Crystal ist (wieder) da

Crystal ist (wieder) da Horrordroge als Brainkiller Meth = Death "Crystal Meth Die gefährlichste Droge der Welt", so titelte das Nachrichtenmagazin STERN. Die Zeitschrift warnt eindringlich vor der "Monsterdroge" mit eindrucksvollen Bildern und Berichten von Betroffenen. Die Droge ist zwar nicht wirklich neu aber brandgefährlich. Besonders viele junge Frauen mit Schlankheitswahn tappen in die Drogenfalle.

Droge mit Vergangenheit

Methamphetamin wurde 1919 in Japan hergestellt. In den 30-er Jahren ersetzte Amphetamin Cocain als Aufputschmittel. Traurige Berühmtheit erlangte das methamphetaminhaltige Perventin ® im 2. Weltkrieg als Wachhalte- und Aufputschmittel für Piloten. Deshalb trägt die Droge auch Szenenamen wie "Hitlers Drug" und "Nazidroge". 1941 wurde die Substanz als Betäubungsmittel eingestuft. Seit den 90er Jahren ist Meth auch in den USA ein großes medizinisches und soziologisches Problem. Die Verbreitung der Droge nahm seit 1995 um 40% zu - in einigen Landstrichen werden 70% der Straftaten im Crystal-Rausch verübt. Der Unterschied zum üblichen Speed ist der Reinhaltsgehalt:

Crystal Meth ist durch mehrfache Umkristallisation hochkonzentriert. Der neue Stoff erinnert an Eiskristalle oder Glassplitter. Deshalb die Namen Ice bzw. "Quarz" und "Glass". Der Name "Ice" hat dabei eine Doppeldeutigkeit: Zum einen aufgrund des Aussehens und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass in der Anflutungsphase nach dem Inhalieren den Körper ein starkes Kältegefühl durchzieht. Die milchig-kristalline Form wird als "Rice" bezeichnet.

Crystal hat noch viele weitere, umgangssprachliche Namen: Meth, Chalk, Bambinos, Dixies, Diamonts, Mao, Mollies, Jugs, Ups oder Crank. Je mehr Namen eine Droge in der Szene hat, desto skeptischer sollte man sein. Wenn "Ups" zu vielen aufsehenerregenden Todesfällen geführt hat, benennen die Dealer die Substanz einfach um. "Aus Raider wird jetzt Twix" in der Szene schon lange üblich. Im Jahr 2005 sind in der Stadt Nürnberg 47 Delikte mit Crystal bekannt geworden. Weitere bayerische Rauschgift-Schwerpunkte sind Bamberg, Bayreuth, Schwandorf und Amberg. Neben Bayern haben auch Sachsen und Thüringen zunehmend ein Problem mit Crystal. Ende Juli 2006 hat die Polizei in Regensburg 500 g der Droge sichergestellt, so ein Bericht von Bayern heute. Meth lässt die Konsumenten um Jahre altern (Quelle: Oregon Narcotics Enforcement Association)

Rauscherlebnis

Meth wird aus Glaspfeifen geraucht, kann geschluckt, geschnupft oder gespritzt werden. Geschnupft tritt die Wirkung nach ca. 10-20 Minuten, geschluckt nach 30-45 Minuten, geraucht nach einigen Sekunden ein. Die Wirkungsdauer beträgt dosisabhängig 6 bis 70 (!) Stunden. Bei der Aufnahme durch Inhalation werden die Kristalle auf Aluminiumfolie oder in einer Glaspfeife erhitzt und die dabei frei werdenden Dämpfe eingeatmet. Erfolgt die Aufnahme der Droge durch Schnupfen, werden die Kristalle zu feinem Pulver zerkleinert. Häufig werden diesem Pulver noch feine Glassplitter zugesetzt, die Schnittwunden in der Nasenschleimhaut verursachen. Dadurch wird die Substanz schneller ins Blut resorbiert. Für etwa 50 EUR bekommt man 1 g Meth. Besonders tschechische Drogenlabore beliefern Deutschland.

Wirkung

Kurz gefasst macht Meth wach und schlank. Weitere Wirkungen sind: Gefühl der Stärke, Euphorie, gesteigerter Rededrang (Logorrhoe) psychisch stimulierende Wirkung, Stimmungsaufhellung, Verlust der Schmerzempfindung, verstärkte motorische Aktivität und erhöhte Leistungsbereitschaft

Amphetamine sind starke Psychostimulantien. Die Auswirkungen auf das Verhaltensmuster des Konsumenten sind denen von Cocain sehr ähnlich.Nicht nur in der Gosse lebende Junkies werden von der Droge abhängig. Der ORF berichtet, die Sängerin Stacy Ferguson der Musikgruppe Black Eyed Peas habe zugegeben, süchtig nach Crystal Meth gewesen zu sein. Sie hat damit Gerüchten widersprochen, an Anorexie (Magersucht) zu leiden.Stress- und Glück aus der Retorte.

Die Einnahme von Crystal Meth setzt im Körper zwei Botenstoffe frei: Noradrenalin und Dopamin. Noradrenalin ist eng verwandt mit dem Streßhormon Adrenalin. Beim Konsumenten lässt es die Herzfrequenz hochschnellen, den Blutdruck steigen und die Pupillen groß werden. Kein Hunger, kein Durst, kein Schlafbedürfnis - der Körper ist auf Hochleistung und Angriff oder Flucht eingestellt. Dadurch wird der Konsument wach und aggressiv. Wer flieht, muss Leistungsreserven freisetzen, kann nicht Essen und entwickelt Aggressivität. Der Anwender hat Adrenalin "bis zur Oberkante Unterlippe". Dies führt zu starken Aggressionen gegenüber anderen oder sich selbst. Im dopaminergen System setzt Methamphetamin Dopamin aus seinen Speichern frei. Wird es freigesetzt, empfindet man ein "Gefühl der Zufriedenheit" für belohnenswerte Aktionen wie Sozialverhalten, Nahrungsaufnahme und Fortpflanzungsaktivitäten. Beim Morbus Parkinson liegt ein Dopaminmangel, bei Schizophreniepatienten eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber natürlich ausgeschüttetem Dopamin vor. Auch eine Manie mit Zwangshandlungen kann die Folge eines Dopaminüberschusses sein.

Außerdem wirkt Crystal Meth extrem neurotoxisch, d. h. es zerstört Nervenzellen ohne dass sie sich regenerieren können. Der Konsument verliert seine Merkfähigkeit, er verblödet.
Als Nebenwirkungen des Meth-Konsums können zahlreiche Symptome und Schäden auftreten. Erschreckend ist der rasche körperliche Abbau der Konsumenten. Sie scheinen innerhalb von Monaten um Jahre zu altern. Die Augen fallen ein, die Haut "welkt", die Zähne fallen aus, sie werden manisch und magern extrem ab. Der Name "Horrordroge" scheint gerechtfertigt.     " Ich würde sie alle wegsprengen. Alle, alle, alle. Und meine Mutter zuerst", so ein Zitat im STERN von einer Anwenderin. Man kann nur hoffen, dass auch die potenziellen Konsumenten solche Warnungen lesen. Der republikanische Kongreßabgeordnete Tom Osbourne nennt die Crystal-Epidemie in den USA "die größte Bedrohung Amerikas, und das schließt Al Qaida mit ein", so ein Zitat in FAZ-online.

(Matthias Bastigkeit) © medizin.de 2006 (zuletzt aktualisiert 02/2009)

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