Pilzvergiftung: Giftpilze Maßnahmen und Hilfe

Pilzvergiftung: Giftpilze Maßnahmen und Hilfe

Pilzvergiftungen werden in Deutschland glücklicherweise in den letzten Jahren deutlich seltener. Dennoch ist es zu früh, Entwarnung zu geben, jeder Fall ist immer noch einer zu viel, da sie sich relativ einfach vermeiden lassen.

Allergie und eingebildete Krankheit

Nicht alles, was Pilzvergiftung genannt wird ist auch eine. So gibt es auch nach Pilzmahlzeiten ganz normale Lebensmittelvergiftungen. Diese treten z.B. auf, wenn die Pilze zu lange oder nicht sachgemäß gelagert wurden (nicht in Plastiktüten, immer luftig transportieren) oder schimmelig gekauft oder gesammelt wurden.

Nicht ungewöhnlich ist auch die eingebildete Pilzvergiftung, von der Giftnotrufzentralen berichten: Menschen glauben fest daran, Giftpilze gegessen zu haben und leiden auch unter den entsprechenden Beschwerden. Objektiv haben sie aber nachweislich gar keine gegessen; dennoch bleibt nichts anderes übrig, als die Vergiftung wie eine echte zu behandeln.

Auch gibt es eine allergische oder Überreaktion auf Pilze (wie bei jedem anderen Lebensmittel auch), ein häufig beschriebenes Beispiel ist die Quaddelsucht mit peitschenartigen Striemen auf der Haut nach dem Genuss von Shiitake.

Symptome

Etwas vereinfacht gesagt: je schneller nach der Mahlzeit die Beschwerden auftreten, um so harmloser ist die Vergiftung. Nach ein bis vier Stunden einsetzendes Erbrechen und Durchfall im Sinne einer Lebensmittelvergiftung entfernt die möglichen Gifte aus dem Körper. Damit besteht keine besondere Gefahr mehr, die Patienten werden vollständig wiederhergestellt. Beginnt die Symptomatik erst später (6-8 Stunden oder sogar einen Tag später) haben die Gifte ihren Wirkungsort in der Leber bereits erreicht.

Die Beschwerden sind sehr variabel je nach Menge und Art der gegessenen Pilze. Neben den fast immer auftretenden Übelkeit, Durchfall und Erbrechen kommen Schweißausbrüche, Unruhe bis zu Verwirrtheit und Halluzinationen oder umgekehrt auch Müdigkeit.

Knollenblätterpilz

In Deutschland weitaus an der Spitze stehen Vergiftungen mit dem Knollenblätterpilz (neun von zehn Fälle) und den verschiedenen Schleierlinge, in Russland und dem Baltikum die Frühjahrslorchel. Beim Knollenblätterpilz stehen anfangs starke Durchfälle und Bauchschmerzen im Vordergrund, nach einer scheinbaren Erholung einen Tag später beginnt die Leberzersetzung. War dies früher zu einem Drittel tödlich, ist es heute mit geeigneten Gegenmitteln möglich, dass jede zehnte Vergiftung tödlich endet. Bei nicht-tödlichem Ausgang besteht die Gefahr bleibender Schäden von Leber und Nieren.

Späte Symptome, Schleierling und Fliegenpilze

Die Schleierlinge zeigen erst sehr spät Symptome, diese können bis zu zwei Wochen nach dem Verzehr liegen. Aus heiterem Himmel treten Übelkeit und Erbrechen auf, dann kommt es zum Nierenversagen, erkennbar durch unstillbarem Durst und einer großen Menge Urin.

Die Vergiftung mit dem Fliegenpilz ist in Deutschland sehr selten. Die typischen Symptome (Sehstörungen durch Pupillenverengung, Tränen- und Speichelfluss sowie starkes Schwitzen, Zittern und gelegentlich Kopfschmerz mit Halluzinationen) werden öfter von den Trichterlingen und Risspilzen verursacht.

Pilz als Droge

Gelegentlich werden (Gift-) Pilze absichtlich gegessen, um Vergiftungserscheinungen, hier Halluzinationen bzw. Rauscherlebnisse, zu erreichen. Davon ist abzuraten, da es keine Garantie für die gewünschte Wirkung und die richtige Auswahl der Pilze gibt. Das gewollte Vergnügen kann tödlich enden.

Maßnahmen

Beim Verdacht auf eine Pilzvergiftung darf nicht gezögert werden, einen Notarzt zu alarmieren. Ganz wichtig ist es auch, Reste der Mahlzeit oder Erbrochenes aufzuheben. Damit ist die Behandlung deutlich genauer und zielsicherer und damit erfolgreicher.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)

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