Infektionen durch EHEC

Escherichia (E.) coli ist ein häufiger und in der Regel harmloser Bewohner des menschlichen Darms und Bestandteil der natürlichen Darmflora. Die enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) hingegen gehört zu einem genetisch veränderten Stamm der E. coli-Bakterien, der bestimmte Toxine produziert und schwerste Krankheitsbilder vor allem bei Kleinkindern und älteren Menschen hervorrufen kann.

EHEC lassen sich aufgrund bestimmter Merkmale in mehrere Serotypen (Serovaren) einteilen, von denen der Typus O157:H7 in Deutschland am häufigsten nachgewiesen wird. Der Keim kommt vor allem im Darm von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen oder Ziegen vor. Mehrere Serotypen von EHEC produzieren das so genannte Shiga-Toxin, dessen Pathomechanismus mittlerweile aufgeklärt werden konnte. Durch Bindung des Toxins an bestimmte Rezeptoren der Zellwand wird die Proteinsynthese gehemmt und schließlich der Zelltod ausgelöst. Zudem sondern EHEC regulierende und inhibierende Proteine in die Zelle ab. Die Folgen sind eine Vielzahl von klinischen Beschwerden. 

Variabler Infektionsweg

Die Infektion mit dem gefährlichen Erreger erfolgt über mehrere Wege. Ein wichtiger Übertragungsweg ist der Verzehr von verunreinigten Lebensmitteln, vor allem Hackfleisch und anderen Fleischprodukten wie bestimmten Wurstwaren. Zudem können Milchprodukte und Säfte mit EHEC kontaminiert sein. Diese Bakterien wurden als Bestandteil der Darmflora bei rund acht Prozent der Rinder nachgewiesen, wodurch sich der Keim durch unsachgemäße Schlachtung leicht weiterverbreiten kann. Auch das Verschlucken von verunreinigtem Bade- oder Trinkwasser sowie der direkte Kontakt mit keim-tragenden Tieren kann zur Infektion führen. In der Regel beträgt die Inkubationszeit nur wenige Tage. Der Erreger wird von den Infizierten über den Stuhl ausgeschieden und kann längere Zeit infektiös bleiben.

Schwerste Krankheitsbilder

Die durch eine EHEC-Infektion ausgelöste Symptomatik umfasst ein relativ breites Spektrum, das von wässrigem Durchfall bis zu blutiger Diarrhoe mit Bauchkrämpfen reicht. Eine gefürchtete Verlaufsform ist das so genannte hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), das rund fünf bis zehn Prozent der Infizierten entwickeln. Eine mögliche Folge ist akutes Nierenversagen und der massive Zerfall von roten Blutkörperchen und Blutplättchen (hämolytische Anämie). Häufig ist eine Dialysebehandlung notwendig. Eine weitere schwere Verlaufsform bildet die so genannte thrombotisch-thrompozytopenische Purpura (TTP), die mit Hautblutungen und neurologischen Störungen einhergeht.

Behandlung

Empfehlungen für eine antibakterielle Therapie werden derzeit nicht gegeben. Auch durchfallhemmende Mittel sind nicht indiziert, da sich dadurch die Dauer der Bakterienausscheidung verlängern kann. Die schweren Komplikationen HUS und TTP können nur symptomatisch durch intensivmedizinische Betreuung behandelt werden. Am besten schützt sich der Verbraucher durch das Einhalten grundlegender Hygieneregeln.

(Wolfgang Zimmermann) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)