Biotinmangel

Biotinmangel

Unter einem Biotinmangel ist ein zu geringer Gehalt des wasserlöslichen Vitamins Biotin zu verstehen. Bekannte Synonyme für Biotin sind Vitamin B7 und Vitamin H. Biotin ist als Coenzym bzw. prosthetische Gruppe zahlreicher Enzyme an unzähligen biochemischen Reaktionen im Körper beteiligt. Auch an der Modifizierung von Genen und der Regulation von genetischen Vorgängen wirkt das Molekül mit. Spezielle Störungen im Organismus – speziell im Magen-Darm-Trakt – können zu einer verminderten Resorption von Biotin und damit zu einem Mangel der sehr wichtigen Verbindung führen. Haarausfall, Muskelschmerzen und Missempfindungen sind nur einige der Symptome.

Zahlreiche Ursachen führen zum Defizit

Wie zahlreiche Vitamine, Nährstoffe und Spurenelemente wird Biotin über den Gastrointestinaltrakt aus der Nahrung resorbiert und der Blutbahn zugeführt. Ist die Darmflora – beispielsweise durch Einnahme von Antibiotika – gestört, kann es aus zweierlei Gründen zu einem Biotinmangel kommen. Einerseits helfen Darmbakterien, v. a. Escherichia coli, bei der Resorption von Biotin aus dem Nahrungsbrei. Andererseits sind diese teilweise in der Lage, Biotin selber zu synthetisieren.

Zu einer mangelnden Aufnahme von Biotin durch das Darmsystem kommt es außerdem bei Patienten, denen ein Teil des Dünndarms entfernt wurde (beispielsweise in Folge von Bauchspeicheldrüsenkrebs). Hier steht der Nahrung zu wenig Resorptionsfläche zur Verfügung, um den Organismus ausreichend mit dem Vitamin zu versorgen. Verschärft wird die Problematik, wenn die Betroffenen außerdem mit biotinarmer Sondenkost ernährt werden.
Zu einem Biotinmangel können auch bestimmte chemische Substanzen führen: So ist bekannt, dass langjähriger und übermäßiger Alkoholkonsum die Aufnahme von Vitamin B7 verringert.

Ebenso lösen bestimmte Arzneimittel aus der Gruppe der Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie) bei manchen Menschen einen Biotinmangel aus. Eine Ursache hierfür konnte bisher nicht gefunden werden. Zu den häufigsten Auslösern der Mangelerscheinung gehört auch eine Schwangerschaft. Das Defizit ist hierbei aber meistens so gering, dass es zu keinen nennenswerten klinischen Anzeichen kommt. Auch hier ist der genaue Grund für den leichten Biotinmangel nicht bekannt. Bei rund 35 % der Schwangeren können aber im Urin erhöhte Mengen an Biotinmetaboliten festgestellt werden. Das spricht für einen evtl. durch schwangerschaftstypische hormonelle Veränderungen hervorgerufenen verstärkten Abbau des Vitamins.

Theoretisch kann auch der übermäßige Konsum von rohen Eiern zu der beschriebenen Mangelerscheinung führen: Rohe Hühnereier besitzen ein Polypeptid mit dem Namen Avidin. Dieses besitzt die chemische Eigenschaft, Biotin fest zu binden. Letzteres wird dadurch funktionsuntüchtig gemacht. Beim Erhitzen wird Avidin jedoch zerstört, weswegen dieses Phänomen praktisch keine Bedeutung hat. Auch eine klassische Mangelernährung als Ursache für das Störungsbild kommt in den modernen Industrieländern praktisch nicht vor.

Mangel zeigt vielseitige Symptomatik

Durch die Beteiligung von Biotin an sämtlichen chemischen Reaktionen im Organismus und die Rolle in der Genregulation, führt ein entsprechendes Defizit zu mannigfaltigen Krankheitszeichen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Symptome.

  • Blässe
  • Depressionen
  • Halluzinationen
  • Parästhesien (Missempfindungen)
  • erniedrigte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • starke Müdigkeit
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Hypotonie
  • Haarausfall
  • Brüchigkeit von Fuß- und Fingernägeln
  • Hypercholesterinämie
  • Anämie
  • Infektanfälligkeit
  • Ataxie (Bewegungsstörungen)
  • erhöhte Schmerzsensibilität
  • Hautausschlag


Grunderkrankung behandeln

Nachweisen lässt sich ein Biotinmangel durch labordiagnostische Untersuchung von Blut und Urin. Therapeutisch sollte zunächst die Grunderkrankung behandelt bzw. auslösende Faktoren beseitigt werden. Zusätzlich kann pharmakologisch hergestelltes Biotin im Sinne einer Substitutionstherapie verabreicht werden. Unterstützt werden kann die Therapie durch Einbau biotinhaltiger Lebensmittel in den Speiseplan. Hierfür eignen sich besonders Sojaprodukte, Nüsse, Milch, Haferflocken, gekochte oder gebratene Eier und bestimmte Innereien (v. a. Leber).

© medizin.de 2013 (Dr. Florian Korff)