Arzneimittel ohne Nikotin und Nahrungsergänzungsmittel

Kräuterzigaretten

„Kräuteretten“ sind nikotinfreie "Zigaretten" mit niedrigem Teergehalt, die wie Zigaretten geraucht werden. Sie enthalten eine „Tabakimitation“, die es dem Raucher ermöglicht, sich Tabakzigaretten abzugewöhnen, ohne auf gewohnte Zeremonien des Rauchens abrupt zu verzichten. Die Dauer der Anwendung ist individuell fest zu legen. Im Allgemeinen wird eine Kur von 4 bis 6 Wochen empfohlen. Der Tabak- und Nikotinkonsum sollte schon in der ersten Woche entfallen.

Die Kräutermischung enthält: Haselnuß 63%, Papaya 24%, Eukalyptus 6,5%, Pfefferminze 6,5%. Der Rauch einer Kräuterrette enthält: Ø 0,0 mg Nikotin und Ø 3,0 mg Kondensat (Teer). 

Homöopathika

Auch die Homöopathie kann die Nikotinentwöhnung unterstützen. Ein entsprechendes Kombinationspräparat (Tabarel ®) enthält nicht fermentierten Virginischen Tabak (Nicotiana tabacum), Indianischen Tabak (Lobelia inflata) und Robinie (Robinia pseudoacacia).

Nicotiona tabacum mit seinem wichtigsten Inhaltsstoff Nikotin wirkt in nicht homöopathischen Dosen vor allem auf das vegetative und das Zentralnervensystem.

Dies führt dazu, dass sich die Gefäße verengen und der Herzschlag sich beschleunigt.

Homöopathische Verdünnungen des Arzneigrundstoffes werden bevorzugt bei Krampfzuständen am arteriellen Gefäßsystem, verbunden mit Schwindel und Übelkeit, bei Zerebralsklerose mit Gefäßspasmen sowie bei Angina pectoris vasomotorica eingesetzt. Als bevorzugte allgemeine Wirkrichtungen gelten das Magen-Darm-System und das arterielle Gefäßsystem. Besonders bewährt hat sich Nicotiana tabacum bei der Bekämpfung der gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens und des Einatmens von Tabakrauch. Es hilft in solchen Fällen gegen Übelkeit, Herzbeschwerden und Brennen der Augen. Für diese Anwendung sollten allerdings Potenzen nicht unter D12 gewählt.

Lobelia inflata verstärkt alle vegetativen Funktionen. Die Pflanze enthält eine Reihe chemisch nahe verwandter Alkaloide, allen voran den Hauptwirkstoff Lobelin, der eine große Ähnlichkeit zu Nikotin aufweist. Lobelin ruft eine Erregung des Atemzentrums hervor, es vertieft und vermehrt auf diese Weise die Atemzüge. In der Homöopathie wird Lobelia inflata eingesetzt vor allem bei den Leitsymptomen Übelkeit mit Erbrechen, Spasmen in Speiseröhre, Magen und Bronchien, begleitet von Aufstoßen, Übelkeit und Brechreiz. Besonders bewährt hat sich die klinische Anwendung bei Rauchern.

Im Homöopathikum Tabarell ist Lobelia inflata mit seinem Hauptwirkstoff Lobelin in der Potenz D30 enthalten. In homöopathischer Verdünnung wirkt die Rinde der Robinie (Robinia peseudocacia) entkrampfend und lindert Magen-Darm-Probleme wie Koliken, Blähungen oder Sodbrennen. Symptome, die auch und vor allem bei Rauchern häufig vorkommen, weil Nikotin für eine Drosselung der Magendurchblutung verantwortlich ist.

Nico Bloxx (Kudzu Kapseln)

Kudzu wird in asiatischen Ländern wie China und Korea seit langem als natürliches Mittel verwendet. Es besteht eine enge Verwandtschaft zu unseren heimischen Bohnengewächsen.

Kudzu enthält die Isoflavonoide Daidzin und Daidzein. Die Inhaltsstoffe sollen das Verlangen nach Zigaretten stark einschränken. Wenn der Raucher aufgehört hat, werden die Nikotinrezeptoren durch Nikotin nicht mehr belegt und es können Entzugserscheinungen wie Unruhe, Reizbarkeit und gesteigertes Verlangen nach Nikotin auf. Die Kudzu-Inhaltsstoffe lagern sich an die Rezeptoren und verhindern das Entstehen von Unruhe und Reizbarkeit.

Arzneimittel, die das Suchtverhalten beeinflussen

Arzneimittel ohne Nikotin sind Bupropion und Vareniclin. Beide sind rezeptpflichtig.

Bupropion (Zyban ®)

Das erste nikotinfreie Arzneimittel zur Raucherentwöhnung ist Bupropion. Der Wirkmechanismus ist nicht eindeutig geklärt. Hypothetisch steigert der als Tablette eingenommene Wirkstoff die Konzentration von Dopamin und Noradrenalin. Der selektive Katecholamin-Wiederaufnahmehemmer greift in den cerebralen Zentren an, in denen auch Nikotin wirkt.

Von seiner Grundstruktur ist Bupropion ein Psychopharmakon. Seit April 2007 wurde es in Deutschland als Antidepressivum zugelassen. Es wird auch bei Libidostörungen bei Frauen angewendet.

Zur Effizienz liegen unterschiedliche, teils kontroverse Studien vor. Eine Kurzzeitstudie von Jorenby et al., die placebokontrolliert unter starken Rauchern durchgeführt wurde, lieferte auf den ersten Blick vielversprechende Ergebnisse. Die Probanden erhielten entweder Placebo, Bupropion, Nikotinpflaster oder eine Kombination aus Nicotinpflaster und Bupropion. Die Abstinenzrate war nach 12 Monaten in der Bupropion-Gruppe doppelt so hoch wie in der Placebo-Fraktion, 15,6% vs. 30,3%. Dieses Ergebnis verleitet zu dem Schluss, dass "der Stein der Weisen" gefunden wurde. Bei dem Ergebnis wird jedoch nicht berücksichtigt, dass von den 893 Studienteilnehmern 311 den Versuch abbrachen. Die Meisten, die dies mit Nebenwirkungen der Therapie begründeten, befanden sich mit großem Abstand in der Bupropion-Gruppe. Die Rate war fast doppelt so hoch wie die Abbrüche in der Nicotinpflastergruppe. Insgesamt traten drei schwere anaphylaktische Reaktionen auf, die auf die Einnahme von Bupropion zurückzuführen waren.

In einer Langzeitstudie von Blondal et al erhielten die Entzugswilligen die "Anti-Raucher-Pille" oder Nicotin als TTS oder Nasenspray. Nach einem Jahr waren die Abstinenzraten gleich, die Rate der Nebenwirkungen jedoch höher in der Bupropiongruppe. Es gibt Hinweise darauf, dass Bupropion dem Vareniclin unterlegen ist, das ist das Ergebnis einer Studie von Cahill et al.

Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Mundtrockenheit wurden am häufigsten als unterwünschte Wirkungen genannt. Seltener traten Konzentrationsstörungen, Alpträume, Obstipation und Blutdrucksteigerung auf. In höheren Dosen können cerebrale Krampfanfälle auftreten, weshalb das Präparat bei Epileptikern kontraindiziert ist. Auch Alkoholkranke und Anorektiker dürfen es nicht nehmen. In der Literatur ist ein Fall von schwerer Serumkrankheit mit Delirium, Fieber und Myalgie dokumentiert. Auch über das Auftreten von Psychosen und eine kardiotoxische Wirkung bei Überdosierung wird berichtet. Allein in Großbritannien gingen 5000 Meldungen zu Nebenwirkungen ein: gehäufte Krampfanfälle, Schwindel, Angst, Depression. Mehr als 40 Menschen starben sogar.

Der Einsatz von Anxiolytika und Antidepressiva zur Raucherentwöhnung ist nicht unumstritten. Eine Untersuchung von Hughes et al sprach einigen Anxiolytika die Wirkung gänzlich ab. Die Entwöhnung schwerer Raucher mit Bupropion ist sicherlich ein Ansatz. Es bleiben jedoch noch viele offene Fragen, deren Antworten für eine entgültige Beurteilung wichtig sind. Sehr schwer abzuschätzen ist auch das Nutzen-Risiko-Verhältnis. Betrachtet man die mögliche schlimmste Nebenwirkung des Rauchens, den Tod durch Gefäß- oder Lungenkrankheiten, sind die unerwünschten Nebenwirkungen relativierbar. Bedenken sollte man aber, dass nicht jeder Raucher an seinem "vollendeten Genuss" verendet.

Vareniclin (Champix ®)

Seit März 2007 ist eine neue Substanz in Apotheken gegen Rezept erhältlich: Vareniclin (Champix ®). Der Wirkmechanismus ist deutlich komplexer als beim Mitbewerber.

• Der Wirkstoff häftet sich mit großer Kraft an den alpha4-beta2-Subtyp des nikotinischen Acetylcholinrezeptors.

• Er stimuliert jedoch nur teilweise die Ausschüttung von Dopamin (partieller Agonismus).

• Diese vergleichsweise geringe Freisetzung des Belohnungsstoffes Dopamin reicht aus, das Nikotinverlangen und die Entzugssymptome zu vermindern.

• Da der Rezeptor jetzt durch Vareniclin belegt ist, kann Nikotin nicht mehr andocken.

• Der Raucher verspürt beim Rauchen einer Zigarette keinen Genuß mehr. Gemein aber wirksam.

Dieser duale Wirkmechanismus erleichtert erheblich die Entwöhnung und senkt das Rückfallrisiko.

In einer Studie wurde die Wirkung an insgesamt 1025 erwachsenen Rauchern untersucht (JAMA 296 (2006) 56-63). Je nach Gruppe erhielten die Teilnehmer über einen Zeitraum von zwölf Wochen entweder Vareniclin in Dosierungen bis zu 1 mg zweimal täglich, Bupropion (150 mg zweimal täglich) oder Placebo. Alle Probanden nahmen wöchentlich an Beratungen zur Tabakentwöhnung teil. Endpunkt war die Rate an Nikotinabstinenz während der letzten vier Behandlungswochen, nach 9 bis 24 Wochen und nach 9 bis 52 Wochen. Zu allen drei Zeitpunkten war Vareniclin Placebo signifikant überlegen, was bei Bupropion nur beim ersten Vergleich der Fall war. So betrug die Abstinenzrate nach neun bis zwölf Wochen unter Vareniclin 43,9 Prozent, unter Bupropion 29,8 Prozent und unter Placebo 17,6 Prozent. Nach 9 bis 24 Wochen waren noch 29,7 Prozent (Vareniclin), unter Bupropion 20,2 Prozent und unter Placebo 13,2 Prozent weiterhin abstinent. Betrachtet man den Zeitraum bis 52 Wochen, so lag die Abstinenzrate unter Vareniclin bei 23 Prozent, unter Bupropion bei 14,6 Prozent und unter Placebo bei 10,3 Prozent.

Die Rate an Therapieabbrüchen lag in der Vareniclin-Gruppe bei 10,5 Prozent, in der Bupropion-Gruppe bei 12,6 Prozent und im Placebo-Arm bei 7,3 Prozent.

Die Cochrane Collaboration aus Oxfort hat aktuell eine Reihe neuer Bewertungen vorgelegt, darunter eine sehr positive Einschätzung zu Vareniclin und Bupropion zur Raucherentwöhnung. Die Gruppe um Kate Cahill von der Oxford Universität, welche die Daten für die Cochrane-Collaboration ausgewertet hat, schließt sich weitgehend dem Urteil der Europäischen Zulassungsbehörde EMEA an. Sie errechnet sogar gegenüber Placebo 3-fach höhere Chancen für den Raucher, mithilfe des Medikaments dauerhaft vom Tabakkonsum loszukommen. Dies soll den Raucher um den Faktor 1,5 besser gelingen als unter einer Therapie mit Bupropion, berichtet das Deutsche Ärzteblatt in seiner Ausgabe vom 25. Januar 2007.

Unterstützende Maßnahmen und Tipps

Autogenes Training, Muskelentspannung, Akupunktur, Tees; die Liste der unterstützenden Maßnahmen, Tipps und Verhaltenstrainings ist lang.

Akupunktur

Bei dem bewährten chinesischen Verfahren sticht der Akupunkteur in der Regel drei Nadeln in die "Suchtpunkte" des Ohrs. Dort verbleiben sie eine Zeit lang. Sie sollen beim Raucher die Gier nach der Zigarette dämpfen und zugleich die Entzugserscheinungen mildern. In den meisten Fällen wird die Prozedur mehrmals wiederholt. Die Erfolgsquote ist äußerst individuell.

Traubenzucker

Nach einer Studie britischer Mediziner kann Traubenzucker bei Rauchern Entzugserscheinungen mindern. Sinkt der Nikotinspiegel, steigt der Bedarf an Kohlenhydraten. Traubenzucker kann dieses oft fatale Verlangen - Folge: starke Gewichtszunahme - stoppen. Empfohlen wird, etwa zwölf Gramm Traubenzucker mit Wasser einzunehmen.

Zinnkrauttee

In der Volksmedizin gilt der Tee aus Ackerschachtelhalm (Zinnkraut) als wahrer Balsam für die Lunge. Pro Tasse drei Teelöffel Kraut mit kaltem (!) Wasser anrühren, anschließend eine Minute kochen und ebenso lang ziehen lassen. Über drei Wochen täglich drei Tassen trinken. Da der Schachtelhalm geringe Mengen an Nikotin enthält, kann dadurch möglicherweise auch das Verlangen nach einer Zigarette unterdrückt werden.

Kalmuswurzel

Kalmus ist zwar in erster Linie ein sinnvolles Mittel bei Störungen des Verdauungsapparates, durch das Zerkauen von Stücken der Kalmuswurzel können die Bitterstoffe der Pflanze jedoch auch den Zigarettengenuss regelrecht verübeln.

 

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Teil 1: Raucherentwöhnung

Teil 2: Arzneimittel zur Raucherentwöhnung mit Nikotin

Teil 3: Raucherentwöhnung mit Nahrungsergänzungsmitteln

Teil 4: Tipps für künftige Ex-Raucher

Teil 5: Selbsttest zur Nikotinabhängigkeit

 

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