Ergonomie (Tastatur)

Für Arbeitsmediziner ist es immer wieder erstaunlich, wie sich die Menschen mehr oder weniger freiwillig selbst durch ungenügende Arbeitsmittel schädigen. Dinge, mit denen Tag für Tag mehrere Stunden gearbeitet wird, entsprechen nicht den einfachsten Voraussetzungen einer auf den Nutzer abgestimmten Form und Funktion. Folgen einer kontinuierlichen Fehlbelastung sind die RSI (Repetetive Strain Injury), ein bekannter Vertreter ist die Sehnenscheidenentzündung wie der „Tennisarm.“

Ein typisches Beispiel, wie mit wenig Geld bei unscheinbaren Dingen erhebliches verbessert werden kann, ist die Tastatur. Kaum jemand denkt darüber nach, aber für die Finger, Hände sind die Belastungen über die Zeit für Sehnen und Gelenke enorm.

Beschriftung und Belegung

Auch die Augen sind an der Tastatur gefordert, längst nicht jeder schreibt blind im Zehnfingersystem. Zu bevorzugen ist eine dunkle Beschriftung der einzelnen Kasten auf hellem Untergrund, sie sollte nicht zu klein ausfallen. Dies ist leider oft bei Notebooks der Fall. Apropos Beschriftung: Auf deutschen Tastaturen ist die überkommende Belegung der Tasten mit der Schreibmaschine üblich, außen herum finden sich dann die Sonderzeichen, Funktionstasten und oft ein eigener Block mit weiteren Funktionen sowie ein Ziffernfeld. Diese Belegung ist nicht zwingend, es existieren alternative Vorschläge (z. B. die Tastenbelegung nach Helmut Meier) abgestimmt auf die Notwendigkeiten des Computerzeitalters. Unter Linux kann jedes Tastatur beliebig umbelegt werden.

Anschlag und Anordnung

Die Tasten sollen nicht zu schwer anzuschlagen sein. Die notwendige Kraft beträgt laut den Vorgaben, die alle Tastaturen einhalten, zwischen 40 und 100 g. Seinen persönlichen Favoriten muss jeder selbst herausfinden.
Für professionelle Tastaturen schon Standard ist die Zweiteilung des Buchstabenfeldes für die linke und rechte Hand. Die Tasten der beiden Felder sind jeweils schräg angeordnet. Den Grund dafür sieht jeder sofort, wenn er seine Hände vor sich auf den Tisch legt, ohne das Handgelenk zu bewegen: Die Finger liegen schräg nebeneinander. Durch die Anordnung der Tasten wird verhindert, dass sich die Hand zum Schreiben unnatürlich auswärts drehen muss.

Zu einer guten Tastatur gehört auch ein Auflagepolster für die Handballen, die dann nicht „in der Luft hängen“ müssen. Alle Tastaturen sollen schräg aufstellbar sein, damit die hinteren Tasten höher als die vorderen liegen. Die üblichen Stützbeine geben immer nur eine Höhe vor. Spezielle Tastaturen für Linkshänder konnten sich bisher nicht durchsetzen, machen aber aus ergonomischer Sicht Sinn.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)