Echinococcus multilocularis - Fuchsbandwurm

Der Fuchsbandwurm, wissenschaftlicher Name Echinococcus multilocularis, ist ein Vertreter der Gruppe der Bandwürmer (Cestoden). Wie der Name schon andeutet, leben diese Parasiten in Füchsen, sowohl dem heimischen Rotfuchs als auch im Polarfuchs. Seltener wurde ein Befall des Haushundes oder der Hauskatze festgestellt. Diese Tiere sind der Endwirt des Wurmes, als Zwischenwirte sind kleine Säugetiere bekannt, vor allem Mäuse.

Die Bedrohung für den Menschen entsteht dann, wenn er als falscher Zwischenwirt statt der Mäuse infiziert wird. Als Folge kann es zu einer alveolären (bläschenartigen) Echinokokkose kommen mit letztlich tödlichen Folgen.

Der Wurm

Der erwachsene, geschlechtsreife Fuchsbandwurm ist mit drei Millimetern Länge sehr viel kleiner als andere Bandwürmer. In der Darmwand eines Fuchses können einige hundert Würmer leben, ohne ihrem Wirt zu schaden. In Deutschland sind in einigen Regionen zwei von drei Füchsen befallen, im Durchschnitt aber nur rund 10%.

Jeder Wurm bildet täglich 150 Eier, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Nimmt der Zwischenwirt, also die Maus, ein Ei auf, entwickelt sich eine Larve, die die Darmwand durchdringt. Die Eier sind relativ temperaturunempfindlich und bleiben monatelang infektiös. Die Larve wird in innere Organe, meist die Leber getragen (seltener in Lunge, Herz oder das Gehirn) und setzt sich dort fest. Dort bildet sie eine mit Wasser gefüllte Blase, in deren Wand die Wurmfinnen sitzen. Diese so genannten Hydatiden bilden Ausläufer und zerstören das umliegende Gewebe. Die geschwächten Mäuse werden leichte Beute der Füchse und der Zyklus beginnt von vorn.

Falscher Zwischenwirt Mensch

Infiziert sich der Mensch mit den Eiern des Echinococcus multilocularis, kann das selbe geschehen. Gefährlich sind weniger die Larven und Finnen, sondern die Raumforderung durch die Hydatiden, die in den Organen feine Netzwerke mit vielen kleinen Bläschen bilden. Sie wachsen jahrelang, lange Zeit bleibt die Infektion unbemerkt.

Wegen der vielen Verästelungen ist eine operative Entfernung oft nicht mehr möglich. Die medikamentösen Wurmmittel müssen jahrelang ohne sicheren Erfolg in hoher Dosierung eingenommen werden.

Während früher ein Befall des Menschen mit dem Fuchsbandwurm eine Rarität war, steigt jetzt, zumindest theoretisch die Gefahr an. Der Fuchs ist inzwischen zu einem Stadtbewohner geworden, sehr viel Menschen mehr können nun mit seinen Ausscheidungen in Kontakt kommen.

Hysterie unnötig

Experten warnen allerdings vor einer Hysterie. In Anbetracht der hohen Durchseuchungsrate der Füchse gibt es erstaunlich wenig Infektionen. In ganz Österreich z.B. wird über zwei jährliche Fälle berichtet. Nachweislich sind in Europa weit überwiegend Personen infiziert, die beruflich oder privat im Wald zu tun haben und Hunde- oder Katzenbesitzer sind. Daraus wird auch gefolgert, dass eine einmalige Aufnahme vereinzelter Eier des Fuchsbandwurm nicht ausreicht. Eine Infektion von Beeren-, Bärlauch- oder Pilzsammlern wurde bisher nicht dokumentiert.

Dem wird entgegen gehalten, dass eine Infektion oft erst nach zehn oder mehr Jahren entdeckt wird und ein starkes Ansteigen der bekannten Fälle noch bevorsteht. Aus Gründen der Vorsicht gehören Hunde und Katzen regelmäßig entwurmt, gesammeltes aus Wald und Wiese muss sorgfältig gewaschen, wenn möglich gekocht werden.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)