Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose

Herzmuskelentzuendung

Die Diagnose Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist oftmals nicht leicht zu stellen. Gleichzeitig ist es aber wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen. Denn je später die Diagnose gestellt wird, desto schwieriger gestaltet sich die Therapie. Ist eine Herzmuskelentzündung erstmal chronisch geworden, heilt sie von alleine meistens nicht mehr aus. Eine möglichst effektive Diagnostik sollte daher schrittweise aus folgenden Elementen bestehen:

  1. Erörterung der aktuellen Beschwerden
  2. Intensive Patientenbefragung und Erhebung einer Anamnese
  3. Allgemeine körperliche Untersuchung
  4. Blutuntersuchung
  5. EKG
  6. Bildgebende Verfahren (z. B. Röntgen)
  7. Gewebeentnahme vom Herzmuskel (Myokardbiopsie)

 

Vorerkrankungen wichtig für Diagnostik

Zunächst sollte eine ausführliche Schilderung der aktuellen Beschwerden durch den Patienten erfolgen. Bei einer akuten Herzmuskelentzündung sind die Symptome meist leichter zuzuordnen als bei der chronischen Variante. Letztere ist folglich wesentlich schwieriger zu diagnostizieren. Da eine Herzmuskelentzündung sehr häufig Folge einer verschleppten Infektion ist, erkundigt sich der Arzt nach kürzlich, scheinbar überstandenen Erkrankungen (wie. z. B. eine Grippe oder Magen-Darm-Erkrankung). Liegt hier etwas vor, ist dies in Kombination mit den genannten aktuellen Beschwerden bereits ein aussagekräftiger Hinweis auf das Vorliegen einer Herzmuskelentzündung. Bevor der Arzt zur weiterführenden Diagnostik kommt, folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung. Hierzu werden u. a. Herz und Lunge abgehört, sowie Blutdruck, Puls und Körpertemperatur gemessen.


Bestimmte Blutwerte erhärten die Verdachtsdiagnose

Sobald im Körper eine Entzündung vorliegt, reagiert dieser mit der Ausschüttung bestimmter Verbindungen, die sich u. a. im Blutbild nachweisen lassen. So ist die Anzahl an weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ebenso stark erhöht, wie bestimmte Proteine. Auch die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist beschleunigt. Alle diese Faktoren – auch Entzündungsmarker genannt – weisen zwar sicher auf ein Entzündungsgeschehen im Körper hin, können aber weder Art noch Ort der Entzündung bestimmen. Sie alle sind bei einer Herzmuskelentzündung ebenfalls stark erhöht.

Zu den typischen Entzündungsmarkern im Blutbild gehören:

  • weiße Blutkörperchen
  • C-reaktives Protein (CRP)
  • Blutsenkungsgeschwindigkeit (BGS)


Für die Diagnostik einer Herzmuskelentzündung besonders entscheidend sind jene Laborwerte, die spezifisch auf eine Schädigung des Myokards hinweisen. Hierbei handelt es sich um spezifische Enzyme (sog. Herzenzyme), die sich unter physiologischen Bedingungen nur innerhalb der Herzmuskelzellen befinden. Gehen diese Zellen durch eine Erkrankung, wie beispielsweise Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung unter, gelangen sie in den Blutkreislauf und sind dort labormedizinisch nachweisbar.

Zu den Herzenzymen gehören:

  • Troponin T
  • Troponin I
  • Creatinkinase (CK)
  • Lactatdehydrogenase (LDH)
  • Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)


Handelt es sich um eine infektiöse Form der Herzmuskelentzündung, lassen sich im Idealfall sogar noch die entsprechenden Krankheitserreger mittels Blutuntersuchung nachweisen.


Die apparative Diagnostik: EKG und bildgebende Verfahren

Viele Herzerkrankungen lassen sich durch ein EKG genauer bestimmen, so auch eine Herzmuskelentzündung. Für sich alleine genommen würde diese Untersuchungsmethode zwar nicht zur Diagnosestellung ausreichen, es gibt jedoch bestimmte EKG-Veränderungen, die typisch für eine Herzmuskelentzündung sind. Es zeigen sich typischerweise Phasen von Herzrasen (Tachykardien), da das Herz die geschwächte Pumpkraft durch eine höhere Frequenz zu kompensieren versucht. Häufig finden sich auch supraventrikuläre und ventrikuläre Extrasystolen, die im EKG sehr gut erkennbar sind. Diese zusätzlichen Herzschläge kommen jedoch auch bei völlig gesunden Menschen vor. Im Rahmen einer Herzmuskelentzündung zeigen sich bei einem Teil der Patienten auch Veränderungen im EKG, die auch für einen Herzinfarkt typisch sind (stark überhöhte T-Wellen und veränderter QRS-Komplex).

Im Herz-Ultraschall (Echokardiografie) sind spezifische Veränderungen einer Herzmuskelentzündung zu erkennen: So zeigt sich in den meisten Fällen ein sog. Perikarderguss, d. h. zwischen Herzmuskel und –beutel liegen Flüssigkeitsansammlungen. Des Weiteren ist fast immer eine Vergrößerung der Herzhöhlen gegenüber dem Normalzustand nachweisbar. Besser im Röntgenbild zu erkennen ist hingegen eine Hypertrophie (Größenzunahme bzw. Verdickung) des gesamten Herzens.

 

Neuartige MRT-Untersuchung gibt Auskunft über Heilungschancen

Die Magnetresonanztomografie (MRT) gehört schon länger zu den modernsten und zuverlässigsten Methoden der medizinischen Diagnostik. Auch für die Untersuchungen bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung gewinnt das MRT-Verfahren an Bedeutung. Auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 2012 in Mannheim stellten Herzspezialisten eine neuartige Form der MRT-Untersuchung vor, bei denen sowohl Schweregrad als auch Heilungsaussichten bei einer Herzmuskelentzündung genau beurteilt werden können.

Das Verfahren nennt sich die „späte Gadolinium-Anreicherung“. In deren Rahmen wird dem Patienten das Kontrastmittel Gadolinium intravenös injiziert, ehe mit dem bildgebenden Verfahren begonnen wird. Die Verbindung reichert sich speziell im Narbengewebe des Herzmuskels an, wodurch dieses in der Aufnahme deutlich sichtbar wird. Je mehr Narben vorhanden sind, desto schwerwiegender ist die Herzmuskelentzündung und desto schlechter die Prognose. Diese neue Form der Diagnostik erlaubt eine genaue Planung der anschließenden Therapie.

 

Herzmuskel-Biopsie liefert endgültige Diagnose

Alle genannten Diagnoseverfahren erhärten den Verdacht einer Herzmuskelentzündung, liefern aber nicht den letzten Beweis. Liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit nur eine leichte vorübergehende Form der Myokarditis vor, wird auf eine Probenentnahme am Herzen meistens verzichtet. Bei einem schweren und chronischen Verlauf hingegen sollte eine Herzmuskel-Biopsie in jedem Fall eingeplant werden. Nur hierdurch kann direkt und eindeutig die Herzmuskelentzündung nachgewiesen werden. Mithilfe eines Mikroskops und verschiedener pathologischer Untersuchungsmethoden kann die Diagnose bestätigt werden. Liegt als Ursache der Herzmuskelentzündung eine Virusinfektion vor, kann das Erbgut der Viren genetisch untersucht werden, was eine eindeutige Erregeridentifikation ermöglicht. Die Probenentnahme erfolgt mittels Herzkatheter, der über eine größere Vene bis in die Herzkammern vorangeschoben wird – völlig schmerzlos.

© medizin.de 2014 (Gunnar Römer)

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Teil 1: Herzmuskelentzündung: Allgemeines

Teil 2: Herzmuskelentzündung: Ursachen

Teil 3: Herzmuskelentzündung: Symptome

Teil 4: Herzmuskelentzündung: Diagnose

Teil 5: Herzmuskelentzündung: Therapie