Muskelschmerzen: Verspannungen als Auslöser

Muskelschmerzen

Zu den mit Abstand häufigsten Auslösern von Muskelschmerzen gehören Verspannungen. Der Medizinische Fachbegriff für einen Zustand verspannter Muskeln lautet Myogelose. Besonders oft sind diese im Bereich der Schultern, des Nackens und um die Wirbelsäule zu finden. Die Ursachen sind vielfältig: Meistens stehen falsche und einseitige Bewegungen dahinter. Aber auch eine durchgelegene Matratze oder gar Stress können zu Verspannungen der Muskulatur führen. Hilfreich sind in den meisten Fällen Wärmeauflagen oder Massagen. Jedoch sollte die Beseitigung der Auslöser nicht vergessen werden. Langfristig bestehende Verspannung können weitreichende Folgen wie chronische Kopfschmerzen auslösen.


Ursachen sind vielfältig

Wohl jeder Mensch kennt in mehr oder weniger ausgeprägtem Maße Muskelschmerzen, die von einer Verspannung herrühren. Bis zu einem gewissen Grad ist dies völlig normal und gehört zum Alltagsleben dazu. Wenn sich diese Beschwerden allerdings häufen, sollte unbedingt gehandelt werden. Schnelle Hilfe versprechen sanfte, entspannende Massagen. Wärmeauflagen sorgen für eine rasche Verbesserung der lokalen Durchblutung und eine Auflockerung der verhärteten Muskeln. Bei einer Muskelverspannung ist der Spannungszustand (Tonus) dauerhaft erhöht. Das betroffene Areal fühlt sich hart an, teilweise fühlen sich die verspannten Muskelanteile wie kleine Knoten an.

Folgende Ursachen können zu anhaltenden Verspannungen mit Muskelschmerzen führen:

  1. Ein falsches Gleichgewicht zwischen Muskelgruppen führt zu einer ungleichen Belastung der Muskulatur und kann somit zu schmerzhaften Verspannungen führen. Häufig passiert dies bei falschem Muskelaufbautraining. So legen viele Kraftsportler vor allem Wert auf eine gut ausgebildete und definierte Brustmuskulatur. Oftmals wird dabei aber das gezielte Training der Rückenmuskulatur vernachlässigt. Folge: An der Brust bildet sich eine starke Muskelschicht, während die Rückenmuskulatur keinen Kraft- und Massenzuwachs verzeichnet. Der schwerer gewordene vordere Rumpf zieht den gesamten Oberkörper leicht nach vorne, der wenig trainierte Rücken muss dauerhaft höhere Muskelarbeit leisten. Es kommt zu Verspannungen, die mit teilweise starken Muskelschmerzen einhergehen.
  2. Auch eine Muskelverletzung kann Verspannungen auslösen. Zwar ist hier die eigentliche Verletzung folgenreicher – die Kraftverteilung auf die Muskulatur verändert sich aber durch die Schädigung. Häufige Verletzungen sind Muskelfaserriss oder eine schwere Muskelzerrung.
  3. Eine falsche Bewegung führt zu einer Belastung, für die der entsprechende Muskel nicht angemessen ausgebildet ist. Als Folge bilden sich schmerzhafte Verspannungen, die mitunter einige Tage anhalten können. So kann beispielsweise eine falsch ausgeführte, ruckartige Kopfdrehung zum bekannten „steifen Hals“ führen. In dem konkreten Fall ist der Kopfwendermuskel verhärtet.
  4. Sehr häufige Ursache von Muskelverspannungen ist die Kombination aus Zugluft und Schwitzen. Bekanntes Beispiel: Im Sommer versuchen viele Autofahrer, mit Klimaanlage oder offenem Fenster den überhitzten Autos entgegenzutreten. Eben durch die Hitze ist der Körper aber oft stark verschwitzt. Kommt auf die nasse Haut (v. a. im Hals-Nacken-Bereich) plötzlich sehr kalter Wind, reagieren die Muskeln mit schmerzhaften Verspannungen. Im Übrigen steigt auch das Erkältungsrisiko durch das genannte Verhalten.
  5. Ebenfalls im Auto entstehen oftmals Fehlhaltungen des Kopfes, ähnlich ist es im Büro oder am OP-Tisch. Bestimmte Tätigkeiten und Berufe verlangen der Nacken- und Schultermuskulatur alles ab: Der Zahnarzt arbeiten abertausende Stunden in seinem Leben in leicht gebückter Haltung, die Bürokraft sitzt vor dem Computer – Ausgleichsbewegung ist oft kaum möglich. Schmerzhafte Verspannungen sind hier oft nur der Anfang. Langfristig kann es zu Schäden an der Halswirbelsäule kommen. Dabei könnte das Problem mit wenigen Minuten gezieltem Nackentraining am Tag effektiv gelindert werden.
  6. Mangelnde Bewegung allgemein macht unsere Muskulatur anfällig für Muskelschmerzen und Verspannungen. Aber auch mit Sport kann einiges verkehrt gemacht werden. So ist es für die Muskulatur und letztlich auch für den sportbegeisterten Zeitgenossen eine Qual, wenn das Workout ohne vorheriges Aufwärmen begonnen wird. Starke Muskelschmerzen sind hier vorprogrammiert.
  7. Letztendlich ist es auch unsere Psyche, die über den Zustand unserer Muskeln entscheidet. Andauernder Stress und seelisches Ungleichgewicht sorgen dafür, dass wir nicht nur unruhig, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „angespannt sind“. Unsere Muskulatur reagiert mit einem dauerhaft erhöhten Tonus – die Folgen sind bekannt: Muskelschmerzen und Verspannungen am ganzen Körper.

© medizin.de 2014 (Gunnar Römer)

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Teil 1: Muskelschmerzen: Allgemeines

Teil 2: Muskelkrämpfe als Auslöser

Teil 3: Muskelschmerzen: Verletzungen als Auslöser

Teil 4: Muskelschmerzen: Verspannungen als Auslöser

Teil 5: Muskelschmerzen: Erkrankungen als Auslöser

Teil 6: Muskelschmerzen: Arzneimittel und Gifte als Auslöser

Teil 7: Muskelschmerzen: Diagnose

Teil 8: Muskelschmerzen: Therapie


Quellenangaben:

  • Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie (Ulrike Bommas-Ebert, Philipp Teubner, Rainer Voß), Thieme-Verlag Stuttgart
  • Kurzlehrbuch Physiologie (Jens Huppelsberg, Kerstin Walter), Thieme-Verlag Stuttgart
  • Prometheus Atlas der Anatomie – Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, Thieme-Verlag Stuttgart
  • Sportmedizin: Grundlagen von körperlicher Aktivität, Training und Präventivmedizin (Heiko K. Strüder, Wildor Hollmann), Schattauer GmbH
  • Sportmedizin und Trainingslehre (armo Ahonen, Tiina Lahtinen, Marita Sandström, Giuliano Pogliani), Schattauer GmbH