Erste Hilfe: Wiederbelebung![]() Neue Empfehlungen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung Vereinfachungen für den Laien Nach den alten Empfehlungen musste der Laie nach Kreislaufzeichen wie Puls und Atmung suchen. Dies war sehr fehlerträchtig und ist meist unnötig. Wer bewusstlos ist und sich gegen die Maßnahmen nicht wehrt, wird reanimiert! Traut sich der medizinische Laie nicht zu zu beatmen oder lehnt er dies aus Ekel ab, braucht er jetzt nicht mehr die Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchzuführen. Es reicht eine alleinige Herz-Druck-Massage aus. Tierversuche haben ergeben, dass eine Herzkompression ohne Beatmung in den ersten Minuten ebenso effizient ist. Keine neuen Medikamente in Sicht Viele Mediziner hofften auf neue Medikamente zur Anregung der Herzfunktion nach Herzstillstand. Hoffnungsträger war u.a. das Hormon Vasopressin. Die bisherige Datenlage reicht dem ERC nicht aus, Vasopressin als Mittel der ersten Wahl bei Herzstillstand zu empfehlen. Obwohl gute Ergebnisse mit dem antidiuretischen Hormon erzielt und mehr Patienten als mit Adrenalin primär gerettet werden, liegen nicht genügend Doppel-Blind-Studien vor. Das Mittel bei Asystolie ist also immer noch Adrenalin. Die Substanz wird dem Patienten 1 : 10 verdünnt vom Arzt oder Rettungsteam verabreicht. Intravenös 1 mg, endobronchial 3 mg. Die Gabe erfolgt alle 3 bis 5 Minuten. Der ERC stellt fest, dass die bisher gleichgesetzte Wirkung der intravenösen im Vergleich zur endobronchialen Gabe neu überdacht werden muss. Die Resorption über die Trachea und die Bronchien ist variabler und unzuverlässiger als unlängst angenommen. Bei Kammerflimmern ist jetzt das Herzmedikament Amiodaron Mittel der 1. Wahl. Wenn das Kammerflimmern nach drei Defibrillationen nicht aufhört, erhält der Patient 300 mg Amiodaron in Glucose gelöst als Bolus. Ist die Substanz nicht verfügbar, sollte Lidocain in einer Dosierung von 1 mg/kg als Alternative verwendet werden. Mehr Strom fürs Herz Bevor der Patient bei Kammerflimmern mit einem Defibrillator geschockt wird, sollte nach den neuen Empfehlungen für zwei Minuten reanimiert werden. Die Defibrillation erfolgt nicht mehr wie bisher in Serien von drei Schocks mit 200/200/360 J, sondern nun jeweils als Einzelschock mit 360 Joule gefolgt von zwei Minuten Herzdruckmassage und Beatmung. Die Gabe von Adrenalin im Rahmen der erweiterten Maßnahmen wird mit der dritten Defibrillation im Ablauf kombiniert (Adrenalin Schock Herzdruckmassage Beatmung). Ist die Zeitspanne zwischen Kreislaufstillstand und möglichem Einsatz des Defibrillators größer als fünf Minuten, dann sollten vor der Defibrillation zunächst Basismaßnahmen durchgeführt werden. Weg mit der Wärmedecke Patienten mit einem Spontankreislauf nach Herzstillstand sollten in der Klinik für 12 bis 24 Stunden in eine milde Unterkühlung versetzt werden. Bei 32 - 34°C Körpertemperatur wird der Körper in eine Art Winterschlaf versetzt, der die Organe schützt und neurologischen Defiziten vorbeugt. Die Zeiten, in denen der Patient also mit Wärmedecken und den warmen Rettungswagen verbracht wurde, sind für bestimmte Situationen also vorbei. Die neuen Leitlinien sind seit dem 28. November 2005 über die Website des ERC (http://www.erc.edu/) abrufbar. Auch die Empfehlungen zur Reanimation von Kindern, die Schlaganfallversorgung, ethische Aspekte sowie Hinweise für Ausbildungsexperten sind hier zu finden. (Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie) © medizin.de 2005 (zuletzt aktualisiert 02/2009) Top Themen Apotheke.de |




