Hepatitis C: Sex als Übertragungsweg unterschätzt

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Bisher waren es insbesondere der Kontakt mit infizierten Nadeln oder der allgemeine Kontakt mit infiziertem Blut der als Hauptrisiko einer Ansteckung mit Hepatitis C publiziert wurde. Sex als Übertragungsweg wurde zwar bislang auch nicht seitens der Wissenschaft ignoriert, die Bedeutung wurde allerdings insgesamt eher gering eingeschätzt. Ein Fehler, wie eine Schweizer Kohortenstudie jetzt bestätigt. Eine zunächst mit dem Schwerpunkt HIV durchgeführte Langzeitanalyse zeigt zweifelsfrei: HIV-Patienten mit einem durch Hepatitis C infizierten Partner waren überdurchschnittlich oft ebenfalls von der chronischen Virusinfektion betroffen. Fazit: Sex ist sehr wohl ein nicht seltener Übertragungsweg für Hepatitis C.

Schweizer Studie läuft seit 1988

Im Jahr 1988 begann am Züricher Universitätskrankenhaus eine auf lange Zeit ausgerichtete Kohortenstudie, die mittlerweile medizinische Daten und Laborproben von rund 10.000 HIV-positiven Patienten enthält und diese regelmäßig analysiert. Unter den Betroffenen befinden sich auch viele Paare, die nun in den Mittelpunkt einer neueren Untersuchung gelangten. Hierbei sollte ein Zusammenhang zwischen einer HIV und einer gleichzeitig vorhandenen Infektion mit Hepatitis C genauer beleuchtet werden.

Der Züricher Infektionsmediziner Huldrych Günthard führte gemeinsam mit seinem Kollegen Roger Kouyos entsprechende Analysen an 3.110 in einer Partnerschaft lebenden Probanden der HIV-Kohorte durch. Die aus den Blutproben isolierten Viren wurden regelmäßig genetisch bzw. molekularbiologisch untersucht. Aus diesen Ergebnissen lassen sich in einigen Fällen die Ansteckungswege rekonstruieren. Die genannten Untersuchungen fanden unter Wahrung strengster Anonymität statt.

Jeder dritte Proband auch mit Hepatitis C infiziert

Recht eindeutig fiel das Ergebnis der Untersuchung aus: Jeder dritte der 3.110 partnerschaftlich lebende Proband wies neben HIV eine Koinfektion mit Hepatitis C auf. Besonders auffallend: Die überwiegende Mehrheit der Personen hatte niemals Kontakt mit infizierten Nadeln, wie sie insbesondere beim Heroinmissbrauch teilweise zur Anwendung kommen. Offensichtlich erfolgte die Ansteckung mit der Lebererkrankung weit häufiger als bisher angenommen auf sexuellem Wege. Statistisch gesehen bedeutet dies: HIV-positive Menschen mit einem durch HIV und Hepatitis C infizierten Partner haben ein dreifach erhöhtes Risiko, ebenfalls an Letzterem zu erkranken. Hierbei sind sowohl hereto- und homosexuelle als auch drogenabhängige Menschen betroffen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Schweizer Wissenschaftler im International Journal of Epidemiology.

Kondomgebrauch unbedingt anzuraten

Das Übertragungsrisiko von HIV-negativen Menschen kann durch diese Studie nicht abgeschätzt werden. Ähnlich einer Infektion durch das HI-Virus verläuft auch Hepatitis C unmittelbar nach der Ansteckung in knapp 90 % der Fälle mitunter jahrelang weitestgehend symptomfrei. Etwa ein bis zwei Monate nach der Kontamination kommt es bei vielen Patienten zu unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Glieder- und Gelenkschmerzen und Appetitlosigkeit. Seltener ist auch ein leichtes Spannungsgefühl im rechten Oberbauch zu verspüren. Diese Krankheitszeichen können jedoch leicht als Grippe oder sonstige harmlose Erkrankung verstanden werden. Nach Remission der Symptome folgen oft jahrelange beschwerdefreie Intervalle, in denen der Träger aber andere Menschen anstecken kann.

Wie schon bei HIV ist auch für diesen Fall die Benutzung eines Kondoms bei einem neuen oder häufig wechselnden Sexualpartnern unbedingt anzuraten. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) weisen ein besonderes hohes Ansteckungsrisiko für Hepatitis C auf. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies der Tatsache geschuldet, dass der hier praktizierte Analverkehr ein insgesamt höheres Verletzungsrisiko mit sich bringt. Durch minimale Läsionen in den Schleimhäuten kann bereits eine Infektion mit Hepatitis C erfolgen. Zu diesem Ergebnis kam unlängst die KABaSTI-Studie des Robert-Koch-Instituts.

Quellenangaben:

  • Studienabstract im International Journal of Epidemiology (16.12.2013)
  • Onlinepräsentation: The Swiss HIV Cohort Study
  • Pressemitteilung des Informationsdienst Wissenschaft (03.02.2014)
  • KABaSTI-Studie (Robert-Koch-Institut)
  • Hygiene, Infektiologie, Mikrobiologie (Christian Jassoy, Andreas Schwarzkopf), Thieme-Verlag Stuttgart

© medizin.de 2014 (Dr. Florian Korff)