Muskelschmerzen: Therapie

Muskelschmerzen

Die Therapie von Muskelschmerzen richtet sich nach deren Ursache. Wir haben in den vorherigen Artikeln festgestellt, dass es eine Vielzahl von Gründen für Muskelschmerzen gibt. Breit gefächert ist somit auch das Angebot an Therapiemöglichkeiten. Jede einzelne Ursache hat ihre eigene ausführliche Therapie, der vorliegende Artikel soll hier einen Überblick geben. Neben der Feststellung der Ursache gilt auch zu unterscheiden, ob es sich um akute oder chronische Muskelschmerzen handelt. Ist es lediglich ein Krampf, Muskelkater oder eine Überlastung, kann dies meistens problemlos von zu Hause aus therapiert werden.

Von Ibuprofen bis Wärmeumschläge: Die Therapie zu Hause

Gleich zu Anfang sei gesagt, dass Verletzungen, Erkrankungen oder Muskelschmerzen unklarer Herkunft definitiv in die Hände eines Arztes gehören. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, Muskelschmerzen selber zu behandeln. Hierzu steht eine ganze Reihe an apothekenpflichtigen, in der Regel rezeptfreien Produkten zur Verfügung:

  1. Ibuprofen Schmerzgel: Verpackt in mikroskopisch kleine Mizellen transportiert das Schmerzgel den genannten Wirkstoff bis tief ins Muskelgewebe, wo er seine volle Wirkung entfalten kann. Arzneistoff der Wahl ist hier Ibuprofen. Dabei handelt es sich um ein nichtsteroidales Antirheumatikum, das speziell gegen Schmerzen und Entzündungen des Bewegungsapparates hochwirksam ist. Zwar steht Ibuprofen auch in Form von Tabletten zur Verfügung, die Anwendung als Schmerzgel hat jedoch den Vorteil einer lokal begrenzten Wirkung. Der restliche Organismus wird nicht belastet. Alternativ existieren auch Schmerzgele mit den Wirkstoffen Diclofenac und Heparin. Während Diclofenac eine ähnliche Wirkung wie Ibuprofen entfaltet, dient Heparin primär der Behandlung von Blutergüssen.
  2. Arnika-Salbe: Je nach Stärke und Ursache der Muskelschmerzen eignen sich auch pflanzliche Präparate hervorragend zur Therapie zu Hause. Als besonders erfolgversprechend haben sich Salben mit Arnika-Extrakten bewährt. Arnika ist eine der am meisten verwendeten Heilpflanzen in Europa. Wirksam sind v. a. die Blüten, aus denen eine abschwellende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Tinktur hergestellt wird. Besonders stumpfe Verletzungen wie Quetschungen und Zerrungen lassen sich mit Arnika-Präparaten sehr gut therapieren. Ähnlich dem Heparin bewirkt Arnika auch eine schnelle Rückbildung von Blutergüssen, in dem es die lokalen Blutgefäße engstellt.
  3. Therma-Produkte: Hierbei wird komplett auf Arzneimittel verzichtet, vielmehr macht sich dieses Prinzip die heilsame Wirkung von Wärme zu Nutze. Speziell zu befestigende Wärmepads für Rücken und Nacken enthalten in ihrem Inneren eine Mischung aus Eisenpulver und Aktivkohle. In Kombination mit Sauerstoff kommt es beim Aufreißen der Verpackung zu einer chemischen Reaktion, die Wärme freisetzt und mehrere Stunden anhalten kann. Auf die betroffene Stelle aufgeklebt, versorgt sie den schmerzenden Muskel bis zu acht Stunden mit wohltuender Wärme. Die angenehme Temperatur sorgt für eine vorsichtige Entspannung, sowie eine Mehrdurchblutung der Muskulatur. Handelt es sich um reine Verspannungen, reicht dieses Verfahren oftmals aus und auf weitere Arzneistoffe kann verzichtet werden.

 

Akute Muskelschmerzen und ihre Therapie

Häufige Ursache akuter Muskelschmerzen ist eine Verletzung, z. B. beim Sport oder einem Unfall im Haushalt. Hierbei gilt es zunächst, die betroffene Stelle ruhig zu halten und gegebenenfalls zu kühlen. Ideal sind hier Eisbeutel, die zum Schutz vor Erfrierungen in ein Tuch eingepackt werden und auf die schmerzende Region gelegt werden. Besteht der Verdacht auf eine Muskelverletzung, sollte auf jeden Fall ein Arzt zu Rate gezogen werden. Nur er kann feststellen, um was für eine Verletzung es sich handelt und welches Ausmaß vorliegt.

Unbehandelt können bleibende Schäden, wie Vernarbungen des Muskels oder sogar Verknöcherungen zurückbleiben! Handelt es sich um kleinere Verletzungen wie einen isolierten Muskelfaserriss, sind abschwellende Verbände das Mittel der Wahl. Handelt es sich um eine ausgedehnte Verletzung, kann eine Operation nötig sein. In jedem Fall gilt es, den verletzen Muskel lange zu schonen. Erst wenn die Verletzung richtig ausgeheilt ist, kann wieder mit vorsichtigen Belastungen begonnen werden.

Auch ohne eine ersichtliche Ursache (z. B. einer Kollision oder eines Sturzes) kann es während dem Training zu plötzlichen akuten Muskelschmerzen kommen. Regel Nummer Eins ist hierbei, die sportliche Tätigkeit sofort zu unterbrechen. Möglicherweise handelt es sich um einen schmerzhaften Krampf oder eine Zerrung. Beide können beispielsweise auftreten, wenn vor der Trainingseinheit keine ausreichende Aufwärmung stattfand. Bei einem Krampf hilft eine gezielte Gegenbewegung und der Muskel entspannt sich wieder. Hier bedarf es keiner langen Pause. Eine Zerrung kann sich durch weitere starke Belastungen verschlimmern, hier sollte je nach Ausmaß zwischen zwei und vier Wochen pausiert werden. Muskelfaserrisse können den Athleten durchaus acht Wochen, Muskelrisse über ein Vierteljahr zur Pause zwingen. Erst bei völliger Schmerzfreiheit kann wieder mit dem Training begonnen werden.

Chronische Muskelschmerzen: Die Behandlung einer Volkskrankheit

Chronische Muskelschmerzen können vielfältige Gründe haben. Einige Erkrankungen gehen mit einer Myalgie einher. Wir konzentrieren uns hier zunächst auf die chronischen Muskelschmerzen, hinter denen kein anderes Krankheitsbild (z. B. Rheuma) steht. Zu den häufigsten Ursachen dieser Beschwerden zählt das sog. Schulter-Nacken-Syndrom, bei dem bereits der Name verrät, wo die Muskelschmerzen vorwiegend auftreten. Bevor hier mit der Therapie begonnen wird sollte herausgefunden werden, wie es zu der Symptomatik gekommen ist. Häufig stehen Haltungsfehler, unbequeme Sitzpositionen oder ständiger Durchzug als Ursache hinter den Beschwerden. Nach Entfernung der Ursache sollte mit einem täglichen Training der Nacken-Schulter-Muskulatur begonnen werden. Eine Stärkung der entsprechenden Muskulatur wirkt sich sehr günstig auf die Problematik aus. Massagen mit Schmerzgel (Ibuprofen, Arnika, Diclofenac) oder Wärmepflaster lindern zusätzlich.

Rückenschmerzen – nicht immer steckt die Wirbelsäule dahinter

Rückenschmerzen werden oft mit der Wirbelsäule in Verbindung gebracht. Nicht selten liegt die Ursache aber auch in verspannten Muskeln, die Millionen von Menschen in Deutschland quälen. Aber auch Bandscheibenvorfälle oder ein Hexenschuss stehen in Zusammenhang mit den umliegenden Muskeln, eine gut trainierte Rückenmuskulatur wirkt wie ein Schutzschild für die empfindliche Wirbelsäulenregion. Kommt es zu plötzlichen starken Rückenschmerzen, sollte sich der Patient in Rückenlage begeben und die Beine hochlegen. Dies hilft zumeist, die teilweise starken Beschwerden zu lindern. Grundsätzlich helfen auch bei Rückenschmerzen die o. g. Maßnahmen für zu Hause – dauerhafte Besserung bringt aber nur eine nachhaltige Stärkung der Rückenmuskulatur. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass nur Sportarten gewählt werden, die den Rücken nicht noch zusätzlich belasten.

Hier eine Übersicht über rückenschonende Sportarten:

  • Rückenschwimmen
  • Kraulen
  • Walking
  • Nordic Walking
  • Skilanglauf
  • Indoor-Klettern
  • Aerobic
  • Wassergymnastik
  • Radfahren
  • Laufen (entsprechendes Schuhwerk und weicher Boden)


Häufig ist auch Stress ein Auslöser von Muskelschmerzen. Die ständige psychische Unruhe bewirkt unwillkürlich auch eine permanente Anspannung der Muskulatur. Auch wenn es in der heutigen Berufswelt schwerfällt: Betroffene sollten unbedingt versuchen, Stress abzubauen. Ideal hierfür sind leichtes Ausdauertraining, Yoga oder spezielle Entspannungsübungen wie Autogenes Training. Besonders geeignet ist auch die sogenannte Progressive Muskelentspannung, bei der bewusst einzelne Muskelpartien angespannt und dann wieder entspannt werden. Ratsam ist grundsätzlich, auf genügend Schlaf und ausreichend Erholung (idealerweise an der frischen Luft) zu sorgen. Außerdem gilt es, durch ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung für eine Reduktion von Übergewicht zu sorgen. Überflüssige Pfunde belasten unser Bewegungssystem und können auf diese Weise ebenfalls für Muskelschmerzen sorgen.


Die wichtigsten Therapien bei chronischen Muskelschmerzen auf einen Blick

  • Muskelaufbau: Starke Muskeln sind widerstandsfähiger und schützen zudem die umliegenden knöchernen Strukturen (z. B. Gelenke oder Wirbelsäule).
  • Regelmäßige Anwendung von Schmerzgel
  • Sauna (Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und akuten Infektionen)
  • Spezielle Bäder, wie z. B. Lavendel, Melisse, Eukalyptus oder Rosmarin
  • Massagen zur Entspannung der verkrampften Muskulatur
  • Elektrotherapie: Niederfrequenter Strom sorgt für eine Linderung der Muskelschmerzen
  • Akupunktur oder Akupressur
  • Physiotherapie
  • Neuraltherapie: Hierbei wird ein Lokalanästhetikum (meistens Lidocain) in den schmerzenden Bereich injiziert
  • Psychotherapie: Diese ist insbesondere bei stressbedingten Muskelschmerzen angezeigt, wenn der Betroffene sich selber nicht mehr ausreichend helfen kann (z. B. Burnout-Syndrom)
  • Wärmepflaster
  • Wärmepackungen (Moorschlamm, Fango, etc.)
  • Wärmegüsse (hierbei wird die schmerzende Stelle ca. eine Viertelsteine lang mit einem warmen, harten Wasserstrahl stimuliert)
  • Feuchtwarme Kompressen
  • Wärmeumschläge
  • Arzneimittel: Je nach Ursache der Muskelschmerzen sind Nichtsteroidale Antirheumatika angezeigt. Bekannteste Wirkstoffe sind Ibuprofen und Diclofenac, die auch als Zusätze vieler Schmerzsalben bekannt sind. Reicht die oberflächliche Behandlung nicht aus, kann auf Tabletten ausgewichen werden.


Medikamente und Erkrankungen

Zahlreiche neurologische und orthopädische Erkrankungen, aber auch bestimmte Infektionen gehen mit chronischen Muskelschmerzen einher. Zwar können auch hier von Fall zu Fall die Muskelschmerzen isoliert bekämpft werden. Im Vordergrund steht aber in jedem Fall die Behandlung der Grunderkrankung. Das Gleiche gilt für schmerzauslösende Medikamente: Insbesondere Statine (Cholesterinsenker) und einige Antibiotika (v. a. Penicillin) lösen häufig starke Muskelschmerzen aus. Einzig effektive Therapie ist hier das Absetzen der Wirkstoffe. Meistens finden sich vergleichbare Präparate mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil bezüglich der Muskelschmerzen.

Mit einer konsequenten Therapie der Grunderkrankung, einer entsprechend gesunden Lebensweise und genügend Bewegung lassen sich Muskelschmerzen in den allermeisten Fällen beheben oder zumindest einmal deutlich reduzieren. Es lohnt sich immer, anzufangen.

© medizin.de 2014 (Gunnar Römer)

1 | 2 | 3 | 4 |5 | 6 | 7 |8

Teil 1: Muskelschmerzen: Allgemeines

Teil 2: Muskelkrämpfe als Auslöser

Teil 3: Muskelschmerzen: Verletzungen als Auslöser

Teil 4: Muskelschmerzen: Verspannungen als Auslöser

Teil 5: Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Teil 6: Muskelschmerzen: Arzneimittel und Gifte als Auslöser

Teil 7: Muskelschmerzen: Diagnose

Teil 8: Muskelschmerzen: Therapie