Leberprotein lindert Blutzuckerkrankheit

Leberprotein_Diabetes

Wenn wir Nahrung zu uns nehmen, beginnt der Körper sofort mit der Aufnahme der ins Blut gelangten Nährstoffe, allen voran Glukose. Hierzu schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus. Dieses sorgt dafür, dass der im Blut zirkulierende Traubenzucker ins Gewebe aufgenommen wird, wo seine weitere Verstoffwechselung zu Energie vonstatten geht. Insulin wird in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Genau dieser Vorgang ist bei Diabetes mellitus gestört. Bei hohen Blutzuckerwerten nach einer Mahlzeit steht zu wenig Insulin zur Verfügung.

Amerikanische Biowissenschaftler und Mediziner haben nun ein aus der Leber stammendes Protein identifiziert, welches im Tierversuch die Neubildung von Beta-Zellen stimuliert und damit die Gesamtmenge von Insulin im Organismus zu steigern vermag. Das Protein ist eine Art hepatisches Proteohormon und wird als Betatrophin bezeichnet. Die Forscher des Harvard Stem Cell Institute in Cambridge (Massachusetts) sind sich sicher, dass Betatrophin auch in der Leber des Menschen gebildet wird. Im Blut der behandelten Mäuse konnte eine deutliche Steigerung des Insulingehaltes nachgewiesen werden. Die Hoffnungen von Spezialisten und Diabetespatienten in aller Welt ruhen nun auf Betatrophin.

Erstaunliche Wirkung von Betatrophin auf die Bauchspeicheldrüse

Bei der Untersuchung von biochemischen Regulationsmechanismen stießen die US-Forscher um Peng Yi mehr oder weniger zufällig auf das Proteohormon Betatrophin. Das Hormon wird insbesondere im Lebergewebe synthetisiert. Eine gewisse Biosynthese von Betatrophin findet aber auch in den Fettzellen statt. Nach Zusammenbau aus einer Sequenz an Aminosäuren wird Betatrophin ans Blut abgegeben. Die Wissenschaftler konnten das Gen für Betatrophin auch beim Menschen auf Chromosom 19 lokalisieren.
Nach Injektion des Betatrophin-Gens in die Leber der an Diabetes mellitus leidenden Labormäuse, stellte sich ein äußerst beeindruckender Effekt ein: Die Menge an insulinproduzierenden Beta-Zellen wurde um das 30-fache gesteigert. Entsprechend stieg auch die Synthese an Insulin an. Direkte Folge war eine signifikante Verbesserung der Blutzuckerverhältnisse der Nager. Die Wirkung setzte rund 8 Tage nach Injektion des Gens ein.


Verdrängt Betatrophin zukünftig die Insulinspritze?

Wie erwähnt besitzt auch der Mensch die genetische Anlage für Betatrophin. Hier sehen Wissenschaftler eine große Chance, Betatrophin mittelfristig als festen Bestandteil der Therapie von Diabetes mellitus zu integrieren. Während seitens der Forschung zunächst davon ausgegangen wurde, dass Betatrophin nur die Syntheseleistung der noch vorhandenen Beta-Zellen stärkt, konnte in Massachusetts eindeutig bewiesen werden, dass sich unter der Wirkung des Hormons eine Vielzahl neuer insulinbildenden Zellen bildet. V. a. für Patienten mit Diabetes mellitus Typ I könnte dies ein Ansatz zur Besserung und langfristig vielleicht sogar zur Heilung sein. Voraussetzung ist allerdings, dass noch nicht alle Anlagen der Beta-Zellen durch Autoimmunprozesse zerstört wurden.

Es gilt als sicher, dass Betatrophin relativ problemlos biotechnologisch hergestellt werden kann. Seine insulinsteigernde und damit blutzuckersenkende Wirkung könnte einen Durchbruch in der Therapie des Diabetes mellitus darstellen. Die Hersteller stehen schon in den Startlöchern.

Quellenangabe:

  • Pressemitteilung der Harvard University (25. April 2013)
  • Abstract: Betatrophin - A Hormone that Controls Pancreatic Cell Proliferation (25.04.2013)
  • Dt. Ärzteblatt (26. April 2013)
  • Biochemie des Menschen (Florian Horn), Thieme-Verlag
  • Kurzkehrbuch Histologie (Norbert Ulfig, Günther Ritschel), Thieme-Verlag

© medizin.de 2013 (Gunnar Römer)