Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Therapie

Herzmuskelentzuendung

Die Therapie einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) richtet sich nach Schweregrad und Ursache. So bedarf die akute Form meist einer anderen Behandlung als die chronische Myokarditis. Während Erstgenannte häufig folgenlos ausheilt, kann die chronische Variante im Extremfall so weit fortschreiten, dass eine Herztransplantation notwendig wird. Umso wichtiger ist eine angemessene Therapie. Dabei geht es sowohl um die Besserung der Symptome als auch um die Bekämpfung der eigentlichen Ursache der Entzündung.

 

Körperliche Schonung für Heilung essentiell

Eine Herzmuskelentzündung entsteht häufig durch eine verschleppte Infektionskrankheit. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn sich ein Sportler nach einer Grippe nicht lange genug schont und zu früh wieder mit dem Training beginnt. Ist die Herzmuskelentzündung schließlich ausgebrochen, geht endgültig kein Weg mehr an einer strikten körperlichen Schonung vorbei. Die geringste Überbelastung des Herzens kann das Krankheitsbild signifikant verschlimmern bzw. die Entzündung verlängern. Besteht auch nur ein geringer Rest an erkranktem Herzmuskel, kann es bei ungenügender Ruhe sofort zu einem schweren Rückfall kommen. Erst wenn die Myokarditis nachweislich ausgeheilt ist, kann mit einer schrittweisen Erhöhung der Belastung begonnen werden.

Medikamente schonen Herz und unterstützen Heilungsprozess

Die medikamentöse Therapie spielt eine große Rolle bei der Behandlung einer Herzmuskelentzündung:

  • Während der Zeit strikter Bettruhe ist das Thromboserisiko des Patienten deutlich erhöht. Um hier Komplikationen zu vermeiden, wird in der Regel den Patienten regelmäßig Heparin zur Gerinnungsprophylaxe gespritzt.
  • Wie erwähnt ist die strikte Schonung einer der wichtigsten Pfeiler für eine rasche Genesung. Hierzu gilt es, das Herz durch körperliche Ruhe zu schonen. Da aber bereits seelischer Stress oder Aufregung zu einer Mehrbelastung des Herzens führen können, sollten parallel zur Bettruhe das Herz entlastende Arzneimittel verabreicht werden. Insbesondere Betablocker reduzieren Blutdruck und Herzfrequenz, aber auch ACE-Hemmer und AT1-Rezeptor-Antagonisten sind geeignet. Um das Herz vor einer zu großen Volumenarbeit zu schützen, wird meistens zusätzlich ein Diuretikum appliziert zur Stimulierung der Ausscheidung von Flüssigkeit aus dem Körper. Diese genannten Arzneimittel schützen das Herz nicht nur vor einer zu großen Belastung, sie sind auch bei einer (häufig eine Herzmuskelentzündung begleitenden) Herzinsuffizienz hilfreich.
  • Leidet der Patient unter starken Schmerzen, können Schmerzmittel verabreicht werden.
  • Bekanntermaßen wird eine Herzmuskelentzündung häufig von Herzrhythmusstörungen begleitet. Klingen diese nicht von selber ab, können hiergegen Arzneimittel aus der Wirkstoffgruppe der Antiarrhythmika gegeben werden. Nur in seltenen Fällen bleiben so starke Rhythmusstörungen zurück, dass ein Herzschrittmacher implantiert werden muss.
  • Ungefähr jede zweite Herzmuskelentzündung geht auf eine Virusinfektion des Myokards zurück. Hier haben sich Interferone als Arzneimittel der Wahl bewährt. Diese Wirkstoffe stimulieren in den von Viren befallenen Zellen die Produktion bestimmter Eiweiße, die das Wachstum und die Vermehrung der Viruspartikel hemmen.
  • Liegt der Herzmuskelentzündung ein Bakterienbefall zugrunde, werden hochdosierte Antibiotika verabreicht. Gegen Pilze sind Arzneimittel aus der Gruppe der Antimykotika wirksam.
  • Ist eine Autoimmunkrankheit ursächlich, gilt es, das überaktive Immunsystem medikamentös zu unterdrücken. Hierzu existieren spezielle Immunsuppressiva, welche die gegen das Herz gerichtete Abwehrreaktion hemmen und so zu einem Abklingen der Herzmuskelentzündung führen.


Im ungünstigsten Fall ist Herztransplantation nötig

Gerade die akute Herzmuskelentzündung hat eine sehr günstige Prognose. Eine schwere chronische Verlaufsform macht häufig eine intensivmedizinische Behandlung notwendig. Sowohl bei der akuten, als auch bei der chronischen Form kommt es häufig zu Flüssigkeitsansammlungen im Herzen, einem sog. Pleuraerguss. Um das Herz nicht noch mehr zu schädigen, wird die Flüssigkeit mittels Punktion abgesaugt. Ist die Herzmuskelentzündung schon sehr weit fortgeschritten, spricht sie auf keinerlei Therapie mehr an und besteht bereits eine ausgedehnte Herzinsuffizienz, bleibt als letzter Ausweg nur eine Herztransplantation.

 

Erkrankungsrisiko kann minimiert werden

Auch wenn das Spektrum der Therapiemöglichkeiten breit ist, jeder Mensch sollte alles daransetzen, eine Herzmuskelentzündung zu vermeiden. Viele Fälle ließen sich durch eine ausreichende Schonung nach einer Infektionserkrankung vermeiden. Und wenn es nur eine scheinbar harmlose Erkältung ist – zu früh wieder mit starken körperlichen Belastungen anzufangen, kann fatale Folgen haben. Wie bei praktisch allen Erkrankungen kann auch eine allgemein gesunde Lebensweise das Risiko einer Herzmuskelentzündung stark minimieren. Bluthochdruck, Übergewicht, Nikotin und Alkohol gilt es zu vermeiden, wie auch der ständige Kontakt mit starken Giftstoffen und Drogen. Und auch eine regelmäßige Impfung (z. B. gegen Diphtherie) kann das Risiko, an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken deutlich minimieren, ohne danach wochenlang Bettruhe halten zu müssen.

© medizin.de 2014 (Gunnar Römer)

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Teil 1: Herzmuskelentzündung: Allgemeines

Teil 2: Herzmuskelentzündung: Ursachen

Teil 3: Herzmuskelentzündung: Symptome

Teil 4: Herzmuskelentzündung: Diagnose

Teil 5: Herzmuskelentzündung: Therapie