Hantavirus-Infektion

Die Gruppe der Hantaviren umfasst mindestens fünf Vertreter, die für den Menschen pathogen sind. Sie sind weltweit verbreitet, in Deutschland scheinen die meisten Erkrankungen durch das Puumala-Virus ausgelöst zu werden. Alle Hantaviren bestehen aus einer einsträngigen RNA mit einer Hülle.

Symptome

Man nimmt an, dass ungefähr jeder dritte Infizierte Symptome entwickelt, bei den anderen zwei Dritteln verläuft die Ansteckung ohne oder nur mit schwachen Allgemeinbeschwerden wie leichtem Fieber, Kopfschmerz oder Schüttelfrost und leichten Einblutungen in die Haut.

Das Vollbild besteht anfangs aus Fieber, starken Kopfschmerzen und meist Einblutungen der Schleimhäute. Die akute Lebensgefahr ist gekennzeichnet durch Herz-Kreislauf-Störungen und einer beidseitigen akuten Nierenentzündung mit Nierenversagen. Dazu kommen oft Blutungen des Magen-Darm-Traktes und des Gehirns. Die beginnende Erholung zeigt sich durch eine starke Urinausscheidung von bis zu sechs Litern täglich ungefähr in der sechsten Erkrankungswoche.

Eine Infektion mit einem Hanta-Virus bedeutet zwingend die Behandlung in einer Klinik, sinnvoller Weise in einer auf schwere Verläufe spezialisierten Abteilung der Inneren Medizin mit entsprechend ausgelegter Intensivstation. Eine Hanta-Infektion ist durch das Labor meldepflichtig; eine überstandene Erkrankung führt zur Immunität gegenüber diesem Typ des Hanta-Virus.

Überträger, Infektionsweg

Virusträger sind Nagetiere, in Deutschland vor allem die (Rötel-) Maus. Die Nager erkranken selbst nicht, scheiden aber die Erreger massenhaft im Urin und Kot aus. Spuren der getrockneten Exkremente werden dann durch den Menschen eingeatmet, so dass es zu einer Infektion kommt. Ein Biss der Tiere scheint für die Übertragung keine Rolle zu spielen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch konnte bisher weltweit trotz einiger Verdachtsfälle nicht bewiesen werden.

Der Übertragungsweg über die Mäuse könnte die Tatsache erklären, dass es vor allem im Frühjahr in Deutschland immer wieder zu Häufungen von Hanta-Virus Erkrankungen kommt. Gerade in milderem Winter steigt die Population der übertragenden Mäuse stark an, die sich innerhalb von Häusern und Ställen eingenistet haben. Große Mengen von Kot und Urin finden sich in den üblichen Verstecken der Tiere, mit Beginn der Wärme trocknen sie aus und sind infektiös. Die in den letzten Jahren beobachtetet Zunahme der gemeldeten Fälle wird auch mit der exakter eingehaltenen Meldepflicht begründet.

Schutz und Impfung

Eine Impfung ist bisher nicht vorhanden. Entsprechende Forschungen laufen aber und sollen bis ungefähr 2010 zu einen marktreifen Impfstoff führen. Bis zu diesem Zeitpunkt besteht die wirksamste Präventionmaßnahme in einer Bekämpfung der Nagetierpopulation.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)