Heuschnupfen ? Rette sich wer kann

Nicht alle Tipps zum Schutz vor Heuschnupfen sind hilfreich

Heuschnupfen: Alle Jahre wieder
Warmes und trockenes sommerliches Wetter führt zu einem starken Gräserpollenflug. Alarm für alle Pollenallergiker.

Eine "Allergie" ist nicht immer eine Allergie

Nicht jede Überempfindlichkeit gegen einen Auslöser ist eine Allergie. Zur sicheren Diagnose gehört der Nachweis einer fehlgeleiteten, dem Allergen nicht angemessene Immunantwort des Körpers. Diese Diagnose wird durch die bekannten Haut-Tests wie Prick-, Scratch- oder Epi-Test erbracht, bei Bedarf auch durch Laboruntersuchungen. Gerade bei vielen "Allergien" gegen Nahrungs- und Umweltstoffe oder Medikamente gelingt dieser Nachweis nicht. Daraus folgt nun nicht, dass gar keine Allergie vorliegt. Aber wissenschaftlich korrekt sollte man (noch) nicht davon sprechen.

Heuschnupfen

Ebenfalls sichern sollte man die Diagnose bei der zahlenmäßig sicherlich größten Teilgruppe der Allergiker, den von Heuschnupfen Geplagten. Diese reagieren auf die Pollen von Pflanzen, die durch den Wind verteilt werden, die Windblüter. Dazu gehören fast alle Bäume, Gräser, Getreide und Kräuter. Im Gegensatz dazu werden Blumen in der Regel durch Insekten bestäubt, die den männlichen Pollen zu weiblichen Pflanzen tragen. Heuschnupfen gegen diese Pollen gibt es daher nur bei Menschen, die beruflich ständig damit zu tun haben wie Gärtner oder Beschäftigte im Blumenhandel. Die Pollen sind einfach zu schwer, um durch die Luft zu fliegen und viele Menschen zu erreichen.
Anders bei der Windblütern: Die kleinen Pollen sind "ideale" Allergene, weil sie leicht bis tief in die Atemwege vordringen. Mit jedem Zug im Freien atmet der Mensch bis zu 8.000 Pollen ein. Einige haben dann einen Weg von 400 Kilometern hinter sich. Ist ein Mensch sensibilisiert, reichen schon 40 Pollen, einen Heuschnupfen-Anfall auszulösen. Ein Haselstrauch produziert davon über 600 Millionen.

Ursachen und Zahlen

Übereinstimmend gehen Experten von einer steigenden Zahl von Heuschnupfen-Patienten in Deutschland und allen Industrieländern aus. Die Ursache ist nicht sicher geklärt, eine Rolle spielen wohl Umweltfaktoren: So ist bekannt, dass Stickoxide, Russ und Zigarettenrauch die Durchlässigkeit der Schleimhaut für Allergene erhöhen. Besonders verdächtigt sind in diesem Zusammenhang Dieselabgase. Möglicherweise spielen auch schleichende Klimaveränderungen eine Rolle oder der Kontakt mit ursprünglich nicht heimischen Pflanzen.
Das nordamerikanische Ambrosia oder Ragweed - im deutschen Traubenkraut - breitet sich hier immer mehr aus, es ist in den USA für die Mehrzahl der Pollen-Allergiker verantwortlich. Die oft zitierte Zahl von 20 Millionen Allergikern allein in Deutschland (oder: "Jeder vierte ist betroffen") ist aus den genannten Gründen mit Vorsicht zu genießen: Ein anerkannter Nachweis fehlt. Objektive Schätzungen sprechen von 15% Pollenallergikern in der Bevölkerung, das bedeutet aber immerhin 12 Millionen "Heuschnupfler".

Symptome und Maßnahmen

Die Symptome des Heuschnupfens sind eindeutig: Augentränen und -rötung, Nasenlaufen und Niesreiz sind klassisch, dazu manchmal Hautjucken und Atembeschwerden. Oft sind die Beschwerden so kurzfristig und/ oder so wenig belastend, dass die Betroffenen auf eine Testung verzichten. Nach dem Motto "Die paar Tage stehe ich so durch" behilft man sich mit einigen Packungen Taschentücher und vielleicht den rezeptfrei in der Apotheke erhältlichen Mitteln wie Cromoglicinsäure und Antihistaminika. Letztere wirken bei jedem Individuum verschieden. Jeder Betroffene kennt meist "sein" Mittel, mit dem er jedes Jahr gut über die Runden kommt. Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Herabsetzung der Konzentrationsfähigkeit sind möglich und zum Beispiel im Straßenverkehr zu berücksichtigen.

Was tun?

In leichteren Fällen reicht das bereits erwähnte Taschentuch oder der kurzfristige und gelegentliche Einsatz der üblichen Tropfen und Antihistaminika. Akupunktur und Homöopahie helfen zwar manchmal, leider aber nicht sehr oft. In schweren Fällen sollte man sich überlegen, ob nicht die anerkannt einzige ursächliche Behandlung, die Hyposensibilisierung, angezeigt ist. In aufsteigender Dosierung wird der Körper gegen das Allergen "unempfindlich" gemacht. Nachteil: Die Prozedur ist nicht ungefährlich und darf nur von erfahrenen Ärzten angewandt werden. Sie zieht sich über ca. drei Jahre hin, inzwischen gibt es aber auch schnellere Ansätze ("Spezifische Immuntherapie") mit ersten Erfolgen.

Selbsthilfe

Während einer solchen Behandlung oder bei allen, für die eine Hyposensibilisierung nicht in Frage kommt, heißt es "Wo keine Pollen sind, ist auch kein Heuschnupfen". Ein einfaches Prinzip und dafür noch fast kostenlos ist die Entfernung der Pollen in den Haaren durch eine abendliche Kopfwäsche, eine Nasendusche morgens und abends und das Schließen der Fenster ab ca. 4 Uhr morgens, wenn der Pollenflug am stärksten ist. Im Auto wird ohne Pollenfilter die Außenbelüftung abgestellt. Diese Maßnahmen sollen schon vielen Erkrankten die schwersten Beschwerden genommen haben.

Urlaub

Eine Alternative besteht darin, den Pollen auszuweichen und in andere Landstriche wegzufahren oder dort Urlaub zu machen. Geeignet sind zum Beispiel die Nordsee (weniger die Ostsee) oder andere Küsten mit anlandigem Wind wie die portugiesische, spanische oder französische Atlantikküste. Auch das Hochgebirge ab 1.500m eignet sich, wenn man vorher überprüft, wann dort was blüht. Diese Höhe sollten auch Milbenallergiker anstreben, ab hier gibt es keine fast keine mehr. Immer mehr Hotels weltweit und in Deutschland stellen sich auf Erholung und im wahren Sinn des Wortes Abstand suchende Allergiker ein. Sie sind mehr oder weniger vollständig nikotinfrei, haben auf den Zimmern keine Staubfänger, Haustiere sind nicht gestattet. Bedenken sollte der geplagte Allergiker, dass viele Medikamente im Urlaub in anderen Zeit- und Vegatationszonen anders - und das heißt in der Regel: stärker - wirken. Also aufgepasst bei Steuern von Mietwagen und anderen Vergnügungen.

(Dr. Berthold Gehrke, Redaktion medizin.de) © medizin.de 2007 (zuletzt aktualisiert 02/2009)

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