Naturheilkunde: die Kraft der Arzneipflanzen

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Das Wissen um die Heilkraft von Pflanzen hat eine lange Tradition. Schon seit jeher nutzen Menschen eine große Anzahl von speziellen Heil- und Arzneipflanzen zur Vorbeugung,  Linderung und Heilung bei zahlreichen Beschwerden. Ob zur Behandlung von Schmerzen, bei Wunden, Frauenleiden, Rheuma oder Gicht, zur Stärkung des Immunsystems oder schlicht zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens – gegen (fast) jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen. Die heutigen Kenntnisse beruhen auf einem reichhaltigen und jahrhundertealten Erfahrungswissen. So waren Arzneipflanzen wie z. B. die echte Kamille (Matricaria recutita) und die Melisse (Melissa officinalis) bereits im Altertum bekannt. Im Mittelalter widmeten sich Mönche, allen voran die Benediktiner und Franziskaner, der Heilpflanzenkunde. Sie entwickelten die überlieferten Kenntnisse weiter, sammelten Heilpflanzen in der Natur und kultivierten die wichtigsten im eigenen Klostergarten. Die vielfältigen Kenntnisse der mittelalterlichen Klostermedizin haben in unserer Zeit eine regelrechte Renaissance erfahren und bilden den Grundstein für die moderne Heilpflanzenkunde.

Sanft wirkend und gut verträglich

Viele Menschen vertrauen der Wirksamkeit pflanzlicher Zubereitungen und Arzneimittel. Da sie schonend in den Organismus eingreifen, sind sie in der Regel gut verträglich und gelten als nebenwirkungsarm. Sie sind häufig eine sanfte Alternative zu chemisch-synthetischen Medikamenten. Ob Naturheilkunde, Homöopathie oder moderne Phytopharmazie – der Anwendungsbereich von Heil- und Arzneipflanzen ist breit gefächert.

Hier ein kleiner Überblick, bei welchen Beschwerden welche Arzneipflanzen eingesetzt werden können:

  • Anspannung, innere Unruhe, Schlafprobleme: Baldrian, Lavendel, Melisse, Hopfen
  • Erkältungen: Eukalyptus, Kamille, Menthol, Wasserdost
  • Depressive Verstimmungen: Melisse, Johanniskraut
  • Entzündungen im Mund- und Rachenraum: Salbei, Isländisch Moos
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Arnika, Beinwell
  • Husten: Alant, Spitzwegerich, Thymian, Primel, Sonnentau
  • Sinusitis: Eukalyptus
  • Stärkung des Immunsystems: Sonnenhut (Echinacea), Wasserdost
  • Wundheilung: Beinwell, Cistrose, Kamille

Verwendete Teile

Verwendet werden jeweils unterschiedliche Pflanzenteile: Blüten, Blätter, Kraut, Früchte oder Wurzeln – je nach Pflanze, Anwendung und Darreichungsform. Einige Beispiele:

  • Blätter: Beinwell, Melisse, (Pfeffer-)Minze, Spitzwegerich, Eukalyptus
  • Blüten: Johanniskraut, Kamille, Schlüsselblume
  • Kraut: Johanniskraut, Veilchen, Stiefmütterchen
  • Früchte: Rose (Hagebutten), Schlehen, Weißdorn
  • Wurzel: Echter Alant, Baldrian, Beinwell, Primel

Darreichungsformen

Heilkräuter finden auf unterschiedlichste Weise Anwendung: frisch oder getrocknet für die Zubereitung von Tees, Bädern oder Kompressen, als Tinktur (alkoholischer Auszug) zur inneren und/oder äußeren Anwendung, in Salben und Ölen, in Tablettenform, als homöopathische Mittel und pharmazeutisch hergestellte Medikamente.

Wichtige Inhaltsstoffe

Heilpflanzen enthalten eine Vielzahl von Inhaltsstoffen. Dabei ist oftmals nicht im Einzelnen bekannt, welcher der Inhaltsstoffe wirkungsbestimmend ist. Basierend auf Erfahrungswissen wird angenommen, dass sie gerade in der spezifischen Kombination ihre Wirkung entfalten. Zu den wichtigsten Wirkstoffen von Heilpflanzen zählen unter anderem folgende:

Ätherische Öle: Sie sind selbst ein umfangreiches Stoffgemisch. Sie verleihen den Pflanzen ihren charakteristischen Duft: der süße Duft von Veilchen oder der zitronige Duft von Melisse, aber auch der von Menschen als eher unangenehm empfundene Duft von Baldrian beruhen auf den spezifischen ätherischen Ölen dieser Pflanzen. Ätherische Öle sind vielseitig einsetzbar. Sie bilden die Basis der Aromatherapie, wirken schleimlösend bei Erkältungskrankheiten (Eukalyptus, Menthol), können bei Magen- und Darmbeschwerden helfen (Fenchel, Anis bei Blähungen, Krämpfen) oder entzündungshemmend wirken (Salbei gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum).

Alkaloide: Bei den Alkaloiden handelt es sich um organische, häufig basische Verbindungen, die eine starke Wirkung auf den Organismus haben. Viele sind giftig.

Flavonoide: Eine weitere große Gruppe der pflanzlichen Inhaltsstoffe sind die Flavonoide. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, denen eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird.

Gerbstoffe wirken zusammenziehend (adstringierend), entzündungshemmend und antibakteriell.

Schleimstoffe (z. B. in Malve, Eibisch, Spitzwegerich, Sonnentau)können reizlindernd wirken und insgesamt das Immunsystem stärken.

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Quellen:

Naturamed - Zeitschrift für Gesundheit und Naturheilverfahren

Zeitschrift für Phytotherapie

Dietrich Frohne, Heilpflanzenlexikon, Stuttgart 2006

Ursel Bühring, Praxislehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde, Stuttgart 2009

Wolfgang Hensel, Kräuter- und Heilpflanzenbuch, Stuttgart 1994