Kutane Mykosen: Fußpilz

Der Befall der Haut mit Pilzen (kutane Mykose) wird als häufigste Infektionserkrankung überhaupt bezeichnet. In dieser Größenordnung wird der Mensch höchstens noch vom banalen viralen Schnupfen geplagt.

Der häufigste Ort der Erkrankung sind die Zwischenräume der Zehen (Fußpilz, Tinea pedum). Hier finden verschiede Pilzarten, meist Fadenpilze, Dermatophyten und Trichophyten, ideale Bedingungen für ihr Wachstum. Dazu benötigen sie eine gewisse Feuchtigkeit und Wärme, auch verschwitzte Füße sind geeignet. Aus diesen Gründen sind vor allem sportliche, jüngere Menschen betroffen, Männer etwas mehr, da sie mehr schwitzen. Weitere Risikofaktoren sind enges luftdichtes Schuhwerk und Strümpfe aus synthetischem Material. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass sich bei mehr als zwei Dritteln der Erwachsenen hierzulande zwischen 20 und 40 Jahren Fußpilze nachweisen lassen. In Indien wurden Erkrankungsraten von weniger als 1% erhoben, das begründet sich leicht mit dem völlig anderen Tragen von Schuhen.

Beschwerden Fußpilz, Nagelpilz

Die nachfolgend genannten Beschwerden müssen überhaupt nicht oder bei jedem alle gleichzeitig auftreten. Zu diesen zählen eine leichte Rötung zwischen den Zehen, eine feine Schuppung oder die Ablösung ganzer Hautanteile. Juckreiz kann, muss aber keineswegs auftreten. Meist sind die Zeichen am ehesten zwischen dem vierten und fünften Zeh zu erkennen. Dennoch ist der Befall nur eines Zwischenraums selten, fast immer sind alle auch des anderen Fußes betroffen.

Die Beschwerden sind insgesamt gering und werden deshalb kaum beachtet. Die typischen Erreger des Fußpilzes sind außerhalb der genannten Bedingungen wenig ansteckend. Reservoir der Pilze sind u.a. Saunen, Schwimmbäder und Umkleiden von Sporthallen. im englischen wird dieses Krankheitsbild deshalb auch als Athletenfuß oder Sportlerfuß bezeichnet (athlet´s foot).

Komplikationen eines Fußpilzes sind bei gesunden Erwachsenen nicht zu erwarten. Die Infektion kann aber auf die Gegend der Leisten und Innenseite der Oberschenkel (Tinea inguinalis) übergehen und dort ähnliche Symptome verursachen. Bei längerem Verlauf kann der oberflächliche Hautpilz auch die Nägel der Füße befallen (Onychomykose). Das kommt besonders oft vor bei längerer Einnahme von Antibiotika und Kortison; auch Diabetiker sind vermehrt gefährdet. 

Therapie

Die Behandlung der Tinea pedum und Tinea inguinalis besteht im Auftragen von Cremes, meist mit Wirkstoffen aus der Azolgruppe (Clotrimazol und andere). Wichtig ist nicht die Menge (lieber weniger), sondern die Regelmäßigkeit (jeden Abend) und vor allem die ausreichende Länge der Anwendung; ungefähr zwei bis drei Wochen, davon eine Woche auch noch nach dem Verschwinden der sichtbaren Beschwerden. Auch ist darauf zu achten, immer beide Füße einzucremen. Das Einpinseln mit Farbstoffen ist heute nicht mehr üblich (Verfärbung der Haut und der Textilien), wirkt aber bei unkomplizierten Fällen ebenso.

Vorbeugen lässt sich der Fußpilz durch ein sorgfältiges Trocknen der Zehenzwischenräume nach jedem Sport oder Baden (Einmalhandtücher, Föhn), darüber hinaus sollen möglichst offene Schuhe getragen und die Socken täglich gewechselt werden. Wenn es geht, sind sie mit 60 Grad zu waschen, ist dies nicht möglich oder der Fuß akut befallen, kann dem Waschgang ein entsprechender Zusatz beigefügt werden (in der Apotheke erfragen).

Die Behandlung des Nagelpilzes kann mit dem Auftragen von Lacken mit antimykotischen (Anti-Pilz-Mittel) Wirkstoffen versucht werden. Da dies nicht ausreicht, muss oft zu Tabletten gegriffen werden, die mindestens vier bis sechs Wochen genommen werden. Erst dann ist der Nagel so weit ohne Pilze herausgewachsen, dass das Absetzen gerechtfertigt ist; leider ist die Gefahr eines erneuten Befalls (Rezidiv) ohne die Einhaltung der beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen dennoch hoch.

Hände und Kopf, Tiere

Grundsätzlich kann die gesamte Haut von Pilzen befallen werden, das ist aber deutlich seltener. So steckt hinter der Infektion von Händen und Fingernägeln oft eine starke berufliche Belastung im feuchten Milieu (Reinigungspersonal, Gastwirtschaft) oder eine andere Erkrankung wie Diabetes. Auch sind hier viel häufiger Hefepilze statt Dermatophyten die Auslöser.

Eine weitere Gruppe bilden Pilze, die durch Tiere übertragen werden (Katze, Hund, Hamster, Kühe und andere). Diese finden sich dann am Körper, im Gesicht (Schmusen mit den Tieren) oder in den Haaren (Mikrosporie, Favus, Trichophytie). Die Behandlung erfolgt ebenfalls mit äußerlichen Mitteln und bei schweren Fällen mit Tabletten.

Kultur und Biopsie

In allen Fällen wird eine Pilzinfektion durch eine Pilzkultur oder eine Biopsie (Gewebeprobe) nachgewiesen. Zur Auswahl des geeigneten Mittels muss die Art des Erregers identifiziert werden, da nicht alle Mittel gegen Hefen und Hautpilz gleich gut wirken.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)