Muskelschmerzen: Diagnose

Muskelschmerzen

Die vorherigen Artikel haben gezeigt wie vielseitig die Ursachen für Muskelschmerzen sein können. Von Verletzungen über bestimmte Erkrankungen bis hin zu einigen Medikamenten reicht das Spektrum der schmerzauslösenden Faktoren. Entsprechend umfangreich sind auch die diagnostischen Methoden, mit denen Muskelschmerzen erkannt und einem  Auslöser zugeordnet werden können. Einige Formen sind bereits nach kurzer Befragung des Patienten identifiziert – so zählen Nackenschmerzen durch ständige Fehlhaltungen zu den Volkskrankheiten schlechthin. Auch eine Sportverletzung ist schnell diagnostiziert.

Andere Muskelschmerzen hingegen entziehen sich über Jahre einer greifbaren organischen Ursache. So durchlaufen Patienten mit dem durch starke, schubartige Muskelschmerzen gekennzeichneten Fibromyalgie-Syndrom durchschnittlich 7 Jahre und zahllose Arztbesuche verschiedenster Fachrichtungen bis die Ursache ihrer Beschwerden eindeutig geklärt ist. Eins aber haben alle Diagnose-Wege bei Muskelschmerzen gemeinsam: Am Anfang steht das intensive Arzt-Patienten-Gespräch mit Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese).


Ausführliche Anamnese führt häufig zum Ziel

Eine intensive Patientenbefragung durch den Arzt bildet das Fundament der Diagnostik bei Muskelschmerzen. Manchmal erübrigen sich hierdurch sogar weitere Untersuchungen. Vorerkrankungen, Operationen oder bestimmte berufliche Tätigkeiten können schon Hinweise auf mögliche Ursachen geben. Entscheidend ist außerdem, inwiefern der Patient sportlich aktiv ist. Sport kann zum einen durch gezieltes Training und Förderung der Muskulatur Muskelschmerzen vermeiden. Logischerweise birgt Sport aber auch das Risiko von Verletzungen. Auch die Lebensweise des Patienten, evtl. Medikamenteneinnahmen und Ernährung fügen ein Gesamtbild zusammen, aus dem sich bereits mögliche Entstehungsfaktoren der Muskelschmerzen ergeben.

Für die endgültige Diagnose ist es von entscheidender Bedeutung, die Charakteristika der Muskelschmerzen möglichst genau zu erfassen.

Folgende Fragen gilt es von ärztlicher Seite zu stellen:

  • Wo tritt der Schmerz auf?
  • Beschränken sich die Beschwerden auf eine isolierte Muskelgruppe oder ist der gesamte Bewegungsapparat von dem Muskelschmerzen betroffen?
  • Treten die Schmerzen im Muskel selber auf oder strahlen diese in andere Körperregionen aus?
  • Welcher Schmerzcharakter überwiegt? Handelt es sich um einen stechenden, ziehenden, dumpfen, brennenden oder drückenden Muskelschmerz?
  • Zu welcher Tageszeit tritt der Schmerz vorwiegend auf, ist er permanent gleich oder tritt er immer nach bestimmten Tätigkeiten oder Situationen auf?
  • Wie lange dauern die Schmerzen? Sind sie schubweise oder sind sie permanent spürbar?
  • Treten die Schmerzen eher bei Anstrengung oder eher bei Ruhe aus?`
  • Gibt es etwas, was gegen die Muskelschmerzen hilft; speziell von Interesse ist, ob die Schmerzen eher bei Kühlung der Muskeln oder Wärme besser werden.
  • Verschwinden die Schmerzen von alleine wieder?


Die weiterführende Diagnostik

Konnte in der Anamnese anhand eindeutiger Faktoren (z. B. ständige Fehlhaltungen oder Medikamente) eine höchstwahrscheinliche Ursache für die Muskelschmerzen gefunden werden, ist teilweise keine weitere Diagnostik nötig. Häufig aber müssen weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden um der Ursache der Muskelschmerzen auf den Grund zu gehen.

Zu den üblichen körperlichen Untersuchungen im Rahmen von Muskelschmerzen gehören folgende Maßnahmen:

  1. Gesamtkörperliche Untersuchung: Hierbei wird der gesamte Körper hinsichtlich Fehlbildungen, Fehlstellungen oder sonstiger Auffälligkeiten untersucht. Auch Routine-Parameter wie Blutdruck und Puls gehören zu dieser Diagnostik. Es gilt des Weiteren, den Körperbautyp festzuhalten. Hierbei wird zwischen ektomorph (Neigung zur Schlankheit), mesomorph (Neigung zur Muskulösität) und endomorph (Neigung zu Adipositas) unterschieden. Einige Muskelerkrankungen, wie beispielsweise die Fibromyalgie, lässt sich durch Betasten spezieller Sehnenansatzpunkte diagnostizieren. Sind diese schmerzhaft, gilt die Diagnose als gestellt.
  2. Ultraschall (Sonografie): Durch dieses bildgebende Verfahren lassen sich bestimmte Veränderungen im Muskel – insbesondere größere Verletzungen, Einblutungen oder Rupturen – feststellen und genau lokalisieren.
  3. Weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) können bereits kleinste Anomalitäten im Muskelgewebe feststellen. Dazu gehören strukturelle Veränderungen, kleinste Mikroverletzungen und Raumforderungen (wie beispielsweise ein bösartiger Tumor).
  4. Laboruntersuchungen: Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf eine Vielzahl an Ursachen liefern. So deuten eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins (CRP), sowie eine erhöhte Zahl an Leukozyten, immer auf ein Entzündungsgeschehen im Körper hin. Im konkreten Fall könnte eine Muskelentzündung (Myositis) die Muskelschmerzen auslösen. Auch eine evtl. vorliegende Autoimmunerkrankung kann durch genannte Parameter festgestellt werden. Eine Erhöhung der im Blut zirkulierenden Creatinkinase (CK) deutet auf eine Schädigung bzw. eine Auflösung von Muskelmasse hin. Dieses Enzym befindet sich normalerweise überwiegend innerhalb der Muskelzellen. Zerfallen diese, gelangt die CK in den Blutkreislauf. Auch weitere Laborparameter, wie Leberwerte, evtl. Krankheitserreger oder Toxine können die Ursache für Muskelschmerzen ans Tageslicht bringen.
  5. Elektromyographie: Bei diesem elektrophysiologischen Verfahren wird die Reaktion der Muskulatur auf elektrische Reize getestet. Ist diese Funktion gestört, deutet dies entweder auf eine degenerative Muskelerkrankung (z. B. verschiedene Muskeldystrophien) oder auf eine Ursache im Nervensystem (z. B. Multiple Sklerose oder ALS) hin.
  6. Muskelbiopsie: Dieses diagnostische Verfahren wird angewendet wenn damit zu rechnen ist, dass die Ursache der Muskelschmerzen in der Muskulatur selber zu finden ist. Zu diesem Zweck wird aus dem Muskel eine kleine Gewebeprobe entnommen, die dann histologisch untersucht wird. Hierdurch lässt sich eine Vielzahl von Muskelerkrankungen feststellen.


Auch Begleitsymptome sind elementar für Diagnose

Nicht nur die eigentlichen Muskelschmerzen geben Hinweise auf die mögliche Diagnose. Auch bestimmte Begleitsymptome können ausschlaggebend sein. Typisch für das Schmerzsyndrom Fibromyalgie sind z. B eine ganze Reihe von Begleiterscheinungen. Schwindel, Sehstörungen, Durchfall, sowie sexuelle Unlust sind nur einige Symptome der ohnehin schon belastenden Erkrankung. Taubheit und Missempfindungen können auf eine neurologische Grunderkrankung hindeuten. Treten Missempfindungen besonders nachts auf, kann dies auf eine Osteoporose hindeuten. Lila bis rötliche Verfärbungen der Haut treten z. B. dann auf, wenn sich eine Muskelentzündung auch auf die Haut ausgebreitet hat.

© medizin.de 2014 (Gunnar Römer)

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Teil 1: Muskelschmerzen: Allgemeines

Teil 2: Muskelkrämpfe als Auslöser

Teil 3: Muskelschmerzen: Verletzungen als Auslöser

Teil 4: Muskelschmerzen: Verspannungen als Auslöser

Teil 5: Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Teil 6: Muskelschmerzen: Arzneimittel und Gifte als Auslöser

Teil 7: Muskelschmerzen: Diagnose

Teil 8: Muskelschmerzen: Therapie