ASS schützt vor Bauchspeicheldrüsenkrebs

ASS_Bauchspeicheldruesenkrebs

Nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gehört es zu den, meistens lebenslang eingenommenen Standartmedikamenten: ASS – die Acetylsalicylsäure hemmt in geringer Dosierung die Blutgerinnung und bildet somit einen wirksamen Schutz gegen kardiovaskuläre Ereignisse. Bekannt ist auch die schmerz- und entzündungshemmende Wirkung der Tabletten. Studien der letzten Jahre haben außerdem nachgewiesen, dass ASS die Auftretenswahrscheinlichkeit von Polypen, Darm- und Speiseröhrenkrebs senkt. Großes Aufsehen in der medizinischen Fachwelt erregte unlängst eine Studie aus den USA, wonach eine langjährige moderate Einnahme von ASS das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs drastisch zu senken vermag. Hoffnung im Kampf gegen eine der tödlichsten Krankheiten der Welt?


Präventive Wirkung erst jetzt nachgewiesen

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Harvey Risch (Yale School of Public Health in New Haven) fand zum Thema ASS und seine vor Krebs schützende Wirkung eine Fall-Kontroll-Studie mit 363 Probanden statt. Diese nahmen über verschieden lange Zeiträume den Wirkstoff ASS in einer Dosierung ein, die auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen üblich ist. Insgesamt 690 Gesundheitskontrollen wurden im Rahmen der Studie durchgeführt. Nur selten zeigt sich im Rahmen vergleichbarer Forschungen ein so deutliches Ergebnis: Sechs Jahre ASS-Einnahme führten zu einer Reduktion der Krebserkrankungen um 39 Prozent. Nach zehn Jahren waren es bereits 60 Prozent. Es zeigte sich, dass mit jedem Jahr ASS das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs abnahm. Aus den gesamten Werten lässt sich folgende Aussage treffen: Eine regelmäßige niedrig dosierte ASS-Applikation senkt das Erkrankungsrisiko um durchschnittlich 48 %.

Im Umkehrschluss zeigte sich eine schnelle Erhöhung der Wahrscheinlichkeit zu erkranken bei den Personen, die das ASS abgesetzt hatten. Die Gründe für die Beendigung der Einnahme waren vielseitig. Bei einem Teil der Probanden ist zu vermuten, dass sich der Krebs trotz ASS gebildet hat und die Symptome wie Geschmacksveränderungen und Unwohlsein zu einem Stopp der ASS-Applikation geführt hat. In diesem Fall wäre das Absetzen nicht ursächlich für den Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dennoch: Es konnte klar nachgewiesen werden, dass bei Patienten, die vor zwei Jahren die Einnahme von ASS gestoppt haben, die Krebsrate wieder deutlich anstieg. Und zwar um bis das Dreifache.


Vermutlich mutationshemmende Wirkung von ASS verantwortlich

Erst der Darmkrebs, dann das Speiseröhrenkarzinom und nun Bauchspeicheldrüsenkrebs – es kann kaum ein Zufall sein, dass sich ASS bei diesen Krebserkrankungen schützend auswirkt. Noch ist wissenschaftlich nicht aufgeklärt, wieso der Arzneistoff eine solch präventive Wirkung auf die genannten Krankheitsbilder entfaltet. Auf der Suche nach einer Gemeinsamkeit dieser Krebsarten ist eins auffallend: Alle drei Tumore entstehen durch zunächst gutartige Gewebeveränderungen mit Entartungspotenzial (Präkanzerose): Beim Darmkrebs treten zunächst Polypen auf, beim Speiseröhrenkarzinom sind es zelluläre Veränderungen in der Wand des Hohlorgans, genannt Barrett-Ösophagus. Die nicht-maligne Vorstufe von Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht aus Gewebeumwandlungen mit der Bezeichnung intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie. Im Anschluss entstehen alle genannten Krebserkrankungen durch eine stetig größer werdende Anhäufung von Mutationen.

Inwiefern ASS allerdings als Krebsprophylaxe praktische Anwendung finden kann ist fraglich. Zwar sinkt das Risiko an Krebs zu sterben, die Gefahr einer Blutung im Magen-Darm-Trakt steigt durch ASS aber bekanntermaßen signifikant.

© medizin.de 2014 (Dr. Florian Korff)


Quellenangaben:

  • Studien-Abstract in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (26.06.2014)
  • Pressemitteilung der American Association for Cancer Research (26.06.2014)
  • Dt. Ärzteblatt (27.06.2014)
  • Chemie für Mediziner (Axel Zeeck), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • Pharmakologie und Toxikologie (Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Lutz Hein), Thieme-Verlag