Potenzmittel nicht immer befriedigend

Die Zahl der Männer mit Erektionsproblemen nimmt zu

"Lediglich 56% der Männer kennen ihren Blutdruck, nur 31% den Cholesterin- und überhaupt nur 21% den Glukosewert", so Prof. Dr. Siegfried Meryn, Präsident der International Society for Men´s Health & Gender, bei einer Pressekonferenz anlässlich der Männergesundheitswoche in Wien.

Auf der Veranstaltung wurde ebenfalls berichtet, dass die Zahl der Männer mit Erektionsproblemen zunimmt.

Präparat Vorteil Nachteil Beurteilung der Wirksamkeit Alprostadil Zuverlässige Wirkung Schmerzen bei 10% der Anwender, muss gespritzt werden. Hohe Effektivität bei allen Formen der Impotenz, bis zu 80%. Apomorphin SL Einfache Anwendung, Auch bei Libidostörungen einsetzbar Dosisabhängiges Erbrechen (3 - 39%) Bis zu 60% bei psychischen Ursachen PGE1. Auch bei Penisprothesen geeignet Häufig Nebenwirkungen wie Schmerzen in Penis und der Harnröhre Bei 30 - 40% wirksam, besonders bei psychischen Ursachen oder leichten Durchblutungsstörungen Sildenafil und ähnliche Substanzen Gut dokumentierte Wirksamkeit Lebensgefährliche Wechselwirkungen mit Nitraten und Blutdrucksenkern In 84% bei psychischen, in 68% bei organischen Ursachen Yohimbin Lange Erfahrungen u.U. ausgeprägte Blutdrucksteigerung oder Überempfindlichkeit Bei organischer Ursache keine dokumentierte Wirkung, bei psychischer Ursache in 20 - 40% hilfreich Jeder zehnte Mann über 21 Jahre leidet an Impotenz, der so genannten erektilen Dysfunktion. Das starke Geschlecht neigt aber häufig dazu, das Problem unter der (Bett-) Decke zu verstecken. Nicht selten greifen Betroffene deshalb zu Medikamenten, die sie anonym aus dem Internet beziehen. Der Markt und das finanzielle Interesse der Hersteller sind groß.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn die Anzeigen und Versprechungen mehr durch Werbelyrik als durch wissenschaftliche Sachlichkeit gegenzeichnet sind.

Neue Erkenntnisse haben in den letzten Jahren zu erfolgreichen Behandlungsmethoden geführt. Bei der Erkrankung spielen zahlreiche körpereigene Botenstoffe ein Rolle. Das optimale Arzneimittel sollte in der Lage sein, einige Botenstoffe zu dämpfen und andere anzuregen, keine leichte Aufgabe. Deshalb ist das "ideale" Arzneimittel gegen Impotenz noch nicht entwickelt worden.

Die Ursachen für Impotenz sind vielfältig:

  • Störungen der Hormonproduktion oder -regelung
  • Diabetes
  • psychische Erkrankungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • oder einfach nur Stress

50% der Fälle sind organisch bedingt, Gefäßerkrankungen oder eine Störung des Blutflusses im Penis stehen im Vordergrund. Mit dem Ziel, die Durchblutung im Schwellkörper des Penis zu fördern, werden unterschiedliche Mittel angewendet.

Sildenafil : blaue Raute revolutioniert die Therapie

Der Wirkstoff von Viagra ®, das Sildenafil, wurde ursprünglich als Herzmedikament entwickelt, jedoch als solches wegen seiner unzureichenden Wirkung nie eingesetzt. Einen Siegeszug erlebt es jedoch als Mittel zur Behandlung der erektilen Dysfunktion. Das im Körper vorkommende Hormon Stickstoffmonoxyd, kurz NO, kommt am Herzen und in den Gefäßen vor. Es entspannt die Gefäße und der Schwellkörper kann sich bei entsprechender sexueller Erregung mit Blut füllen. Sildenafil hemmt den Abbau von NO und verstärkt so diesen Prozess. NO führt auch zu einer Erweiterung der großen Gefäße im Körper und senkt den Blutdruck. Besonders gefährlich ist die kombinierte Gabe mit Herzmedikamenten wie Nitroglycerin. Aktuelle Studien warnen davor, dass Sildenafil zu einem Schlaganfall der Augen führen kann.

Die Weiterentwicklung des Wirkstoffes führte zu Tadalafil (Cialis ®) und Vardenafil (Levitra ®). Dr. Frank Sommer, Privatdozent an der Universitätsklinik für Urologie in Köln verglich in einer aktuellen Studie alle drei Potenzmittel. Er verabreichte 400 Männern die drei Wirkstoffe und verglich deren Wirksamkeit. 90% der Männer entschieden sich für Vardenafil, weil sie damit die härteste Erektion bekamen. 86% der Männer sagten, es sei ihnen damit am leichtesten gefallen, eine Erektion zu bekommen. Die Ergebnisse waren unabhängig von der Dosierung. Das Mittel wirkt selektiver als sein Vorgänger. "Bereits 30.000 Männer in einer Studie untersucht" berichtete Ende Mai 2005 das "Deutsche Ärzteblatt". 98,3% waren mit dem Mittel zufrieden oder sehr zufrieden zitierte die Fachzeitschrift eine amerikanische Studie. Auch Viagra® & Co werden im Internet angeboten. Bequem bringt der Postbote das gewünschte Mittel diskret ins Haus, dazu billiger und ohne Rezept. Doch Vorsicht! Nicht immer ist an Wirkstoff das drin, was der Hersteller verspricht. Nicht selten haben Konsumenten für ein paar blaue Tabletten aus Milchzucker viel bezahlt. Abgesehen davon gibt es im Versandhandel keine Beratung.

SKAT und MUSE gegen Impotenz

Seit längerer Zeit wird das Prostaglandin Alprostadil bei Impotenz eingesetzt. Prostaglandine erfüllen im Körper die unterschiedlichsten Funktionen. In mehreren von einander unabhängigen Studien wurde die Wirksamkeit von Alprostadil an über 2.000 Männern mit Erektionsschwäche getestet. Das Prostaglandin führt zu einer Erschlaffung der glatten Penismuskulatur und steigert den Blutfluss.

In einer Studie mit 1.700 Patienten wurde der Wirkstoff per Autoinjektion in den Schwellkörper gespritzt. Bei 80% der Testpersonen kam es nach 5 bis 20 Minuten zu einer Erektion. Man bezeichnet dies als SKAT (Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie). Je größer die Dosis, desto langanhaltender die Erektion. Die Schwellung hielt zwischen 12 und 44 Minuten an.

In einer anderen Studie waren 87% der Männer und 86% der Frauen mit dem sexuellen Erlebnis zufrieden. Bei der Hälfte der Patienten traten leichte Schmerzen auf, jedoch nicht bei jeder Injektion. Nebenwirkungen wie Blutergüsse, Ödeme oder schmerzhafte Dauererektionen traten selten auf. Sich selber in den Schwellkörper zu spritzen, ist nicht jeder Manns Sache.

Interessant ist deshalb die Entwicklung eines "Minizäpfchens für die Harnröhre". Dieses als MUSE (Medicated Urethral System for Erection) bezeichnete System ist in Deutschland seit Mai 1999 zugelassen. Der Patient führt das etwa 3 cm lange Applikationsröhrchen nach dem Wasserlassen in die Harnröhre ein und drückt den Auslöseknopf. Die Substanz wird in die Harnröhre geschoben, der Applikator wird entfernt, und die Gelpille verbleibt am Wirkort. Die Anwendung nach dem Urinieren erleichtert sowohl das Einführen des Röhrchens als auch die Wirkstofffreisetzung. Bei zwei Drittel der Betroffenen trat die erwünschte Wirkung ein. Verglichen mit der Injektion traten Penisschmerzen und andere Nebenwirkungen seltener auf. Obwohl die Gelpille für den Mann Vorteile hinsichtlich der Anwenderfreundlichkeit bietet, ist diese Arzneiform nicht unkritisch zu betrachten. Bedenkt man, dass Prostaglandine auch zur Schwangerschaftsunterbrechung eingesetzt werden, kommt diesem Aspekt eine besondere Bedeutung zu.

Yohimbin : Potente Kraft aus der Rinde

Vor mehr als 100 Jahren wurde aus der Rinde des Baumes Coryanthe Yohimbe ein Wirkstoff gewonnen, der sich mit dem Attribut schmücken darf, der Vorgänger von Viagra ® zu sein. Der Baum wächst in den afrikanischen Regenwaldgebieten Kameruns. Sein Wirkstoff Yohimbin war bis dahin das weltweit am häufigsten verordnete Mittel gegen Impotenz. Die hohen Verordnungszahlen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wirksamkeit in zahlreichen Studien als gering eingestuft wurde. Lediglich bei psychischen Ursachen scheint das Arzneimittel in 20 bis 40 % der Fälle zu wirken.

Brechmittel als Stärkungsmittel

Es mag auf den ersten Blick befremdlich klingen, dass ein Brechmittel dem Mann und auch der Frau zu mehr Spaß beim Sex verhelfen soll. Der brechreizerregende Effekt von Apomorphin tritt jedoch in höherer Dosis und in Form einer Injektion auf. Apomorphin wirkt direkt im Gehirn, im sogenannten Dopaminsystem. Damit die Substanz wirkt, müssen das männliche Sexualhormon Testosteron und einige andere Stoffe im Körper vorhanden sein. Die Durchblutung in Penis, Klitoris und Vaginalwand wird gefördert. Die Tablette wird nicht geschluckt, sondern einfach unter die Zunge gelegt. Besonders, wenn die Impotenz psychische Ursachen hat oder der Mann einfach kein sexuelles Verlangen verspürt, wirkt das neue Mittel besonders gut. Auch bei organischen Ursachen sowie zur Anwendung bei Frauen ist das Mittel in Erprobung. Beim weiblichen Geschlecht soll das Mittel die Durchblutung im kleinen Becken und damit die Orgasmusfähigkeit steigern. Von Vorteil ist der rasche Wirkungseintritt, die Kombinierbarkeit mit Herzmedikamenten und die Möglichkeit, dass Mittel bis zu drei mal pro Tag anzuwenden. Die Laienpresse verlieh dem Arzneimittel schon den Namen "Wochenendpille".

Testosteron nicht immer hilfreich

5 bis10% aller Patienten mit Erektionsstörungen weisen als Mitursache einen erniedrigten Testosteronspiegel auf. Durch die Gabe von Testosteronkapseln oder durch Testosteron-Depotinjektionen kann eine Besserung erreicht werden. Auch testosteronhaltige Hormonpflaster stehen zur Verfügung. Sie werden auf Arm, Bein, Rücken oder Hodensack aufgeklebt und geben den Wirkstoff sehr gleichmäßig ab. Eine Wirkung ist von Testosteron nur dann zu erwarten, wenn das Hormon im Körper zu wenig vorkommt.

Was es sonst noch gibt

Um eines vorweg zu nehmen: Wundermittel gibt es nicht! Hände weg von ominösen Tropfen, Pillen oder Salben vom Versandhandel. Zäpfchen mit dem Wirkstoff Bamethan wirken oberflächlich durchblutungsfördernd. Bei Männern mit eingeschränkt funktionierender Erektion kann das Problem verstärkt werden, da nur intakte Gefäße erweitert werden. Die Nebenwirkungen reichen von Blutdrucksenkung bis Kopfschmerzen.

Salben mit durchblutungsfördernden Zusätzen verstärken zwar die Durchblutung des Penis, nicht aber seines Schwellkörpers. Dieser ist jedoch für die Erektion zuständig. Außerdem können die Penissalben Kondome durchlässig machen.

Der in der "spanischen Fliege" enthaltene Wirkstoff Cantharidin wird aus einem Käfer gewonnen und wirkt schon in geringen Dosen giftig auf innere Organe. Die in Deutschland verkauften Präparate zur Steigerung der Potenz bestehen aus homöopathischen Verdünnungen und sind daher unbedenklich. Eine Wirkung auf die Potenz ist nicht zu erwarten.

Oft werden auch Mischpräparate mit Ingwer, Pfeffer, Sellerieextrakt, Petersilienwurzel, Ginseng und weiteren Pflanzen angeboten. Schaden tun sie meist nicht, höchstens dem Geldbeutel des Anwenders. Leider bleibt meist die versprochene Wirkung aus.

Als mechanische Hilfen werden unter anderem Vakuumpumpen angeboten. Diese fördern die Durchblutung im gesamten Penis und sind dann sinnvoll, wenn der Patient auf sämtliche medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten nicht anspricht oder er eine Operation ablehnt. Nicht zu unterschätzen ist der Stellenwert einer Psychotherapie.

(Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie, Redaktion medizin.de)

© medizin.de 2006 (zuletzt aktualisiert 02/2009)

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