Pilzvergiftung: Giftpilze Maßnahmen und Hilfe

Pilzintoxikation

Jeden Spätsommer und Herbst treibt es die Pilzsammler in die heimischen Wälder. Oftmals sind die Reaktionen ungläubig bis kritisch, wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählen. „Ist das nicht gefährlich?“, „Da muss man sich aber gut auskennen, oder?“, sind typische Fragen. Auch im Zeitalter modernster Medizin und Forschung mutet dem Pilze sammeln immer noch etwas Riskantes, Lebensbedrohliches bei. Ohne Frage: Wer sich nach einigen Regentagen in die Wälder begibt, muss einige Grundkenntnisse mitbringen. Und ja, es gibt genügend Pilze, die lebensgefährliche Vergiftungen auslösen können. Wichtig ist, die Fruchtkörper genauestens unterscheiden zu können. Hierbei helfen spezielle Bestimmungsbücher. Aber auch die Kenntnis über mögliche Pilzvergiftungen sollte dem eifrigen Sammler geläufig sein. Der folgende Artikel soll hier einen Überblick geben.

Zunächst einmal sei darauf hingewiesen, dass es nicht „die eine Pilzvergiftung“ gibt. Es existieren eine ganze Reihe verschiedener Vergiftungssyndrome, je nach Art der versehentlich verspeisten Fruchtkörper. Dabei reichen die Symptome von harmlosen Bauchschmerzen bis hin zu einem Multiorganversagen. Grundsätzlich stellen sich immer zwei entscheidende Fragen, sollte der Verdacht einer Pilzvergiftung bestehen:

  1. Welche Giftpilze wurden versehentlich gegessen und welche Giftstoffe enthalten diese?
  2. Wie viele giftige Pilze wurden in welchem Abstand verzehrt?

 Grundsätzlich gilt: Sammeln Sie nur die Pilze, die Sie genau kennen und zweifelsfrei von allen giftigen Vertretern unterscheiden können!

Von entscheidender Bedeutung für die Gesundung des vergifteten Patienten ist die Latenzzeit, also die Zeit zwischen der Pilzmahlzeit und dem ersten Auftreten von Vergiftungserscheinungen. Günstig sind dabei jene Verläufe, in denen es rasch zu Übelkeit und Erbrechen kommt. Letzteres führt frühzeitig zu einer Ausscheidung größerer Mengen der Gifte, bevor diese ins Blutkreislaufsystem gelangen können. Ungünstigerweise gibt es im Pilzreich die Tendenz, dass die besonders gefährlichen Vertreter auch eine besonders lange Latenzzeit aufweisen. Bleibende Schäden sind dann meist nicht mehr abzuwenden.

Pilzmythen: Woran Sie giftige Pilze NICHT erkennen!

Schon seit Urzeiten greift der Mensch auf die gesunde und ergiebige Nahrungsquelle der Pilze zurück. Bevor die moderne Wissenschaft Einzug hielt, erdachten sich die Menschen bestimmte Methoden, mit denen sie essbare Pilze von ihren giftigen Artgenossen scheinbar unterscheiden konnte. So verließen sich ahnungslose Pilzsammler lange Zeit auf vermeintliche Fraßstellen an Pilzen. Wenn Tiere daran nagen, können sie auch für uns nicht schädlich sein – ein mitunter tödlicher Irrtum. Umgekehrt sind Pilze, die in der Nähe von rostigem Eisen, Schlangennestern oder Lumpen gedeihen, nicht zwangsläufig giftig! Am weitesten verbreitet und wohl bis heute leider immer noch nicht gänzlich vergessen ist folgende Theorie: Gibt man zu einer Pilzmahlzeit während deren Zubereitung einen silbernen Löffel oder eine Zwiebel in den Topf, ließe sich zweifelsfrei erkennen, ob Giftpilze mit verarbeitet wurden. Ist dies nämlich der Fall, so verfärben sich beide Dinge schwarz. Bleiben Löffel und Zwiebel hell, wäre alles unbedenklich, glaubte man.

Diese „Regel“ ist nicht nur falsch, sondern auch lebensgefährlich. Unser giftigster Pilz – der Grüne Knollenblätterpilz – verfärbt weder Löffel noch Zwiebel. Auch finden sich an ihm nicht selten deutliche Fraßspuren. Alle diese vermeintlichen Weisheiten sind längst überholt und sollten dringend dahin verbannt werden, wohin sie gehören: Ins Reich der Fabeln. Schauen wir uns lieber die Vergiftungserscheinungen im Einzelnen an. Es sei noch darauf hingewiesen, dass hier die medizinischen Aspekte der Pilzvergiftungen erklärt werden. Eine Bestimmung der einzelnen Pilze ist nicht Gegenstand dieses Artikels und sollte durch spezialisierte Fachliteratur erfolgen.

Das Amatoxin-Syndrom

Das Amatoxin-Syndrom, seltener auch als Phalloides-Syndrom bezeichnet – stellt die mit Abstand schwerwiegendste Pilzvergiftung dar. Ausgelöst wird sie durch den hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz und seine nahen Verwandten, den Weißen und Kegelhütigen Knollenblätterpilz. Insbesondere der grüne Vertreter tritt teilweise massenhaft von Juni bis Oktober in Laubwäldern (v. a. Buchenwälder) auf. Kritisch ist die besonders hohe Verwechslungsgefahr mit einer Reihe essbarer Pilze – v. a. Täublinge und Champignons. Letztgenannte besitzen aber beispielsweise keine Knolle.

Die Knollenblätterpilze enthalten zwei verzögert wirkende Giftstoffe:

  1. Die weniger gefährlichen Phallotoxine.
  2. Die lebensgefährlichen Amatoxine.

Bereits wenige Stunden nach der Mahlzeit lösen die Phallotoxine typische Magen-Darm-Beschwerden, wie wässrigen Durchfall, kolikartige Bauchschmerzen und Übelkeit aus. Die erste Phase des Amatoxin-Syndroms wird somit als gastrointestinale Phase bezeichnet. Nach scheinbarer Besserung setzt im Extremfall über eine Woche später die verhängnisvolle Wirkung der Amatoxine ein. Sie greifen irreversibel die inneren Organe, insbesondere die Leber an. Gelbsucht, totales Nierenversagen und innere Blutungen sind nur einige der Symptome. Selbst mit modernsten medizinischen Methoden versterben bis zu 30 % der Patienten. Wer überlebt, ist oftmals lebenslang dialysepflichtig oder auf eine Spenderleber angewiesen. Die zweite, lebensgefährliche Phase der Vergiftung wird als hepatorenale Phase bezeichnet. Mehr zum Amatoxin-Syndrom finden Sie hier.



Das Orellana-Syndrom

Weniger bekannt, aber ebenfalls lebensbedrohlich ist diese Form der Pilzvergiftung. Die auslösenden Fruchtkörper nennen sich:

  • Spitzbuckliger Orangeschleierling
  • Orangefuchsiger Schleierling
  • Schleierlinge (Rauköpfe, Hautköpfe)

Gefürchtet ist die stark nierenschädigende Wirkung des Giftstoffes Orellanin – eine Art Kohlenwasserstoff. Besonders kritisch ist hier die extrem lange Latenzzeit, sie übersteigt sogar die des Grünen Knollenblätterpilzes. Frühestens drei Tage nach der Pilzmahlzeit kommt es zu Symptomen wie einem extremen und unstillbaren Durstgefühl, bedingt durch die beginnende Nierenschädigung. Der Vergiftete leidet außerdem unter Muskelschmerzen, Schüttelfrost, ständigen Harndrang und Magen-Darm-Beschwerden. Die stark nierentoxische Wirkung zeigt sich außerdem durch starke Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Es sind Fälle bekannt, in denen die ersten Symptome erst 14 Tage nach dem Verzehr auftraten!

Obwohl sich das Hauptgift durch UV-Strahlung zerstören lässt, ist der Verzehr der o. g. Pilze lebensgefährlich. Therapeutisch gilt es wie bei allen Pilzvergiftungen, den Körper möglichst schnell von den Toxinen zu befreien. Hierzu ist die Gabe von Aktivkohle hilfreich, ebenso wie eine mehrmals durchzuführende Hämoperfusion, eine Reinigung des Blutes von Giftstoffen. Je nach Schweregrad der Nierenschädigung kann der Patient lebenslang dialysepflichtig und auf eine Nierentransplantation angewiesen sein.


Das Gyromitra-Syndrom

Ursächlich für diese Vergiftung ist die Frühjahrslorchel, ein Pilz aus der Gruppe der Lorchelartigen. Sie erinnert stark an Morcheln, von denen die meisten als hervorragende Speisepilze anzusehen sind. Das Pilzgift Gyromitrin löst einerseits – ähnlich den Giften des Grünen Knollenblätterpilzes – Schäden an Leber und Niere aus. Andererseits wirkt es auch auf das Nervensystem. Gyromitrin hemmt im Körper das Pyridoxin (Vitamin B6). Dieses ist unter anderem für den Aufbau des wichtigsten hemmenden Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA) essentiell. Ein GABA-Mangel im Nervensystem führt zu einer permanenten Übererregung – direkte Folge sind starke Krampfanfälle, Tobsuchtsanfälle, eine ständige motorische Unruhe und eine Mydriasis (ständige Weitstellung der Pupille).

Pyridoxin spielt auch eine wichtige Rolle im Aminosäurestoffwechsel der Leber, daher kommt es auch hier zu starken Schädigungen, die sich insbesondere durch eine starke Gelbsucht sowie einer stark vergrößerten und verhärteten Leber zeigen. Die Patienten sind extrem abgeschlagen und können in ein Koma verfallen. Vor diesen schweren Folgen zeigt sich aber ca. sechs bis zwölf Stunden nach der Aufnahme eine ganze Reihe von Magen-Darm-Symptomen, ehe diese abklingen und die lebensgefährliche Phase beginnt. Eine weitere Parallele zur Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz.


Das Fliegenpilz- und Pantherpilz-Syndrom (Pantherina-Syndrom)

Kein Pilz steht derart Modell für Giftigkeit wie der Fliegenpilz. Mit seinem charakteristisch roten Hut mit den weißen Punkten kennt ihn wohl bereits jedes Kind. Dass es viel giftigere Vertreter gibt, soll nicht davon ablenken, dass auch der Genuss des Fliegenpilzes zu starken Vergiftungserscheinungen führen kann, wenngleich tödliche Ausgänge in der letzten Zeit nicht mehr publik wurden. Die im Folgenden beschriebene Vergiftungserscheinung betrifft hauptsächlich das Nervensystem. Neben dem Fliegenpilz und dem tödlich giftigen Pantherpilz vermag auch der Narzissengelbe Wulstling das Fliegenpilz-Syndrom hervorzurufen. Jahrzehnte lang vermutete die Wissenschaft Muskarin als hauptverantwortliches Gift, mittlerweile ist das Gegenteil bewiesen: Der Fliegenpilz enthält nur extrem geringe Mengen der Substanz, im Pantherpilz fehlt sie völlig.

Ende des 20. Jahrhunderts konnten Forscher schließlich die tatsächlichen Giftstoffe identifizieren: Ibotensäure und Muscimol. Dabei wandelt sich die schwach giftigere Ibotensäure (eine Art Aminosäure) nach Aufnahme in den Körper in das stark halluzinogene Muscimol um. Dieses besitzt eine starke Wirkung auf den Sympathikus des Vegetativen Nervensystems.

Mit einer Verzögerung von nur rund 30 Minuten nach dem Verzehr treten zumeist folgende Symptome auf:

  • Herzrasen
  • Bluthochdruck
  • Austrocknung der Schleimhäute
  • Rausch
  • Euphorie
  • Depression
  • Tobsuchtsanfälle
  • Sinnestäuschungen
  • Sprachstörungen
  • Motorische Unruhe
  • Weinkrämpfe

Im Anschluss daran verfällt der Patient in einen tiefen, komaähnlichen Schlaf. Auffallend am Fliegenpilz-Syndrom ist das zumeist völlige Fehlen von Magen-Darm-Beschwerden. Die Symptome einer Vergiftung mit dem Pantherpilz sind weitestgehend gleich, allerdings um ein Vielfaches schwerer. Tödliche Ausgänge sind hier keine Seltenheit, zumeist versterben die Patienten an einem Atemstillstand.

Übrigens geht der Name des Fliegenpilzes darauf zurück, dass in einigen Ländern Teile des Fruchtkörpers in gesüßte Milch gelegt werden, um damit Fliegen anzulocken. Die Insekten nehmen das Gemisch auf und sind infolgedessen betäubt oder versterben an der Giftwirkung.


Das Muskarin-Syndrom

Auch diese Pilzvergiftung richtet sich primär gegen das Nervensystem. Der wenig bekannte, aber unter Umständen tödliche Ziegelrote Rißpilz und einige seiner verwandten Arten sind für das Muskarin-Syndrom verantwortlich. Wie der Name bereits verrät, ist es in diesem Fall tatsächlich das Nervengift Muskarin, das die potenziell lebensbedrohliche Pilzvergiftung auslöst. In geringsten Mengen im Fliegenpilz entdeckt, kommt es im Ziegelroten Rißpilz in bis zu 380-facher Konzentration vor. Obwohl das Muskarin-Syndrom tödliche Folgen haben kann, ist die extrem kurze Latenzzeit prognostisch günstig. Die ersten Symptome treten bereits nach wenigen Minuten auf. Muskarin wirkt ebenfalls auf das Vegetative Nervensystem, allerdings auf den Parasympathikus. Hieraus ergeben sich Krankheitszeichen wie:

  • Langsamer Puls
  • Starkes Schwitzen
  • Pupillenverengung
  • Zittern
  • Panik
  • Atembeschwerden
  • Speichel- und Tränenfluss

Magen-Darm-Symptome sind ebenfalls zu beobachten, insbesondere starkes Erbrechen. Muskarin ähnelt strukturell dem natürlichen Neurotransmitter Acetylcholin. Folglich dockt es an dessen Rezeptoren an und entfaltet die entsprechenden Wirkungen. Im Gegensatz zum Botenstoff wird Muskarin aber nicht enzymatisch abgebaut und bewirkt somit eine Dauererregung des Parasympathikus. Bereits 50 – 100 g Frischmasse der auslösenden Fruchtkörper können tödlich sein.



Das Coprinus-Syndrom (Pilze und Alkohol)

Wenige Pilzvergiftungen sind derart kurios, wie das nun folgende Coprinus-Syndrom. Bestimmte Tintlingsarten (Falten- und Glimmertintling), einige Röhrlinge (Netzstieliger Hexen- und Ochsenröhrling) und der Keulenfüßige Ritterling gehören zu den Auslösern. Die einzig essbaren Vertreter hier sind allerdings die Tintlinge, daher kann der Rest vernachlässigt werden. Wird zu einer Pilzmahlzeit, kurz davor oder danach Alkohol getrunken, kommt es zu ungewöhnlichen Vergiftungserscheinungen: Neben einer starken Pupillenerweiterung färbt sich die Gesichtspartie und die Brust stark rot bis violett. Dabei bleiben Ohrläppchen und Nasenspitze oft weiß.

Parallel hierzu verspürt der Patient starkes Herzrasen und ein Hitzegefühl. Unter Umständen kommt es auch zu Kreislaufstörungen und Schweißausbrüchen. Nach einigen Stunden verschwinden die Symptome wieder. Sie kehren aber zurück, wenn innerhalb von drei Tagen nach der Mahlzeit erneut Alkohol getrunken wird. Auch wenn das Coprinus-Syndrom relativ harmlos ist, so sollte man – falls eine Tintlingsmahlzeit geplant ist – auch in den Tagen vorher konsequent auf Alkohol verzichten. Für diese merkwürdige Symptomatik verantwortlich ist der an sich harmlose Inhaltsstoff Coprin. Durch Erhitzen zerfällt das Molekül in Glutaminsäure und 1-Aminocyclopropanol. Letzteres reagiert mit dem im Kreislauf befindlichen Alkohol.


Das Paxillus-Syndrom (Vergiftung durch den Kahlen Krempling)

Bis in die 1990er Jahre hinein war dieses Thema unter Pilzexperten heiß diskutiert. Der Kahle Krempling war jahrhundertelang einer der beliebtesten Speisepilze überhaupt. Als „Speckpilz der Westfalen“ wurde er gerühmt – und er ist doch gefährlich. Dass er roh leicht giftig ist, war bekannt. Viele Pilze sind roh schwach giftig oder zumindest einmal unverträglich. Aber auch nach ausreichendem Erhitzen kam es immer wieder zu mysteriösen Todesfällen durch den Kahlen Krempling. Eine reine Unverträglichkeit schien Experten zu lapidar, also forschte man weiter. Und stieß auf ein Phänomen, das bis heute im Pilzreich einzigartig ist. Der Kahle Krempling besitzt keine Giftstoffe im herkömmlichen Sinne. Vielmehr löst er (oft nach wiederholtem Verzehr) eine Art Allergie aus.

Bislang nicht bekannte Inhaltstoffe der Fruchtkörper sorgen im menschlichen Blut für eine Antikörperproduktion. Anstatt jedoch Krankheitserreger zu bekämpfen, bilden die Antikörper Komplexe mit den Antigenen des Kahlen Kremplings. Besonders gefährlich: In diese Komplexe werden auch immer mehr rote Blutkörperchen einbezogen. Folge: Immer mehr Erythrozyten verklumpen und lösen sich schließlich auf. Es kommt zu einer ausgedehnten Hämolyse (Blutauflösung), die zu einer Anämie und Gelbsucht führt. Am Ende steht nicht selten der Tod. Weder in Westfalen noch in Osteuropa ist der Kahle Krempling heute auf Märkten zu finden.


Das Psilocybin-Syndrom

Experten sprechen von der „einzigen, bewusst herbeigeführten Pilzvergiftung“. Eine ganze Reihe von Fruchtkörpern, zusammengefasst unter der Bezeichnung „Psilocybinhaltige Pilze“, verursachen rauschartige Zustände, die denen von LSD gleichen. Die Symptome gehen von Enthemmung über Euphorie bis hin zur Depression.


Das Gastrointestinale Syndrom

Hierunter fällt die überwältigende Mehrheit unserer Giftpilze. Sie greifen weder die Inneren Organe noch das Nervensystem an, sondern lösen schlicht vielfältige Magen-Darm-Symptome aus. In den meisten Fällen treten die Beschwerden bereits kurz nach der Pilzmahlzeit auf, allerdings unterscheiden sich die einzelnen Pilze im Verlauf ihrer Vergiftung. Zwar gleichen sich die Krankheitszeichen, die Giftstoffe sind jedoch zwischen den zahllosen Pilzarten unterschiedlich. In der Regel kommt es zu:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Leibes- und Gliederschmerzen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Schweißausbrüchen

In der Regel bessert sich der Zustand nach einem oder mehreren Tagen und die Vergiftung bleibt ohne Folgen.



Rohe Pilze sind meist unverträglich

Die große Ausnahme bilden hier die Wiesen- bzw. Zuchtchampignons. Roh im Salat genossen, sind sie eine Selbstverständlichkeit. Die überwältigende Mehrheit der heimischen Pilze ist jedoch roh zumindest einmal unverträglich. Nicht wenige sind auch leicht giftig. Ausreichend erhitzt handelt es sich dann jedoch oftmals um vorzügliche Speisepilze. Auch welcher Teil vom Fruchtkörper essbar ist, unterscheidet sich stark. Während z. B. die Stiele vom Hallimasch leicht giftig und kaum verdaulich sind, gehören sie beim Steinpilz unbedingt mit in die Pfanne.


Sekundäre Pilzvergiftungen

Sekundäre Pilzvergiftungen entstehen, ohne dass dabei Giftpilze beteiligt sind. Vielmehr sind z. B. unsachgemäße Lagerung, Fäulnisprozesse und Schadstoffe die Gründe. Auch lösen manche Pilze Allergien aus, wie dies bei allen Lebensmitteln der Fall sein kann.

Hier eine Übersicht über die verschiedenen Arten einer sekundären Pilzvergiftung:

  • Ähnlich wie Fleisch und Fisch enthalten Pilze viel Eiweiß und neigen daher bei bestimmten Bedingungen zu schneller Zersetzung. Bei dem Fäulnisprozess werden chemische Verbindungen freigesetzt, die schwer gesundheitsschädlich und im Extremfall sogar tödlich sein können. Daher sollte der Pilzsammler darauf achten, keine zerfressenen, madigen, schimmligen oder mit Wasser durchtränkten Pilze zu sammeln. Auch sollten keine Exemplare verwendet werden, die nach einer frostigen Nacht wieder aufgetaut sind. Besonders einige Röhrlingsarten werden besonders oft vom sog. Goldschimmel befallen, der das proteinhaltige Pilzgewebe zersetzt und somit giftig für den Menschen ist. Besondere Aufmerksamkeit sollte auch dem Transport der Pilze gewidmet werden. In Pilzsammlerkreisen gilt es zu recht als absolutes „No-Go“, Plastiktüten für den Pilztransport zu verwenden. Die Fruchtkörper bekommen keinerlei Luft und beginnen sich bereits bei der Heimfahrt zu zersetzen! Einzig geeignetes Transportmittel ist ein luftdurchlässiger Korb. Auch sollten Pilze nicht zu lange gelagert werden. Nicht getrocknet oder eingefroren sollten sie spätestens am Folgetag verbraucht werden.
  • Eine mittlerweile kleinere Sorge ist die Belastung heimischer Pilze mit Radioaktivität. Dennoch: Besonders in Südost-Europa und sogar in Teilen Bayerns besitzen Pilze dank der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl eine immer noch zu große radioaktive Belastung. Dabei gibt es Unterschiede in der Fähigkeit zur Speicherung: Röhrlinge, besonderes der Maronenröhrling, speichern besonders viel radioaktives Cadmium. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät daher immer noch, nicht mehr als ein halbes Pfund Waldpilze in der Woche zu verzehren.
  • Besonders für Pilze, die auf Wiesen und Feldern gedeihen (z. B. der Wiesenchampignon) gilt: Vorsicht vor Pflanzenschutzmitteln! Besonders Herbizide und Insektizide vergiften nicht nur Unkraut und Schädlinge, sondern auch die Pilze. Der versierte Feinschmecker weiß: Pilze schmecken am besten, wenn sie nur gut gereinigt, aber nicht abgewaschen wurden. Ein Luxus, auf den zumindest bei Pilzen in o. g. Lebensräumen verzichtet werden sollte.
  • Wie alle Lebensmittel können auch Pilze zu allergischen Reaktionen führen. Grundsätzlich können alle Pilze zu Unverträglichkeitsreaktionen führen. Besonders prädestiniert ist hier aber einer der beliebtesten Speisepilze unserer Zeit: Der Hallimasch. In jedem Fall gilt bei einer Allergie: Diese Pilze müssen gemieden werden! Hautausschläge und im Extremfall ein anaphylaktischer Schock könnten sonst die Folge sein.



Verhalten bei einer Pilzvergiftung

Sie konnten in diesem Artikel erfahren, dass Pilzvergiftungen die unterschiedlichsten Symptome verursachen. Daher ist es nicht immer einfach, eine solche Vergiftung zu erkennen. Dennoch: Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte immer ein Arzt hinzugezogen werden. Passen die Krankheitszeichen zu einer besonders gefährlichen Pilzvergiftung, muss umgehend ein Notarzt verständigt werden. Gefährlich sind die Symptome, die erst spät nach der Mahlzeit auftreten.

Im Fall der Fälle und bis ein Arzt eingetroffen ist, gilt es, folgende Dinge zu beachten:

  1. Der Betroffene sollte möglichst versuchen, sich zu übergeben! So kann ein Teil der Giftstoffe schnell entfernt werden.
  2. Egal, was von der Pilzmahlzeit übrig ist: Es könnte dem Patienten das Leben retten: Idealerweise sind noch Reste der rohen Pilze vorhanden. Ansonsten helfen auch Putzreste oder sogar Erbrochenes: Dies ermöglicht dem Experten eine rasche Identifikation des Giftpilzes und somit kann schnellstmöglich die richtige Therapie eingeleitet werden.

 Hilfreich kann auch der Kontakt zu einer Giftnotruf- bzw. Giftinformationszentrale sein (siehe unten).


Die sicherste Prophylaxe gegen eine Pilzvergiftung ist und bleibt aber eine genaue Kenntnis der Fruchtkörper. Größe, Farbe, Lebensraum, etc. – das alles sollte der erfahrene Pilzsammler kennen. Denn obwohl die Furcht vor Pilzen nicht ganz unbegründet ist – mit genügend Hintergrundwissen kann der Gang durch den herbstlichen Wald eine Wohltat für Seele und Gaumen werden.

© medizin.de 2014 (Gunnar Römer)

 

Giftinformationszentralen in Deutschland

Berlin: 0 30 / 450 653 555

Bonn: 0 22 8 / 1 92 40

Erfurt: 0 36 1 / 73 0 730

Freiburg: 0 76 1 / 1 92 40

Göttingen: 0 55 1 / 1 92 40

Homburg/Saar: 0 68 41 / 1 92 40

Mainz: 0 61 31 / 1 92 40 oder 23 24 66

München: 0 89 / 1 92 40

Nürnberg: 0 91 1 / 39 82 451 oder 39 82 665