Herpes genitalis - HSV2

Die Gruppe der Herpesviren verursacht beim Menschen sehr unterschiedliche Krankheitsbilder. Im alltäglichen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung Herpes für eine bläschenbildende Entzündung der Haut und Schleimhaut der Lippen und im Genitalbereich eingebürgert, obschon auch andere Erreger solche Beschwerden auslösen können.

Für den Lippen- bzw. Genitalherpes sind die Herpes-Simplex-Viren Typ 1 und Typ 2 verantwortlich. Die Bezeichnung Herpes-Simplex-Virus Typ 3 wäre zwar logisch, ist aber nicht gebräuchlich. Statt dessen spricht man vom VZV (Varizellen-Zoster-Virus), es ist Verursacher der Windpocken und des Gürtelrose. Zu den insgesamt acht für den Menschen interessanten Herpes-Viren zählen außerdem das Epstein-Barr- und das Cytomegalievirus sowie drei, deren Bedeutung als Krankheitserreger (noch) nicht abschließend geklärt ist.

Ansteckend und reaktiviert

Die drei Herpes-Simplex-Virus Typen zeichnen sich durch eine sehr hohe Ansteckungsrate aus. Typ 1 und 2 sind biologisch sehr nahe miteinander verwandt. Mindestens drei von vier Menschen haben sich in Deutschland im Laufe ihres Lebens mit dem Herpes-Simplex-Virus Typ 1 angesteckt, mit dem Typ 2 zwischen 10 und 30%. Genaue Zahlen liegen nicht vor.

Das besondere für alle Herpes-Viren besteht darin, dass sie auch nach Abheilung der Symptome nicht aus dem Körper verschwunden sind, sondern in den Kernen von Nervenzellen überdauern. Dort sind sie für das Immunsystem des Organismus nicht sichtbar. Auf im Einzelnen nicht bekannte Triggerfaktoren (Auslöser) hin, die von Person zu Person sehr unterschiedlich sind, kommt es auch nach Jahren zu einem erneuten Ausbruch. Zu diesen Faktoren gehören Stress, UV-(Sonnen-)licht, Medikamente, andere Erkrankungen, Verletzungen, starke mechanische Belastung (z.B. im Mundbereich beim Zahnarzt).

HSV-2

Der Lippenherpes wird bis auf wenige Ausnahmen vom Herpes-Simplex-Virus Typ 1 ausgelöst, in 20% der Fälle steckt dieses Virus auch hinter einem genitalen Herpes. In den übrigen 80 % liegt eine Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) vor.

Die Ansteckung mit dem Herpes-Simplex-Virus Typ 2 kann schon während der Geburt geschehen: das Kind kommt mit vielleicht gar nicht sichtbaren Herpesbläschen der Mutter im Geburtskanal zwischen Gebärmutter und Scheidenausgang in Kontakt. Bei sonst gesunden Babys ist dies meist unproblematisch. Die nächsten Ansteckungsquellen lauern bei engem Kontakt in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule. Spätestens wenn die Jugendlichen erste sexuelle Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht machen, ist die Infektionsrate hoch. Das liegt auch daran, dass außerhalb der Schübe gar keine, und selbst im akuten Stadium oft nur sehr milde Symptome auftreten.

Beschwerden

Bei einer erstmaligen Infektion bemerkt nur jeder hundertste Betroffene Beschwerden, diese bestehen in der Bildung kleiner, flüssigkeitsgefüllten Bläschen auf gerötetem Grund und Juckreiz. Die Lymphknoten in der Umgebung schwellen an, teilweise kommt es zu Schmerzen.

Bei einer Reaktivierung der Infektion sind ähnliche Symptome zu bemerken, meistens ist der Verlauf schwächer. Außer bei Defekten des Immunsystems handelt es sich um ein örtlich begrenztes Geschehen.

Die Ansteckung mit dem Herpes-Simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) ist in der Regel völlig harmlos, nach einigen Tagen ist alles vorbei. Eine Infektion begünstigt allerdings das Auftreten anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen (sexual transmitted disease STD), da das Immunsystem durch das HSV-2 geschwächt ist. Außerdem verdeckt z.B. eine frische Pilzinfektion den darunter liegenden Herpes, der unerkannt bleibt.

Man nimmt an, dass ungefähr ein Drittel der mit Herpes-Simplex-Virus Typ 2 Menschen an wiederkehrenden Reaktivierungen leiden, deren Abstände aber viele Monate betragen können. Ungefähr einer von hundert Infizierten hat aber sogar jeden Monat einen Schub, nicht selten werden diese sogar heftiger und treten noch öfter auf.

Therapie und alternative Behandlung

Die Behandlung einer unproblematischen Infektion mit HSV-2 entspricht mehr oder weniger der bei HSV-1: Cremes mit Antivirenmitteln wie Aciclovir oder ähnlichen Wirkstoffen; hilfreich sind auch Zinksulfat-Salben, die die Bläschen austrocknen lassen. Hausmittel wie Zahncreme, Honig oder Zitronensaft, die beim Lippenherpes wirken (sollen), sind aber nichts für den Genitalbereich und die empfindlichen Schleimhäute.

Nur in ausgeprägten Fällen oder bei häufigen Reaktivierungen werden die Anti-Virus-Mittel als Tablette genommen, nur in Kliniken diese als Infusion verabreicht.

Betroffene mit sehr häufigen Schüben leiden sehr unter ihrem Genitalherpes. Da es wegen des Prinzips der Reaktivierung keine vollständige Heilung gibt, muss man dann versuchen, das Immunsystem zu stärken. Im günstigen Fall wird damit die nächste Reaktivierung verzögert oder verläuft schwächer. Bekannte und regelmäßig erfolgreiche Verfahren sind die Eigenbluttherapie, die Gabe von Herpes-Nosoden (Homöopathie) oder Thymus-Extrakten (Komplementärmedizin).

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)