Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie

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"Anämie ist eine Krankheit, von der hauptsächlich Romangestalten befallen sind" sagte der polnisch-deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Auch wenn der Schriftsteller sonst treffsicher kritisiert, hier irrt er. Weltweit leiden etwa 1,5 Milliarden Menschen an einer Eisenmangelanämie.

Auch in Deutschland ist ein Eisenmangel außerordentlich häufig. Die VERA-Studie fand bei 3,5 bis 4,5 Prozent der Männer zwischen 18 und 54 Jahren verminderte Ferritinwerte (< 20 µg/l), bei Frauen im menstruierenden Alter bei bis zu 17,7 Prozent (Ferritin < 12 µg/l). Der aktuelle Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung warnt ebenfalls vor einer Minderversorgung mit Eisen. Insbesondere Mädchen sind betroffen.

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Bedeutung von Eisen

Eisen ist Bestandteil zahlreicher körpereigener Verbindungen, die Sauerstoff oder Energie übertragen. Das Zentralatom des roten Blutfarbstoffes ist Eisen. Wenn Eisen an Hämoglobin gebunden ist, wird es als Häm-Eisen bezeichnet. Es verbindet sich mit Sauerstoff und transportiert ihn zu den Körperzellen. Im Muskel ist Eisen Bestandteil des "Sauerstoffspeichers" Myoglobin und am Atmungsenzym ist es maßgeblich an der inneren Atmung beteiligt. Das Eisen ist im Körper an seine eiweißartigen Speicherformen Ferritin und Hämosiderin gebunden, die in der Leber und im Knochenmark vorkommen.

Eisenmangel: Vor allem Frauen betroffen

Pro Tag verliert man (über Haut, Darm und Niere) etwa 1 mg Eisen. Frauen im gebärfähigen Alter verlieren deutlich mehr Eisen: täglich mindestens 15 mg. So ist es nicht verwunderlich, dass 40 Prozent der menstruierenden Frauen ein Eisendefizit aufweisen. Wenn man täglich nur 1 – 15 mg Eisen zuführen müsste, um das Eisen-Defizit zu decken, würde es vermutlich zu einen Eisen- Mangel und in der Folge einer Eisenmangelanämie kommen. Das Problem hinsichtlich der Eisenversorgung ist, dass Eisenverbindungen außerordentlich schlecht aus der Nahrung aufgenommen werden.  

Eisen in Lebensmitteln

Weit verbreitet ist die Annahme, dass Spinat viel Eisen enthielte – selbst Popeye nutzte Spinat schließlich als Power-Paket. Leider  ein Irrtum, wenn auch ein wissenschaftlicher. Als vor etwa 100 Jahren ein Wissenschaftler den Eisengehalt von Spinat berechnete, ging er von 100 g getrockneter Ware aus, die 35 mg Eisen enthielt. Da das Gemüse zu 90 Prozent aus Wasser besteht, bezog sich der Wert also auf ein Kilo Spinat. Zum Vergleich: 100g Schokolade enthält 6,7mg Eisen, Spinat nur 3,5 mg. Durch diesen Rechenfehler ist Spinat zu zweifelhaften Ehren gekommen. Doch in welchen Lebensmitteln ist Eisen denn nun wirklich in großen Mengen vorhanden?

Hier einige ausgewählte eisenhaltige Lebensmittel im Überblick:

  • Innereien wie Leber
  • Hefe
  • Haferflocken
  • Eier
  • Petersilie

Das Problem: In der Leber beispielsweise ist zwar viel Eisen enthalten, es liegt jedoch nicht zweiwertig als Häm-Eisen, sondern dreiwertig und als Ferritin vor. Es muss aus dem Darm herausgelöst werden, fällt dort aber als unlösliches und sehr schlecht resorbierbares Eisenoxid aus.  Nicht immer ist eine gute Eisenversorgung also allein über die Nahrung zu gewährleisten. Hinzu kommen weitere individuelle Faktoren, die einen Eisenmangel begünstigen:  

Ursachen für Eisenmangel

Erhöhter Eisenbedarf:


Wachstumsalter (Kleinkindesalter, Jugendalter)
Schwangerschaft

Ungenügende Eisenzufuhr in der Nahrung:


Kleinkinder; fleisch- und gemüsearme Kost
Jugendalter: unregelmäßige Eßgewohnheiten, junk food
Im höheren Alter: schlechter Kauapparat, apathisches Verhalten
Einseitige Diäten und Ernährungsgewohnheiten

Verminderte Eisenaufnahme über den Magendarmtrakt:

Sprue

Zöliakie


Zustand nach chirurgischer Magenverkleinerung oder -entfernung
Verminderte Magensäurebildung
Chronische Durchfälle
Chronisch entzündliche Darmkrankheiten

Eisenverluste:


Monatsblutung (vor allem in Verbindung mit Spirale)
Sonstige gynäkologische Blutungen

Blutverluste über den Magendarmtrakt:

Medikamentös bedingte Blutungen (NSAR)


Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
Zwerchfellbruch
Divertikulose
Magen-, Darmkrebs
Befall des Darms mit Hakenwürmern (Tropen)

Seltene Blutungsursachen:


Blutende Gefäßfehlbildungen des Darms
Störungen der Blutgerinnung (Blutplättchen)

Wenn Kinder Erde essen

Wenn Kinder auf ungewöhnliche Dinge wie Erde oder Sellerie Appetit haben, kann dies ein Hinweis auf einen Eisenmangel sein. Der Drang, bestimmte Lebensmittel aber auch Nichtessbares wie Erde oder Geldmünzen essen zu müssen, wird als Pica bezeichnet. Namensgeber dieser Erkrankung ist die Elster, lat. Name Pica Pica. Der Rabenvogel nimmt wahllos Dinge in den Schnabel und baut damit sein Nest. Es gibt aber zahlreiche andere Bezeichnungen zum gleichen Phänomen: Picatio, Picazismus (weshalb die Betroffenen auch Pikazisten genannt werden), Crissa, Citta, Malacia, Allotriophagia, Hapsicoria, Pellacia, Pseudorexia u.a.m. Bis zu 60 Prozent der Patienten mit Eisenmangel leiden an Pica, so eine Studie von Marinella et al. Die meisten gelüstet es nach Eiswürfeln; beliebt seien auch knackige Speisen wie Sellerie, Karotten oder Erdnüsse.

Bei übergewichtigen Kindern besteht ein erhebliches Risiko für eine zusätzliche Eisenmangel-Anämie. Nach einer Studie von Nead et al. hatten Kinder mit Übergewicht ein doppelt so hohes Risiko für einen Eisenmangel, wie gesunde Kinder einer Kontrollgruppe. Da durch einen Eisenmangel häufig auch die Leistungsfähigkeit und Bewegungsfreude nachhaltig reduziert sind, führt dies zu einem Teufelskreis. Übergewicht – Eisenmangel – wenig Bewegung – Übergewicht. Eisenmangel beeinträchtigt die Lern- und Konzentrationsfähigkeit von Schulkindern. Als Folge von zu wenig Eisen im Blut sind Kinder reizbar, nervös und unaufmerksam. Darunter leidet insbesondere die schulische Leistungsfähigkeit. Besonders in den Wachstumsphasen brauchen Kinder daher genügend Eisen, um konzentriert und leistungsstark den Schulalltag meistern zu können.

Sportler verlieren Eisen, Veganer nehmen keines auf

Sportler bauen Hämoglobin in Folge mechanischer Einflüsse vorzeitig ab. Dieses Phänomen wird als Marsch- bzw. Läuferhämolyse bezeichnet. Bei Läufern mit "sensiblen" Blutkörperchen werden diese durch den Aufprall der Füße auf den Boden regelrecht zerschmettert. Sie setzen dann Hämoglobin frei, das der Sportler mit dem Urin ausscheidet. Auch bei Kraftsportlern leidet der eisenhaltige Blutfarbstoff unter dem Muskeltraining. Selbst sportliche Aktivität auf Breitensportniveau führt zu Schweißverlusten von etwa einem Liter pro Stunde. Da Eisen auch in den Schweiß abgegeben wird, verliert der Sportler erhebliche Mengen des wichtigen Minerals. Pro Liter Schweiß gehen 0,2 – 0,5 mg Eisen verloren. Neben Eisenverlusten ist eine geringe Aufnahme des Metalls eine weitere Möglichkeit, einen Mangel zu entwickeln. Dies gilt beispielsweise für Veganer. Diese "Extremvegetarier" verzichten auf den Genuss von allen tierischen Lebensmitteln und Produkten von Tieren. Somit scheiden auch Honig, Eier und Milch als Eisenlieferanten aus. Neben Sportlern sind auch Schwangere, ältere Menschen, Diabetiker, Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, Blutspender und Heranwachsende von Eisenmangel betroffen.

Frauen leiden anders

Seit 2001 führt die Stiftung Coaching For Health eine Studie über Eisenmangel bei Frauen im Menstruationsalter durch. Viele Betroffene hatten durch den Eisenmangel Beschwerden, die eher als Depression oder andere psychische Störung fehlinterpretiert werden können. Die Stiftung definierte daraufhin ein Eisenmangelsyndrom IDS (Iron Deficiency Syndrome). Symptome sind u.a. Erschöpfungszustände, Konzentrationsstörungen und psychische Labilität.

Wie erkennt man einen Eisenmangel?

Es gibt zwar Indizien, doch Sicherheit schafft nur ein Bluttest beim Arzt. Symptome eines Eisendefizits können sein:

  • Leistungsschwäche
  • Blasse Haut und Schleimhaut
  • Veränderungen der Fingernägel (löffelförmig)
  • Entzündungen der Zunge
  • Einrisse der Mundwinkel (Aphten, Rhagaden)
  • Schluckstörungen
  • Abnorme Lust, bestimmte Dinge zu Essen (Geophagie: Erde, Pagophagie: Eis)

Ein Eisenmangel kann nicht nur Bluterkrankungen wie Anämie auslösen. Auch Herzerkrankungen, Diabetes, "unruhige Beine" (sog. Restless-Legs) und andere Erkrankungen können durch einen Mangel an Eisen verschlimmert werden.

Eisenmangel gezielt behandeln

Bei einem latenten Eisenmangel hilft sicherlich eine ausgewogene, eisenhaltige Ernährung. In Rind- und Schweinefleisch sowie in Fisch und Geflügel liegt Eisen in erhöhten Konzentrationen (bis zu 5 mg/100g) und als sehr gut verwertbares Häm-Eisen vor. Handelt es sich um einen manifestierten Eisenmangel bzw.  treten typische Eisenmangel Symptome wie Müdigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten auf, kann die gezielte Einnahme von entsprechen dosierten Eisenpräparaten sinnvoll sein. Sprechen Sie dazu im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

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