Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Muskelschmerzen

Auch eine Reihe von Erkrankungen gehören zu den typischen Auslösern von Muskelschmerzen. Zwar ist diese Art der Entstehung ungleich seltener als andere Ursachen wie Verspannungen, Verletzungen oder Krämpfe, die Muskelschmerzen sind aber oftmals wesentlich schwerer zu beheben. Im Zentrum von Diagnose und Therapie steht in diesem Fall die Behandlung der Grunderkrankung, die zu den Muskelschmerzen führt. Ursächlich für die Beschwerden können Erkrankungen sein, die direkt die Muskulatur betreffen. Aber auch eine Reihe weiterer Krankheiten außerhalb des Muskelsystems kommen als Ursache in Frage.

Muskelerkrankungen sind vielseitig

Unsere Muskulatur bietet nicht nur Angriffsfläche für eine ganzer Bandbreite an Verletzungen, auch viele Erkrankungen verschiedenster Art können sich hier manifestieren. Einige davon sind harmlos, andere wiederum führen auch trotz modernster medizinischer Möglichkeiten unaufhaltsam zum Tod. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie früher oder später Muskelschmerzen auslösen. Während die unangenehme Symptomatik bei Verletzungen und Krämpfen recht plötzlich einsetzt, beginnen die durch Krankheiten ausgelösten Beschwerden schleichend. Einmal festgesetzt verschwinden sie oftmals nicht mehr so schnell. Zu unterscheiden ist bei den Muskelerkrankungen, ob eine entzündliche oder eine nicht-entzündliche Ursache vorliegt.


Nicht-entzündliche Muskelerkrankungen

  • Muskeldystrophien: Hierbei handelt es sich um eine Vielzahl verschiedener, genetisch verursachter Muskelerkrankungen. Durch eine Mutation im Erbgut kommt es zu einem fehlerhaften Aufbau des Muskelgewebes bzw. dem Einbau defekter Proteine, was eine ausgeprägte Muskelschwäche und Muskelschwund als Folge hat. Die bekannteste Erkrankung dieser Gruppe nennt sich Muskeldystropie Duchenne. Durch die abnehmende Muskelmasse kommt es zu immer stärkeren Funktionseinschränkungen für den Betroffenen. Das gesamte Zusammenspiel zwischen den einzelnen Muskeln verliert immer mehr Kraft, starke Muskelschmerzen sind die Folge. Eine kausale Therapie gibt es bisher für keine Art der Muskeldystrophie.
  • Fibromyalgie: Diese schmerzhafte Erkrankung wird auch als „Weichteilrheuma“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist irreführend und faktisch falsch. Denn: Im Gegensatz zu klassischen Rheumaerkrankungen findet bei der Fibromyalgie keinerlei Entzündung statt. Vielmehr handelt es sich um ein Schmerzsyndrom, dessen Ursache bisher noch nicht umfassend geklärt ist. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf eine Schädigung kleinster Nervenendigungen im Unterhautgewebe hin. Die Patienten leiden u. a. an schubweise auftretenden brennenden Muskelschmerzen. Organische Schäden löst die Fibromyalgie nicht aus. Auch die Lebenserwartung ist nicht vermindert.
  • Glykogenspeicherkrankheiten: Es existieren zahlreiche Varianten dieser Übergruppe. Allen gemein ist die fehlende Fähigkeit, u. a. im Skelettmuskel gespeichertes Glykogen wieder zu Glukose abzubauen und somit Energie bereitzustellen. Ursache für diese Stoffwechselerkrankung ist ein Enzymdefekt.
  • Mitochondriale Myopathien: Mitochondrien sind die Elemente innerhalb einer Zelle, die für die Energiegewinnung und -bereitstellung verantwortlich sind. Hierzu verstoffwechseln sie Glukose und bestimmte Fettsäuren zu reiner nutzbarer Energie. Neben den Gehirn- und Herzmuskelzellen sind v. a. die Skelettmuskelzellen besonders energieverbrauchend und benötigen eine Vielzahl an Mitochondrien. Im Rahmen einer mitochondrialen Myopathie sind die als „Kraftwerke der Zelle“ bekannten Zellorganellen beschädigt oder verringert. Die Muskelzelle kann somit ihren Energiebedarf nicht decken und nimmt Schaden.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Unterfunktion (Hypothyreose) lösen in vielen Fällen starke Muskelschmerzen aus. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Folge ist dies bei einer Überfunktion folgendermaßen zu erklären: Produziert die Schilddrüse zu viel Thyroxin (Schilddrüsenhormon), ist der gesamte Stoffwechsel im Körper derart beschleunigt, dass es zwecks Energiegewinnung zu einem Angriff und Abbau von Muskelbestandteilen kommt. Im umgekehrten Fall bei der Unterfunktion ist es der chronische Mangel an Energie, der die Muskeln schmerzen und schwächeln lässt.

 

Entzündliche Muskelerkrankungen

  • Muskelentzündungen (Myositis): Muskelentzündungen können verschiedenste Ursachen haben, eines ist ihnen allen jedoch gemeinsam: Sie verursachen mitunter extrem starke Muskelschmerzen. Insbesondere die Extremitäten sind betroffen, wobei der Schmerzcharakter dem eines starken Muskelkaters ähnelt. Eine Muskelentzündung wird häufig durch bakterielle Erreger verursacht, die in Folge einer nicht ausreichend verheilten Sportverletzung bzw. Überlastung tief ins Gewebe eindringen können. Ähnlich verhält es sich mit Viren; das Coxsackie-B-Virus gilt als recht häufiger Auslöser einer Muskelentzündung. Vergleichsweise selten stellen Parasiten die Verursacher. Auch eine Vaskulitis (Entzündung der Blutgefäße) kann auf die Muskulatur übergreifen. Bleibt noch eine Reihe von Autoimmunerkrankungen, die eine schmerzhafte Muskelentzündung hervorzurufen vermag. Typische Beispiele sind hier die Polymyalgie rheumatica oder die Dermatomyositis. Außerdem lösen bestimmte Arzneimittel mitunter eine Muskelentzündung aus, beispielsweise Penicillin.



Erkrankungen ohne direkte Beteiligung der Muskeln

Muskelschmerzen können ihre Ursache auch in Erkrankungen haben, die nicht die Muskulatur direkt betreffen. Nennenswert sind hier insbesondere Störungen des Nervensystems und Knochenkrankheiten. Aber auch eine starke Infektion (z. B. eine Grippe) löst typischerweise Glieder- und Muskelschmerzen aus. Therapeutisch steht hier die Beseitigung der auslösenden Grunderkrankung im Vordergrund. Nicht immer gelingt dies.

Beispiele für schmerzhafte Knochenerkrankungen ohne Muskelbeteiligung:

  • Osteoporose: Bei dieser, auch als Knochenschwund bezeichneten Erkrankung kommt es zu einem übernatürlichen starken und schnellen Abbau von Knochenmasse. Das Skelettsystem kann seine Aufgaben nicht mehr in gewohntem Maße wahrnehmen, wodurch sich die gesamten Belastungsverhältnisse im Körper ändern. Muskelschmerzen sind die Folge.
  • Bandscheibenvorfall: Hierbei, aber auch bei etlichen anderen Formen von Rückenschmerzen reagieren auch die Muskeln mit schmerzhaften Zuständen.
  • Halswirbelsäule: Schäden und Erkrankungen der Halswirbelsäule werden unter dem Begriff HWS-Syndrom zusammengefasst und verursachen mitunter starke Muskelschmerzen, v. a. im Hals-, Nacken- und Schulterbereich.
  • Rheumatoide Arthritis: Muskelschmerzen sind eine sehr häufige Begleiterscheinung dieser chronisch-entzündliche Erkrankung der Gelenke. Gleiches gilt für sämtliche andere rheumatische Erkrankungen, wie z. B. Morbus Bechterew.


Folgende neurologischen Störungen lösen Muskelschmerzen aus:

  • ALS (amyotrophe Lateralsklerose): Innerhalb weniger Jahre kommt es zum unwiderruflichen Untergang sämtlicher motorischer Nervenbahnen, sodass alle Muskeln des Körpers nach und nach gelähmt sind. Auch wenn die ALS zwar als stets tödlich endende, aber relativ schmerzarme Erkrankung gilt, können auch hierbei Muskelschmerzen verschiedenster Art auftreten.
  • Morbus Parkinson: Bekannt ist hierbei besonders das charakteristische Muskelzittern. Muskelschmerzen treten ebenfalls auf.
  • Wundstarrkrampf (Tetanus): In modernen Industrieländern ist diese Erkrankung dank engmaschiger Impfmaßnahmen kaum noch vertreten. Einmal ausgebrochen bedeutet sie stärkste Krämpfe der Skelettmuskulatur, die mit vernichtenden Muskelschmerzen einhergehen. Die Verkrampfungen sind derart stark, dass sogar Knochenbrüche und Gelenkausrenkungen die Folge sein können.
  • Post-Polio-Syndrom: Jahrzehnte nach einer überstandenen Polio-Erkrankung kann das sog. Post-Polio-Syndrom mit Schwäche, Muskelschwund und Muskelschmerzen auftreten.

© medizin.de 2014 (Gunnar Römer)

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Teil 1: Muskelschmerzen: Allgemeines

Teil 2: Muskelkrämpfe als Auslöser

Teil 3: Muskelschmerzen: Verletzungen als Auslöser

Teil 4: Muskelschmerzen: Verspannungen als Auslöser

Teil 5: Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Teil 6: Muskelschmerzen: Arzneimittel und Gifte als Auslöser

Teil 7: Muskelschmerzen: Diagnose

Teil 8: Muskelschmerzen: Therapie