Nickelallergie durch neue Cent-Münzen

Nickelallergie

Seit langem ist bekannt, dass Nickel das Element mit dem höchsten Potenzial zur Ausbildung einer Kontaktallergie ist. Kein anderes Metall führt so häufig zu schmerzhaften und juckenden Hautreaktionen. Ob in Brillen, Schmuck oder Schnallen: Nickel ist weitverbreitet und stellt Allergiker nicht selten vor große Schwierigkeiten. In Englang ordnete die Regierung unlängst an, die 5- und 10-Cent-Münzen aus einer neuartigen Stahl-Nickel-Legierung zu fertigen. Diese besitzen einen höheren Nickelgehalt als die bisherigen Münzen. Experten warnen vor einem sprunghaften Anstieg an Nickelallergien.

Neue Cent-Münzen sind Gift für Kontaktallergiker

Bisher bestanden die 5- und 10-Cent-Münzen aus einer Metallmischung, deren Hauptbestandteil Kupfernickel war. Wie der Name schon verrät enthielten auch diese Cent-Münzen bereits einen gewissen Anteil an Nickel. Doch war der Nickelgehalt bei diesen Münzen so gering, dass er nur in seltenen Fällen zu einer Kontaktallergie führte. Die Regierung von England erließ allerdings vor wenigen Wochen die Anordnung, die neuen Cent-Münzen aus einer Stahl-Nickel-Legierung herstellen zu lassen. Einer schwedischen Studie zufolge setzen diese modifizierten Münzen bis zu viermal soviel Nickel frei wie dies die alten Exemplare taten. Innerhalb kürzester Zeit zeigt das Kontaktallergen seine Wirkung: Die auftretenden Nickelallergien sind in England innerhalb weniger Monate dramatisch gestiegen.

Nickelgehalt dramatisch höher

Unter der Leitung der am Stockholmer Karolinska-Institut tätigen Forscherin Anneli Julander wurden Vergleichsstudien zur Auswirkung der neuen Cent-Münzen auf die Haut von Versuchspersonen durchgeführt. Zu diesem Zwecke lies Julander die sechs Probanden jeweils alte und neue Münzen über eine Stunde lang in der Hand halten. Das Ergebnis am Ende des Versuchs war verblüffend: Auf den Handinnenflächen der Versuchspersonen mit den neuen Münzen fand sich ein signifikant höherer Nickelgehalt als auf den Händen der Personen mit den alten Münzen aus Kupfernickel. Offenbar setzen die Cent-Münzen aus einer Stahl-Nickel-Legierung bis zu viermal soviel des Kontaktallergens Nickel frei. Anneli Julander und ihre Mitarbeiter wiesen auf bei den Probanden, welche die neuen Münzen festhielten, einen Nickelgehalt von bis zu 7,5?µg/cm2  nach.

Die Bildung von Schweiß in der Handinnenfläche begünstigt die Freisetzung von Nickel. Die Forschungen des Karolinska-Institutes zeigten zumindest einmal in Schweden Wirkung: Die dortige Zentralbank kündigte jüngst an den Nickelgehalt ihrer Münzen aus Rücksicht auf die Kontaktallergiker senken zu wollen. Auch in England täte man gut daran, die getroffene Maßnahme wieder rückgängig zu machen. Die durch die wesentlich günstigere Stahl-Nickel-Legierung eingesparten Kosten könnten durch explodierende Kosten im Gesundheitswesen wieder zu Nichte gemacht werden.


Quellenangabe:

  • Pressemitteilung des Journals EurekAlert (03.06.2013)
  • Studienabstract durch Contact Dermatitis (22.05.2013)
  • Dt. Ärzteblatt (04.06.2013)
  • Chemie für Mediziner (Axel Zeeck), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • BASICS Allergologie (Axel Müller), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH
  • Kurzlehrbuch Dermatologie (Wolfram Sterry), Thieme-Verlag

© medizin.de 2013 (Gunnar Römer)