Erythema nodosum

Das Erythema nodosum gilt als ein Chamäleon innerhalb der Medizin. Damit ist gemeint, dass sich hinter der auch als Dermatitis contusiforme, Erythema contusiforme oder im Deutschen Knotenrose bezeichneten Erkrankung eine Vielzahl sehr unterschiedlicher, harmloser oder schwerer Grunderkrankungen verbergen kann. Das Erythema nodosum ist wechselhaft wie eine Chamäleon.

Die Knotenrose ist eine druckschmerzhafte, manchmal sogar sehr schmerzhafte akute Entzündung der Subkutis (Unterhautfettgewebe), auch die Wände der feinen Gefäße (Kapillaren) sind betroffen. Es kommt zu einer Bildung von Knötchen unter der Haut, diese ist gerötet bis violett, gelegentlich auch eher gelbgrün. Die Rötungen sind unscharf begrenzt von ca. 1 - 3 cm Durchmesser. Am häufigsten tritt Erythema nodosum an den Unterschenkel im Bereich unmittelbar neben dem Schienbein auf, möglich sind aber Knoten auch in Höhe der Knie oder der Fußgelenke. Manifestationen an anderen Stellen sind selten, beschrieben werden sie am Knie und den Knöcheln, ganz selten an den Armen oder den Gesäßbacken.

Fast immer fühlen sich die Betroffenen krank und haben Fieber.

Ursachen

Der Mechanismus, der hinter dem Entstehen eines Knötchens des Erythema nodosum steckt, ist nach wir vor nicht geklärt. Im Sinne einer allergischen Reaktion oder einer Systembeteiligung zeigen die Knötchen auf eine Erkrankung des Körpers, die an ganz anderer Stelle akut ist.

In den Lehrbüchern der Haut- und Inneren Medizin werden mehr als 100 Erkrankungen genannt, die sich mit einem Erythema nodosum bemerkbar machen können. Dabei handelt es sich sowohl um erregerbedingte als auch Systemerkrankungen aus dem rheumatischen oder entzündlichen Formenkeis oder um solche unbekannter Ursache.

Aus den vielen Ursachen heben sich einige hervor, die besonders häufig sind. Dazu zählt die Sarkoidose in fast der Hälfte aller Fälle, eine gutartige Erkrankung des lymphatischen Systems meist mit Lungenbeteiligung. Weiterhin gehen oft mit Erythema nodosum einher die entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und das rheumatische Fieber.

Als erregerbedingte Erkrankungen, die sich mit den Knötchen zeigen. gelten die Tuberkulose, eine Infektion durch Streptokokken, Yersinien oder Chlamydien, seltener auch die Katzenkratzkrankheit und die Toxoplasmose.

Aufwändige Ursachensuche

Daraus folgt, dass der Befund eines Erythema nodosum gleichzeitig den Anfang der Suche nach der Ursache bedeutet. Erschwerend zu den vielen Möglichkeiten kommt hinzu, dass eine Ursache manchmal nicht gefunden oder nachgewiesen werden kann. Auch ist ein Erythema contusiforme als Nebenwirkung von Medikamenten bekannt. Das können auch solche sein, die bisher unauffällig vertragen wurden.

In einer möglicherweise aufwendigen Untersuchungsreihe müssen nacheinander alle in Frage kommenden Verursacher überprüft und ausgeschlossen werden, bis die (wahrscheinliche) gesichert werden kann. Diese Untersuchungen beinhalten Blutlabor, Ultraschall, Stuhlprobe, Endoskopie, Röntgenaufnahmen usw. Bei jungen Frauen wurde statistisch häufiger ein Zusammenhang zwischen Erythema nodosum und Morbus Crohn gesehen; auch in der Schwangerschaft werden mehr Fälle gezählt.

Behandlung

Die Therapie besteht zum einer lokalen Entzündungshemmung und zum anderen in der Behandlung der Grunderkrankung, wenn sie denn bekannt ist. Die Knötchen eines Erythema nodosum sind allerdings hartnäckig. Von einer vorschnellen Einnahme kortisonhaltiger oder Anti-Rheuma-Mittel ist abzuraten, solange die Ursache nicht sicher ist. Infektionen wie die Tuberkulose würden sich nach anfänglicher Linderung später deutlich verschlechtern.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)