Potenzmittel: nicht immer befriedigend, manchmal gefährlichDas Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt vor den Potenzmitteln "Ceedra" und "PerfeX-men", die über das Internet vertrieben werden. Die Präparate werden als "rein pflanzliche Arzneimittel der traditionellen chinesischen Medizin" beworben. Die Mittel enthalten jedoch pure Chemie. Hersteller ist die Firma Naviti/Vitavaris mit Sitz in Warschau. Untersuchungen haben ergeben, dass die Präparate den verbotenen Wirkstoff Hydroxyacetildenafil enthielten. Keinesfalls dürften die Mittel in Verbindung mit blutdrucksenkenden Medikamenten genommen werden. Die Substanz ist mit Sildenafil (Viagra ®) verwandt, noch nicht zugelassen und befindet sich noch in klinischer Prüfung. Die Tatsache, dass Viagra & Co ganz oben auf der Liste der Arzneimittelfälschungen stehen und auch in Spam-Mails stets angeboten werden, zeigt das Interesse am Thema "erektile Dysfunktion". Nase dicht und es kann losgehen Jeder zehnte Mann über 21 Jahre leidet an Impotenz, der sog. erektilen Dysfunktion. Das starke Geschlecht neigt aber häufig dazu, das Problem unter der (Bett)Decke zu verstecken. Nicht selten greifen Betroffene deshalb zu Medikamenten, die sie anonym über das Internet beziehen. Der Markt und das finanzielle Interesse der Hersteller sind groß. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn die Anzeigen und Versprechungen mehr durch Werbelyrik als durch wissenschaftliche Sachlichkeit gegenzeichnet sind. Neue Erkenntnisse haben in den letzten Jahren zu erfolgreichen Behandlungsmethoden geführt. Bei der Erkrankung spielen zahlreiche körpereigene Botenstoffe eine Rolle. Das optimale Arzneimittel sollte in der Lage sein, einige Botenstoffe zu dämpfen und andere anzuregen, keine leichte Aufgabe. Deshalb ist das "ideale" Arzneimittel gegen Impotenz noch nicht entwickelt worden. Jeder Patient ist anders und hat andere Bedürfnisse und Vorstellungen von seiner Sexualität und seinem Potenzmittel. Viele Patienten finden beispielsweise die Schwellung der Nasenschleimhaut und eine damit verbundene Atembehinderung durch einige Potenzmittel als störend. Andere schätzen genau diesen Begleiteffekt. Er ist für sie ein Zeichen, dass die Wirkung eingesetzt hat und sie nun "ihren Mann stehen" können. Die Ursachen für Impotenz sind vielfältig: Störungen der Hormonproduktion oder -regelung, Diabetes, psychische Erkrankungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder einfach nur Stress. 50 Prozent der Fälle sind organisch bedingt, Gefäßerkrankungen oder eine Störung des Blutflusses im Penis stehen im Vordergrund. Mit dem Ziel, die Durchblutung im Schwellkörper des Penis zu fördern, werden unterschiedliche Mittel angewendet. Sildenafil – blaue Raute revolutioniert die Therapie Der Wirkstoff von Viagra ®, das Sildenafil, wurde ursprünglich als Herzmedikament entwickelt, jedoch als solches wegen seiner unzureichenden Wirkung nie eingesetzt. Einen Siegeszug erlebt es jedoch als Mittel zur Behandlung der erektilen Dysfunktion. Und nicht nur dafür. Das Arzneimittel wird auch bei anderen Erkrankungen, etwa einer bestimmten Form des Bluthochdrucks, wirkungsvoll eingesetzt. Sildenafil ist der erste Wirkstoff aus der Gruppe der so genannten Phosphodiesterasehemmer (PDE-Hemmer). Was für ein unschönes Wort für eine so schöne Anwendung. Die PDE ist ein Enzym das im Körper das gasförmige Hormon Stickstoffmonoxid (NO) abbaut. Wird das Enzym gehemmt, steigt der Anteil des NO an. Die Formel der Lust lautet: weniger PDE = mehr NO = mehr Potenz. NO entspannt die Gefäße und der Schwellkörper kann sich bei entsprechender sexueller Erregung mit Blut füllen. NO führt auch zu einer Erweiterung der großen Gefäße im Körper und senkt den Blutdruck. Besonders gefährlich ist die kombinierte Gabe mit Herzmedikamenten wie Nitroglycerin. Eine Studie des Urologen Jünemann zeigte, dass nach einer nervenschonenden Prostata-Op eine Dauertherapie mit niedrig dosiertem Sildenafil die erektile Funktion langfristig bessern. Grund ist offenbar eine bessere Sauerstoffversorgung des Schwellkörpers. Die Weiterentwicklung des Wirkstoffes führte zu Tadalafil (Cialis ®) und Vardenafil (Levitra ®). Dr. Frank Sommer, Privatdozent an der Universitätsklinik für Urologie in Köln verglich in einer aktuellen Studie alle drei Potenzmittel. Er verabreichte 400 Männern die drei Wirkstoffe und verglich deren Wirksamkeit. 90 Prozent der Männer entschieden sich für Vardenafil, weil sie damit die härteste Erektion bekamen. 86 Prozent der Männer sagten, es sei ihnen damit am leichtesten gefallen, eine Erektion zu bekommen. Die Ergebnisse waren unabhängig von der Dosierung. Das Mittel wirkt selektiver als sein Vorgänger. "Bereits 30.000 Männer in einer Studie untersucht" berichtete das DEUTSCHE ÄRZTEBLATT. 98,3 Prozent waren mit dem Mittel zufrieden oder sehr zufrieden zitierte die Fachzeitschrift eine amerikanische Studie. Da Tadalafil bis zu 36 Stunden wirken kann, wird von einer regelmäßigen täglichen Einnahme aus Sicherheitsgründen abgeraten. Für Sildenafil und Vardenafil besteht dieser Sicherheitshinweis nicht. Potenzmittel im Überblick
Nebenwirkungen
Plagiate ohne Potenzwirkung – Original jetzt noch sichererAuch Viagra® & Co werden im Internet angeboten. Bequem bringt der Postbote das gewünschte Mittel diskret ins Haus, dazu billiger und ohne Rezept. Doch Vorsicht! Nicht immer ist an Wirkstoff das drin, was der Hersteller verspricht. Nicht selten haben Konsumenten für ein paar blaue Tabletten aus Milchzucker viel bezahlt. Abgesehen davon gibt es im Versandhandel keine Beratung. Als erstes Pharmaunternehmen setzt der Arzneimittelhersteller bei Viagra®-Verpackungen jetzt auf die Colour-Shift-Ink-Technologie, eine Methode die bislang ausschließlich zur Fälschungssicherheit von Banknoten eingesetzt wurde. Das mit dieser Technologie abgebildete Hologramm des Pfizer-Logos auf der Vorderseite der Verpackung besteht aus drei komplexen Schichten, von denen zwei transparent sind, um Licht absorbieren zu können. Dadurch verändert sich – je nach Blickwinkel – die Darstellung des Logos. Zusätzlich zu den unterschiedlichen Hologrammen auf Verpackung und Blister, die die Echtheit des Produkts belegen, sind die Seitenlaschen der neuen Faltschachtel zugeklebt und mit dem Hinweis versehen, dass bereits geöffnete Schachteln nicht verwendet werden sollen. Für blinde und sehbehinderte Menschen wurden darüber hinaus die Dosierungsangaben, wie 50 oder 100 mg, in Braille-Schrift auf der Packung ergänzt. In Verbindung mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen ist die neue Verpackung ab sofort noch besser als Original zu erkennen. Das Medikament zählt zu den am häufigsten gefälschten Arzneimitteln in Europa. Aber nicht nur Viagra®-Tabletten werden gefälscht. So zog der Zoll im Jahr 2005 allein in Deutschland insgesamt etwa 530.000 gefälschte Tabletten und Kapseln aus dem Verkehr. 2006 waren es bundesweit bereits mehr als 1,5 Millionen sichergestellte Tabletten. Dies zeigt: Arzneimittelfälschungen sind schon lange keine Einzelfälle mehr – und das Geschäft mit gefährlichen Plagiaten wächst weiter.
Opiat für die PotenzGanz anders als die PDE wirkt Apomorphin (Uprima ®, Ixense ®). Es greift direkt im Gehirn im so genannten Dopaminsystem an. Damit die Substanz wirkt, müssen das männliche Sexualhormon Testosteron und einige andere Stoffe im Körper vorhanden sein. Die Durchblutung in Penis, Klitoris und Vaginalwand wird gefördert. Die Tablette wird einfach unter die Zunge gelegt. Besonders, wenn die Impotenz psychische Ursachen hat oder der Mann einfach kein sexuelles Verlangen verspürt, wirkt das neue Mittel besonders gut. Auch bei organischen Ursachen sowie zur Anwendung bei Frauen ist das Mittel in Erprobung. Beim weiblichen Geschlecht soll das Mittel die Durchblutung im kleinen Becken und damit die Orgasmusfähigkeit steigern. Von Vorteil ist der rasche Wirkungseintritt, die Kombinierbarkeit mit Herzmedikamenten und die Möglichkeit, das Mittel bis zu drei mal pro Tag anzuwenden. Dr. Michael Eisenmenger, Facharzt für Urologie und Vizepräsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen schreibt über Apomorphin: "Apomorphin bietet nicht nur Patienten mit Herz-Kreislauf-Risiko ein überzeugendes Sicherheitsprofil. Apomorphin ist eine altbekannte Substanz, die durch eine neue Galenik (Art der Anwendung) seit einem halben Jahr zur Behandlung leichter und mittelschwerer erektiler Dysfunktion (ED; Impotenz) zur Verfügung steht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Einnahme von Apomorphin SL - oft wurde das Medikament verschluckt statt "sublingual" (mindestens 10 Minuten unter der Zunge auflösen lassen und nicht schlucken) eingenommen. Zudem hat man gedacht, dass nur eine einzige Einnahme schon genügt um eine Wirkung zu erzielen. Untersuchungen zeigen uns aber, dass mindestes 4 Versuche notwendig sind - im Idealfall sechs Versuche – um eine sehr gute Erfolgsaussicht zu haben. 5 bis10 Prozent aller Patienten mit Erektionsstörungen weisen als Mitursache einen erniedrigten Testosteronspiegel auf. Durch die Gabe von Testosteronkapseln oder durch Testosteron-Depotinjektionen kann eine Besserung erreicht werden. Auch testosteronhaltige Hormonpflaster stehen zur Verfügung. Sie werden auf Arm, Bein, Rücken oder Hodensack aufgeklebt und geben den Wirkstoff sehr gleichmäßig ab. Eine Wirkung ist von Testosteron nur dann zu erwarten, wenn das Hormon im Körper zu wenig vorkommt. Auch Frauen profitieren von Testosteron. Nach einer Gebärmutterentfernung helfen Testosteronpflaster (Intrinsa ®) dabei, die Libido (wieder) zu steigern. Wundermittel gibt es nicht! Hände weg von ominösen Tropfen, Pillen oder Salben vom Versandhandel. Auch "pflanzliches Viagra" existiert nicht! Oft werden auch Mischpräparate mit Ingwer, Pfeffer, Sellerieextrakt, Petersilienwurzel, Ginseng und weiteren Pflanzen angeboten. Schaden tun sie meist nicht, höchstens dem Geldbeutel des Anwenders. Leider bleibt meist die versprochene Wirkung aus. Als mechanische Hilfen werden u.a. Vakuumpumpen angeboten. Diese fördern die Durchblutung im gesamten Penis und sind dann sinnvoll, wenn der Patient auf sämtliche medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten nicht anspricht oder er eine Operation ablehnt. Nicht zu unterschätzen ist der Stellenwert einer Psychotherapie.
Austern XXL Mit dem Potenzmittel Viagra gefütterte Austern sind nach Ansicht eines australischen Unternehmers die besten Lustförderer überhaupt. Der 59-jährige George May stellte seine ungewöhnliche Geschäftsidee vor. Den entscheidenden Einfall habe er gehabt, als er durch ein Dorf bei Sydney geschlendert sei, dessen Austernproduktion in der Krise war. Der Viagra-Hersteller Pfizer untersagte May, den Namen des Medikaments bei seinen Geschäften zu verwenden. (Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie) © medizin.de 2007 (zuletzt aktualisiert 02/2009) Quellen:
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