Appetitlosigkeit (Anorexie): Überblick

Appetitlosigkeit

Gelegentliche Appetitlosigkeit ist ebenso beunruhigend wie vorübergehender Heißhunger. Das Hungergefühl wird im Gehirn erzeugt und je nach äußeren oder inneren Faktoren ergeben sich teilweise massive Schwankungen. Seelischer Stress beispielsweise löst bei dem Einen wahre „Fressattacken“ aus, der Andere bekommt nicht einmal einen Apfel herunter. Auch Faktoren wie Liebeskummer oder Trauer können den Appetit phasenweise aushebeln. Unter normalen Bedingungen wird der Appetit durch sogenannte endogene (von innen kommende) und exogene (von außen kommende) Reize gesteuert. Ein Netzwerk aus Millionen von Rezeptoren misst den Zucker- und Nährstoffgehalt im Blut und meldet an das Zentralnervensystem, ob der Mensch Nahrung zuführen muss oder noch nicht. Unterstützt wird das Hungergefühl durch Umweltreize wie Geruch oder den Anblick von leckeren Speisen. Bleibt der Appetit aber für längere Zeit aus und  gibt es auf den ersten Blick keine erkennbare Ursache, sollte auf jeden Fall ein Arzt konsultiert werden.

Teilweise stehen körperliche Ursachen hinter der Appetitlosigkeit. Meistens handelt es sich um Erkrankung des Verdauungstraktes, z. B. eine Magenschleimhautentzündung oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn. Auch Krebserkrankungen und bestimmte Medikamente schlagen sprichwörtlich „auf den Magen“. Gerät unsere innere Uhr aufgrund von häufigen Zeitverschiebungen – z. B. im Rahmen eines Jetlags – aus dem Gleichgewicht, kann auch das die Ursache einer vorübergehenden Appetitlosigkeit sein.

Häufig sind aber seelische Probleme der Auslöser von mangelndem Hunger. Depressionen sind dafür bekannt, dass sie die Gefühlswelt des Betroffenen teilweise lahmlegen; auch der Hunger geht häufig verloren. Eine besonders extreme Form der Nahrungsverweigerung ist die Magersucht (Anorexia nervosa). Aber auch übermäßiger beruflicher oder privater Stress steht oftmals dahinter, wenn die Lust auf eine gute Mahlzeit verlorengeht. Im sehr hohen Lebensalter lässt der Appetit ebenfalls nach. Bis zu einem gewissen Grad ist dies dem unbedenklich, nicht selten geraten alte Menschen aber sogar in einen Zustand des Mangels.

Um dem vertrauten Hungergefühl wieder auf die Sprünge zu helfen, muss zuerst die Ursache für die Appetitlosigkeit gefunden werden. Durch eine konsequente Beseitigung der Auslöser lässt sich der ursprüngliche Zustand meistens wiederherstellen. Manchmal bedeutet dies auch einen Medikamentenwechsel oder die völlige Umstellung der Lebensweise. Unterstützend können bestimmte Wirkstoffe helfen, den Appetit wieder anzuregen (z. B. Hausmittel wie Fenchel oder rezeptfreie Medikamente).

© medizin.de (2016) Gunnar Römer

 

Quellenangaben:

  • Ernährungsmedizin und Diätik (Heinrich Kaspar), Urban & Fischer
  • Klinische Gastroenterologie (Helmut Messmann), Thieme-Verlag
  • Ernährungsmedizin: Prävention und Therapie (P. Schauder & G. Ollenschläger), Urban & Fischer
  • Innere Medizin 2016 (G. Herold), Selbstverlag
  • Ernährungsmedizin (H.-K. Biesalki, S.-C. Bischoff, C. Puchstein), 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Thieme-Verlag

 

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Teil 1: Appetitlosigkeit (Anorexie): Überblick

Teil 2: Appetitlosigkeit (Anorexie): Ursachen

Teil 3: Appetitlosigkeit (Anorexie): Diagnose

Teil 4: Appetitlosigkeit (Anorexie): Therapie