Fluoxetin: Hebt Stimmung und Penis

Mal eben ein Prozac eingeworfen und schon ist man wieder guter Dinge? 1987 wurde der Wirkstoff Fluoxetin in den USA zugelassen. Wegen seiner geringen Nebenwirkungen wurde das Psychopharmakon als "Wundermittel" angepriesen. Seit der Einführung konsumierten es mehr als 20 Millionen Amerikaner, in der gesamten Welt sind es inzwischen etwa 40 Millionen Konsumenten. Mittlerweile wird es in mehr als 100 Ländern verkauft. Was Viagra ® für die Potenz, ist Fluoxetin für die Psyche.Schlecht drauf? Kein Problem: mal eben eine Fluoxetin-pille eingeworfen und schon ist man wieder guter Dinge. Das zumindest suggeriert die Werbung in den USA. Viele Anwender, die sonst nie ein Antidepressivum nehmen würden, konsumieren Fluoxetin als Mittel zur "psychischen Balance".

Was ist drin?

Eine Tablette enthält 10 oder 20 mg Fluoxetin

Wie wird konsumiert?

Die Tabletten werden mit Flüssigkeit eingenommen. Andere missbräuchliche Applikationswege sind derzeit nicht dokumentiert.Was wird empfunden?Fluoxetin ist keine Substanz für den sofortigen kick. Die Wirkung setzt erst nach etwa einer Woche ein, das Maximum sogar noch später. Dies verhindert glücklicherweise einen Missbrauch als "Partydroge" und die Anwendung als Ecstasyersatz.

Wie wirkt es?

Zugelassen ist Fluoxetin gegen

  • als unsinnig erlebte, zwanghafte Gedanken oder Handlungen (Zwangsstörungen)
  • Depressionen
  • Ess-Brech-Sucht (Bulimie)

Die Substanz wird jedoch bei einer Vielzahl von Befindlichkeitsstörungen eingesetzt. Beispielsweise zur Therapie des vorzeitigen Samenergusses. 20 mg Fluoxetin oral vier Stunden vor dem Geschlechtsverkehr in Kombination mit einer auf die Penisspitzte 30 Minuten vor den Geschlechtsakt aufgetragenen 5% Lidocainsalbe haben sich als sehr erfolgreich bei der Ejaculatio praecox bewährt. Die Prophylaxe reduziert die Häufigkeit vorzeitiger Samenergüsse deutlich und verlängert das zeitliche Intervall bis zur Ejakulation nach der vaginalen Penetration.

Fluoxetin ist ein so genannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, auch als SSRI bezeichnet. Der Botenstoff Serotonin ist maßgeblich für unsere Stimmung und die Gefühlslage verantwortlich. Ist der Gehalt im Gehirn zu gering, kann es zu Depressionen kommen, ist er zu hoch, kann Aggressivität die Folge sein.

Das Antidepressivum Fluoxetin hemmt den Abbau von Serotonin und steigert somit den Gehalt des Botenstoffes im Gehirn. Bei einer gesicherten Indikation ein logischer und effizienter Therapieansatz. Möchte aber ein psychisch Gesunder die Substanz einnehmen, nur um bessere Laune zu bekommen, sind damit große Risiken verbunden. Es wäre so, als wenn ein schmerzfreier Konsument das Schmerzmittel Morphin konsumiert.

Fluoxetin wirkt stimmungsaufhellend und hat keinen beruhigenden oder dämpfenden Effekt. Unwillkürlich wiederkehrende und oft als quälend empfundene Gedanken oder Handlungen als Kennzeichen von Zwangsstörungen können reduziert oder verhindert werden. Die stimmungsaufhellende Wirkung ist möglicherweise auch für die Behandlung von Essstörungen möglich. Im Tierexperiment regt Fluoxetin außerdem die Bildung von Nervenzellen im so genannter Hippocampus an. Diese Gehirnregion ist u.a. dafür zuständig, dass Lerninhalte vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtsnis gelangen. Ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind und ob die Substanz die Gedächtnisleistung steigern kann, ist nicht bekannt. Dennoch führen solche Studien zu Spekulationen und fördern den Absatz.

In einer 2006 von Grigori Enikolopov vom Cold Spring Harbor Laboratory in New York publizierten Studie wurde gezeigt, dass lediglich ANP-Zellen ("amplifying neural progenitors") im Wachstum angeregt werden. Dies sind Vorläuferzellen die erst zu "echten? Gedächtniszellen heranreifen müssen.  

Wie gefährlich ist es?

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration warnte mehrfach vor einer Steigerung der Selbstmordrate oder Gewaltausbrüchen unter Fluoxetin. Im Zusammenhang mit antriebsteigernden Antidepressiva sind solche Komplikationen generell längere Zeit bekannt, jedoch nicht im Zusammenhang mit Fluoxetin, das der Hersteller bis dahin als komplikationsfrei dargestellt hatte. Vor allem die Anwendung dieser Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen, außer in den zugelassenen Indikationsgebieten, ist risikoreich. Vermutlich handelt es sich nicht um eine substanzspezifische Nebenwirkung sondern um eine Gruppennebenwirkung. Das Risiko für Suizidversuche (3,7%), absichtliche Selbstverletzung (0,8%), psychotische Depressionen (2,3%) und Feindseligkeit (1,6%) ist unter Fluoxetin mehrfach höher als unter anderen häufig verordneten Antidepressiva. In einer klinische Studie an 14.198 Patienten berichten 38% der Fluoxetin-Anwender über neu aufgetretene aktivierende Symptome wie Angst, Agitation, Nervosität und Schlaflosigkeit im Vergleich zu 19% unter Plazebo. Würden alle aktivierenden Symptome sowie hypomanische und manische Zustände berücksichtigt, dürfte die Zahl vermutlich noch höher liegen.  

Was kann passieren?

Sehr häufige Nebenwirkungen: Übelkeit. Häufige Nebenwirkungen: Verdauungsstörungen, Gewichtszunahme, Bauchschmerzen, Herzklopfen, Kraftlosigkeit, Schläfrigkeit, Bewegungsarmut, Angstgefühle, Nervosität, Zittern, Kopfschmerz, Mundtrockenheit, Schwindel, Schwitzen, Denkstörungen, Unwohlsein. Gelegentliche Nebenwirkungen: Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, gestörte Bewegungssteuerung, Blutdruckabfall bei plötzlichem Aufstehen, Verwirrtheit, unwillkürliche Muskelkontraktionen, verzögerter Samenerguss, Hautausschlag, Juckreiz.

Seltene Nebenwirkungen: Leberfunktionsstörungen, Störungen der Bewegungsabläufe mit Zunahme oder Verminderung der Bewegungen oder des Spannungszustands der Muskeln, Herzrasen, Hautausschläge mit Blasenbildung, Lichtüberempfindlichkeit, Krämpfe, Wahnvorstellungen.

Ist es legal?

Fluoxetin ist in Deutschland als rezeptpflichtiges Arzneimittel eingestuft. Über das Internet ist es jedoch kein Problem, die Substanz illegal ohne Rezept zu erhalten. Eine Garantie dafür, dass wirklich das drin ist was drauf steht, gibt es nicht.

© medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)

    

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