Chlamydien-Urethritis: Lustseuche

Chlamydien-Urethritis Lustseuche

Die Gruppe der Chlamydien wurde bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu den Viren gezählt. Aufgrund neuer Erkenntnisse, z.B. der hohen Empfindlichkeit auf Antibiotika, sind sie nun als Bakterien eingeordnet. Zeitweise wurde sogar versucht, sie als einzellige Parasiten und damit als Tiere zu bezeichnen. Die Schwierigkeit der Einordnung wird verständlich, wenn man sich einige Eigenschaften der Chlamydien vor Augen führt: sie leben nur innerhalb von Zellen ihres Wirtes und bauen Teile der Wirtzelle in ihre eigene ein. Außerhalb der Zelle existieren sie als sehr kleine so genannte Elementarteilchen ohne eigenen Stoffwechsel; in dieser Form infizieren sie die nächsten Zellen.

Für den Menschen in Europa ist mit Abstand der wichtigste Vertreter dieser Bakterien-Gruppe Chlamydia trachomatis. Die in den Tropen von diesem Erreger ausgelöste Bindehautentzündung, das namengebende Trachom, führt unbehandelt zur Blindheit, es ist in den gemäßigten Zonen der Erde ohne Bedeutung. Vielmehr steht im Vordergrund, dass eine Chlamydien-Infektion hier die häufigste sexuell übertragbare Erkrankung darstellt.

Sehr hohe Durchseuchung

Aus Übersichtsuntersuchungen ist bekannt, dass schon Kinder zu circa 5% betroffen sind, bei Erwachsenen lassen sich je nach Region und Alter bis zu 80% Infizierte nachweisen. Die ganz überwiegende Zahl der Träger von Chlamydia trachomatis bemerkt nichts von ihrer Infektion. Damit ist einer weiteren Verbreitung der Weg bereitet, Chlamydien sind sehr ansteckend.

Warum eine so große Zahl von Infizierten, mehr als drei von vier, keine Beschwerden hat und viele offenbar auch keine nennenswerten Folgen befürchten müssen, ist unklar. Als Begründung werden genannt: individuelles Immunsystem, genetisch festgelegte höhere Resistenz, fehlende Kofaktoren.

Risiko für schwere Langzeitfolgen

Bewiesen ist allerdings der Zusammenhang einer Chlamydia trachomatis-Infektion mit einem erhöhten Risiko für Eileiterschwangerschaften und Frühgeburten. Aufgrund der lang andauernden Einzündung kann es zur Unfruchtbarkeit kommen, beim Mann seltener z.B. durch eine Entzündung der Nebenhoden. Eine bestehende Infektion mit Chlamydien steigert die Wahrscheinlichkeit, bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr HIV-positiv zu werden.

Bemerkbar machen kann sich eine Infektionen durch Chlamydia trachomatis bei Männern wie Frauen durch einen Ausfluss aus der Harnröhre (Chlamydien-Urethritis oder nicht-gonorrhoische Urethritis NGU), angegeben werden auch Schmerzen beim Wasserlassen oder unbestimmte Unterbauchschmerzen. Chlamydien werden als Mitverursacher von Erkrankungen außerhalb des Genitalbereiches vermutet, so für die Arthritis, den Mb. Alzheimer oder den Herzinfarkt bzw. atherosklerotische Ablagerungen. Für die beiden letztgenannten scheinen die anfangs genannten Belege allerdings zu wenig konkret zu sein.

Nachweis und Behandlung

Der Nachweis einer Infektion mit Chlamydien ist schwierig, sie können wegen ihres Wachstums innerhalb von Zellen nicht auf den üblichen Nährboden angezüchtet werden. Auch in Abstrichen entwischt das Bakterium leicht, da es sich in der Schleimhaut versteckt. Geeignete Methoden sind die Immunfluoreszenz und vor allem die DNA-Analyse mit Hilfe der PCR. Außer im Abstrich wird Urin oder Ejakulat untersucht.

Eine nachgewiesene Infektion kann sehr wirksam mit Standardantibiotika wie Makroliden oder Tetracyclinen behandelt werden. Als Mittel der Wahl gilt Doxycyclin, das aber konsequent über drei Wochen eingenommen werden muss. Resistenzen wurden bisher nicht beobachtet. Ebenso wichtig ist die gleichzeitige Behandlung aller Sexualpartner einer infizierten Person. Sonst kommt es zum Ping-pong-Effekt, der jeweils noch infizierte steckt den gerade behandelten wieder an. Nach dem Ende der Behandlung muss eine Kontrolluntersuchung stattfinden.

Gleichzeitig mit der Untersuchung auf Chlamydien soll auf andere sexuell übertragbaren Krankheiten untersucht werden. Lues (Syphilis), Gonorrhoe (Tripper), Trichonomaden, Ureaplasmen und Gardnerellen finden sich nicht selten als Koinfektion gleichzeitig. Die Chlamydieninfektion ist nicht meldepflichtig.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)