Geschlechtskrankheiten: Chlamydien liegen vorn

Der Begriff Geschlechtskrankheiten wird heute zu Gunsten der Bezeichnung sexuell übertragbare Krankheiten (im englischen sexually transmitted diseases oder STD) weniger benutzt. Das frühere Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten wurde aufgehoben. Es wird vom weiter gefassten Infektionsschutzgesetz IFSG abgelöst, das (nicht nur hinsichtlich STDs) Meldepflicht und zu ergreifende Maßnahmen regelt.

Die fünf klassischen Geschlechtskrankheiten sind Tripper (Gonorrhoe), Syphilis (Harter Schanker, Lues), Ulcus molle (Weicher Schanker), Lymphogranuloma inguinale und Granuloma venerum.

Deren Ansteckungsrate hat seit dem zweiten Weltkrieg in Mitteleuropa stark nachgelassen, insbesondere die drei letztgenannten sind fast völlig verschwunden. In den letzten Jahren berichten Ärzte allerdings wieder von einem Anstieg der Zahlen. Als Gründe wurde eine höhere Reise in gefährdete Gebiete (mit intimen Kontakten zur einheimischen Bevölkerung) genannt, die verstärkte Migration nach Mitteleuropa, die Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika und die Zunahme gefährlicher Sexualpraktiken bei höherer Promiskuität. 

Hitliste

Mit weitem Abstand wird heute die Infektion mit Chlamydien als häufigste STD bei europäischen Männern und Frauen bezeichnet; Erreger sind andere Typen als die für das Lymphogranuloma inguinale verantwortlichen. Entscheidend hierfür war, dass viele keine oder kaum Beschwerden haben und daher die Erkrankung unbemerkt und ungewollt verbreitet wird.

An nächster Stelle in der Rangliste der Geschlechtskrankheiten dürften Infektionen mit dem Herpes simplex Virus Typ 2 stehen, der für den genitalen Herpes verantwortlich ist.

Weiterhin sehr häufig sind Ansteckungen mit Humanen Papilloma-Viren (HPV), eine Typ ist die Ursache der Feigwarzen (Condylomata acuminata), andere sind als Krebsvorstufe verdächtigt.

Die genannten klassischen Geschlechtskrankheiten werden durch Bakterien ausgelöst. Eine Infektion mit AIDS durch das HIV kann ebenfalls zu den STDs gezählt werden, ebenso sind Übertragungen von Hepatitis B, von Parasiten (Filzläuse) und Pilzen (Candida) denkbar.

Behandlung und Schutz

Das medizinische Fachgebiet, das sich mit den Geschlechtskrankheit befasst, ist die Venerologie (hergeleitet von Venus, Göttin der Liebe). Hautärzte (Dermatologie) sind in Deutschland auch Ärzte für Venerologie, auch einige Urologen und Gynäkologen haben sich darauf spezialisiert. Die wichtigste und einfachste Schutz vor STDs ist der Gebrauch von Kondomen.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)