Borreliose: Empfehlungen zur Diagnostik der Borreliose

Die Borreliose ist die in Deutschland am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung des Menschen und weit häufiger als die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis). Erreger der Lyme-Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi.

In der Praxis stellt sich sehr oft die Frage, wie bei einem fraglichen Zeckenstich oder einem fraglichen Erythema migrans weiter vorgegangen werden soll. Wie kann der Nachweis einer positiven Infektion erbracht oder ausgeschlossen werden?

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Labornachweis

Gleich zu Anfang ist festzustellen, dass der Nachweis einer (frischen oder früheren) Infektion durch ein medizinisches Labor schwierig und nicht einheitlich standardisiert ist. Von den Spezialisten wird vor nicht ausreichend sicheren Verfahren gewarnt. Zu diesen gehört der Lymphozyten-Transformationstest (LTT), der zu vielen falsch-positiven Ergebnissen führt. Das gilt auch für den Visual Contrast Sensitivity Test (VCS-Test oder Graustufentest).

Wenig Nutzen soll auch der Antigennachweis in Körperflüssigkeiten sowie die PCR aus Serum und Urin haben. Antikörper lassen sich auch bei anderen Infektion, noch lange nach einer Therapie, auch bei Gesunden, und noch viele Jahre später nachweisen, werden aber manchmal erst Wochen und Monate nach dem Stich reaktiv.

Neuroborreliose

Die Diagnose eines akuten Borrelien-Befalls des zentralen Nervensystems besteht folgende Empfehlung: Kombination typischer Beschwerden, entzündliche Veränderungen im Liquor und der positiven Borrelienserologie im Liquor (nicht im Blut!). Nur eine sehr konkreter Verdacht rechtfertigt aber eine Lumbalpunktion zur Gewinnung von Liquor. Für eine Routine-Diagnostik steht dieses Verfahren nicht zur Verfügung.

Routinediagnostik

Falls, warum auch immer - z.B. auch auf Drängen des Patienten oder Unsicherheit des Arztes -, ein Test auf Antikörper gegen Borrelien mit einem positivem Testergebnis durchgeführt wurde, soll eine Überprüfung der Ergebnisse in einem ausgewiesenen Referenzlabor wie dem Nationales Referenzzentrum für Borrelien an der Universität München angestrebt werden. Problematisch ist allerdings die Kostenübernahme einen solchen Vorgehens durch die Krankenkassen.

Wenn weiterhin auch klinische Beschwerden bestehen, kann in Einzelfällen eine einmalige Antibiotikatherapie erwogen werden. Auch hierbei soll beachtet werden, dass nach wie vor die Wirksamkeit einer solchen Therapie nicht in evidenzbasierten Studien nachgewiesen werden konnte.

Fazit

Die Leitlinie der AWMF, der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften, zieht ein skeptisches Fazit: „Die Borrelienserologie sollte nur bei begründetem klinischen Verdacht auf eine Borrelienätiologie durchgeführt werden. Unspezifische Symptome sind dagegen keine Indikation für eine Borrelienserologie, da der prädiktive Wert eines positiven serologischenn Befundes sehr gering ist.“

Im Klartext könnte man dies so interpretieren, dass man sich den üblichen Labortest außer bei Befall des Hirns schenken kann. Seine Ergebnisse führen zu mehr Verwirrung und Beunruhigung als zur Klärung.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)