebenen äußerlich anzuwendenden Mittel und die kosmetische Behandlung werden von den Krankenkassen nicht bezahlt. Daher entsteht manchmal ein gewisser Druck, früher als notwendig auf Antibiotika und andere auszuweichen, die weiterhin übernommen werden. Davon ist natürlich abzuraten.
(Dr. med. Dipl. Inf. Berthold Gehrke) © medizin.de 2006 (zuletzt aktualisiert 02/2009)