Helicobacter pylori: Eine Ursache der Ulkuskrankheit![]() Die Krankheiten des Menschen sind bei weitem noch nicht vollständig erforscht. Die medizinische Wissenschaft deckt auch aufgrund moderner Verfahren wie der Molekular- und Nanobiologie immer wieder bisher unbekannte Mechanismen auf. Allerdings ist damit noch nicht klar, welche Konsequnezen daraus zu ziehen sind. Ein gutes Beispiel ist das Bakterium Helicobacter pylori, das in der menschlichen Magenschleimhaut lebt. Es wurde erstmals 1982 in Australien entdeckt, eventuell aber schon Ende des 19. Jahrhunderts ohne weitere Folgen gesichtet und zwischenzeitlich vergessen. Kaum war aber seine Existenz unzweifelhaft gesichert, wurde der Keim für eine ganze Reihe von gastroduodenalen Erkrankungen, also Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, verantwortlich gemacht. Bis dahin war nach einer Ursache für die chronisch-atrophische Gastritis, für das Ulkus (Magengeschwür) oder für die Refluxkrankheit vergeblich gesucht worden. Man vermutete eine nervöse Störung, falsche Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, eine „Selbstverdauung“ des Magens und anderes mehr. Auch maligne Erkrankungen wie der Magenkrebs oder das MALT-Lymphom gehen überzufällig oft mit einem Befall mit Helicobacter pylori einher. Lange Zeit war der Magen als keimfreie Zone betrachtet worden. Die meisten Forscher nahmen an, dass im stark sauren Milieu letzlich kein Bakterium überleben kann. Umso größer war die Überraschung, als man die Infektion mit Helicobacter pylori entdeckte. Das gramnegative, mikroaerophile und begeißelte Bakterium schützt sich, indem es sich unter der Magenschleimhaut einnistet und große Mengen des Enzyms Uresase bildet. Dieses spaltet Harnstoff (lateinisch: Urea), es entsteht unter anderem Ammoniak. Ammoniak aber ist stark alkalisch (laugisch) und neutralisiert die umgebende Säure. Urease und Ammoniak scheinen auch die Ursache für die Schädigung der Schleimhaut und eine leichte, chronische Entzündung zu sein. Und diese kann über Jahre hinweg zusammen mit anderen Stoffwechselprodukten zu eben den genannten Erkrankungen führen, die sich zu Beginn meist nur mit unspezifischen Beschwerden wie Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Sodbrennen, gelegentlich Erbrechen, bemerkbar machen. Weltweit verbreitet Betrachtet man allerdings Menschen mit Magen- und Zwölffingerdarm-Erkrankungen, so zeigt sich, dass diese zu einem sehr hohen Teil auch Träger des Helicobacter pylori sind. Beim Duodenal-Ulkus (Ulkus duodeni oder Zwölffingerdarmgeschwür) beträgt er fast 100%. Der Weg der Ansteckung ist noch nicht zweifelsfrei gesichert. Am ehesten fäkal-oral oder oral-oral, da das Bakterium manchmal im menschlichen Stuhl oder Speichel nacheisbar ist. Weiterhin spielen möglicherweise nicht exakt sterilisierte medizinische Geräte wie Endoskope eine Rolle, vielleicht auch infizierte Lebensmittel. Beschwerden und Nachweis Helicobacter pylori wird auch in Verbindung gebracht mit dem Auftreten von Hautjucken (Pruritus generalis), wenn sich keine andere offensichtliche Ursache findet. Vielleicht spielt es auch für Schübe einer Neurodermitis und einer Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) eine Rolle. Nach der Infektion, die im übrigen nicht meldepflichtig ist, verbleibt der Erreger ohne Behandlung lebenslang im Magen, eine Selbstheilung wird praktisch ausgeschlossen.kann dann jahrelang persistieren. Der Nachweis einer Infektion wird sicher nur durch eine Biopsie mit anschließender positiven Histologie geführt, die ebenfalls geeignete Anzüchtung auf einer Kultur wird wegen des größeren Aufwandes nicht in der Routine durchgeführt. Inzwischen sind hinreichend genaue Schnelltests eingeführt, die auf der erhöhten Urease-Bildung beruhen und als Testmaterial nur die Atemluft benötigen. Der Antikörpernachweis im Blut spielt in der Praxis keine Rolle. Therapie Offene Fragen (Dr. Berthold Gehrke). © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)
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