Diabetes mellitus

Diabetes mellitus: Herzen mögen keinen Zucker Intensive Insulintherapie senkt Herzinfarktrisiko Etwa 6 Millionen Deutsche haben Diabetes mellitus, davon 95% einen Typ-2-Diabetes. Berücksichtigt man auch das Frühstadium der Erkrankung, erkennt man eine regelrechte Epidemie. Nach dem Ergebnis der KORA-Studie bei rund 1500 Männern und Frauen zwischen 55 und 74 Jahren hat fast jeder 2. Mann dieser Altersgruppe und jede 3. Frau Diabetes oder eine Glukose-stoffwechselstörung. In den letzten Jahren haben etliche Neuerungen dem Diabetiker das (Über)Leben erleichtert. Inhalierbares Insulin, neue Insuline, und besser wirksame und verträglichere Antidiabetika zum Schlucken helfen, die Krankheit in den Griff zu bekommen.Um einen Kampf zu gewinnen, reicht es aber nicht, ein Schwert zu besitzen. Man muss auch die Kunst beherrschen, damit erfolgreich zu kämpfen. Deshalb wurden viele Studien durchgeführt, die zeigen sollen, welches Insulin, wann, für wen in welcher Dosierung das Richtige ist. Vor fast genau 85 Jahren wurde erstmals Insulin gewonnen. "Deutsche haben ein zu geringes Problembewusstsein und Engagement in Bezug auf Diabetes", darüber berichtete im August d. J. das Deutsche Ärzteblatt. Dies ist das Ergebnis einer amerikanischen Studie.

Langzeitfolgen mindern Lebensqualität

Diabetiker leiden vor allem unter den Langzeitfolgen ihres zu hohen Blutzuckerspiegels. Insbesondere Typ 2 Diabetiker haben ein 3-mal so großes Risiko ein Herzinfarkt zu bekommen als Gesunde. Mitverantwortlich dafür sind neben einem häufig erhöhten Blutdruck und einer Fettstoffwechselstörung die Dauer der Erkrankung und die Qualität der Blutzucker/ HbA1c - Einstellung. Eine kanadische Studie zeigt, dass Diabetiker etwa 15 Jahre früher ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln als gesunde Menschen. Die Studie wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift LANCET veröffentlicht  (http://www.thelancet.de/artikel/844504 )

Nicht nur Übergewichtige profitieren von intensiver Therapie

Die DCCT-Studie (Diabetes Control an Complications Trial) lieferte vor mehr als zehn Jahren den Beweis, dass eine intensivierte Insulintherapie bei Typ-1-Diabetikern Nieren-, Augen- und Nervenschäden besser vorbeugt als eine konventionelle Diabetestherapie. Die Folgestudie erhielt den Namen EDIC (Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications Study). Die Ergebnisse dieser Studie wurden erstmals der 65. Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA) in San Diego vorgestellten und sorgten für großes Aufsehen. "Eine frühzeitige straffe Blutzuckereinstellung durch intensivierte Insulintherapie bei Typ-1-Diabetikern senkt deutlich das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen", so das Ergebnis der neuen Studie.  

Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)? was ist das?

Die intensivierte Insulintherapie basiert auf engmaschigen Blutzuckermessungen sowie bedarfsorientiert auf mindestens drei Insulin-Injektionen pro Tag. Auch der Einsatz einer Insulinpumpe ist möglich. Das Ziel ist es, den HbA1c auf möglichst 6 Prozent einzustellen. Eine strenge Vorgabe und ein hohes Ziel. Aber es lohnt sich: eine absolute Senkung des HbA1c-Wertes um ein Prozent ist mit einer Reduktion des Risikos für mikrovaskuläre Schädigungen um 30 bis 35% verknüpft. Große europäische Studien (CODE-2 Studie) haben in den letzten Jahren allerdings ernüchternde Ergebnisse geliefert. Das Behandlungsziel, einen HbA1c-Wert von unter 7 % anzustreben, wird bei den meisten Patienten nicht erreicht.

Frühe Insulingabe, oft genug Blutzuckermessen und die Mahlzeiten berücksichtigen und dem Diabetikerherzen geht es gut?
So einfach ist die süße Formel zur besseren Lebensqualität leider nicht. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung sind im Durchschnitt bereits 50 % der Betazell-Funktion verloren gegangen. Mit der Insulintherapie wird in Deutschland im Mittel 9,5 Jahre nach Erstdiagnose eines Typ-2-Diabetes und damit vermutlich zu spät begonnen. Dies hat Auswirkungen auf die Prognose der Patienten. Bereits bei einer gestörten Glukosetoleranz ist das Risiko kardiovaskulärer Komplikationen deutlich erhöht. Den Beweis für den Nutzen einer intensiven Insulintherapie lieferte auch die japanische Kumamoto-Studie. Hier wurde durch eine multiple Insulintherapie im Vergleich zu einer konventionellen das Risiko von Gefäßschäden (Mikro- und Makroangiopathien) bei Typ-2-Diabetikern im Verlauf von 10 Jahren mehr als halbiert.

Bluthockdruck als zusätzlicher Herzkiller

Insbesondere Bluthochdruck und Diabetes verstärken sich in ihrer schädigenden Wirkung gegenseitig. Treffen beide Erkrankungen zusammen, ist das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich erhöht. Bei Diabetikern senkt die konsequente Blutdruckbehandlung mit den Zielwerten 130 / 80 mm Hg das Infarktrisiko noch stärker als bei Bluthochdruck-Erkrankten ohne Diabetes. 

Zimt bei Zucker?

Intensivierte Insulintherapie und runter mit Blutdruck und Übergewicht. Kann der Diabetiker sich denn noch mehr Gutes tun? Mit Nahrungsergänzungsmitteln beispielsweise? So senkt beispielsweise Zimt das gefährliche LDL-Cholesterin bei Typ-2-Diabetikern deutlich, das belegt eine in der renommierten Zeitschrift Diabetes Care erschienene Studie von A. Kahn.   Die von amerikanischen und pakistanischen Wissenschaftlern durchgeführte Zimt-Studie zeigt, dass der LDL-Cholesterin-Spiegel von Typ-2-Diabetikern um 7 bis 27% und der Triglyceridspiegel um 23 bis 30% sank. Der Gesamtcholesterinspiegel lässt sich mit Zimtpräparaten um 12 bis 26% senken. Das Weihnachtsgewürz reduziert somit das Herzinfarktrisiko um etwa ein Viertel. Auch dass sonst in Hautcremes enthaltene Aloe Vera entpuppt sich als Diabeteskiller. Es konnte gezeigt werden, dass Blattextrakte auch den Blutzucker zu senken vermögen. Ein ähnlicher Effekt wurde auch für Grapefruitsaft nachgewiesen. Der Saft aus der Südfrucht verbessert die Wirkung von Insulin. Zimt, Aloe und Grapefruit wirken zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht vermutlich anders aus. Sowohl der Ausschuss "Pharmakotherapie" der Deutschen Diabetes Gesellschaft als auch die Fachzeitschrift "arznei-telegramm" (35:115.2004) raten von einer Einnahme des teuren (Tageskosten 1 Euro für 3 Kapseln) "diätetischen Lebensmittels" mit Zimt ab. Dies muss auch für die erwähnten Extrakte aus Grapefruit und Aloe Vera gelten. Diese Therapieformen werden von den Kassen nicht bezahlt. Natürlich greifen die Betroffenen zu jedem Strohhalm, der verspricht, ihre Krankheit (noch) besser in den Griff zu bekommen. Der Diabetiker sollte jedoch sehr genau hinsehen und Arzt und Apotheker nach dem Nutzen von "Wundermitteln" befragen. Oft helfen derartige Mittel (nur) dem Hersteller.

© medizin.de 2008 (zuletzt aktualisiert 02/2009)