Ringelröteln (Erythema infectiosum): Gefahr in der Schwangerschaft

Ringelröteln (Erythema infectiosum)

Die Ringelröteln werden zwar zu den Kinderkrankheiten gezählt, Erwachsene erkranken allerdings ebenfalls. Im englischen Sprachraum ist immer noch die Bezeichnung Fünfte (Kinder-) Krankheit (Fifth Disease) üblich, gemeint sind solche mit Hautausschlag. Diese Benennung ist allerdings unlogisch und falsch, da Erythema infectiosum keineswegs in dieser Reihenfolge nach Masern, Scharlach, Röteln und der nach heutigem Wissen keine eigene Krankheit darstellenden Rubeola scarlatina (nicht zu verwechseln mit Rubeaola gleich Röteln und Scarlatina gleich Scharlach) vorkommt. In dieser Liste fehlen die Windpocken.

Erreger und Beschwerden

Erst um ca. 1982 konnte der Erreger der Ringelröteln identifiziert werden. Es handelt sich um das bisher kleinste krankmachende Virus für den Menschen überhaupt, das Parvovirus B19. Es wird nur von Mensch zu Mensch (Tröpfcheninfektion) übertragen.

Das Virus ist nicht mit dem Erreger der Röteln verwandt, auch die Beschwerden sind anders.

Bei den weit überwiegenden Menschen treten gar keine auf, die Infektion verläuft stumm; zwei von drei Erwachsenen haben sie irgendwann durchgemacht (meist ohne sie zu bemerken).

Ungefähr jedes zehnte Kind bis zum sechsten Lebensjahr erkrankt, die weit überwiegende Zahl wie beschrieben ohne jede Beschwerden oder mit leicht grippeähnlichen Symptomen. Der typische Hautausschlag wird höchstens bei 10 bis 20 % der Kinder gesehen. Das bedeutet, nur ungefähr eins oder zwei von hundert Kindern unter sechs Jahren zeigt die eigentlich namengebenden Ringelröteln. Sie beginnen mit großen roten Flecken im Gesicht, die bald zu einer Fläche zusammenfließen, der Mund bleibt frei (Schmetterlingserythem). Einige Tage später treten am Rumpf und an Armen und Beinen innen blasse rote Flecken auf, die Ringel. Die Kinder fühlen sich wenig krank.

Bei immunsuprimierten Patienten und aus unbekannten Gründen auch selten bei sonst Gesunden kann es zu schwereren Verläufen und Komplikationen kommen: Gelenkschmerzen und leichte -entzündungen (Polyarthralgien bzw. Polyarthritis) und zu Störungen in der Blutbildung (aplastische Krise).

Schwangerschaft

Infiziert sich die Mutter während der Schwangerschaft, ist der Embryo bzw. der Fetus gefährdet. In ca. jedem dritten Fall übertritt das Virus die Plazentaschranke und schädigt die blutbildenden Zellen des Kindes. Eine Fehl- bzw. Totgeburt (Abort, in Deutschland jedes Jahr ca. 450 Fälle)) folgt in etwa 10 % dieser Infektion, also bei ca. 3 % der Schwangeren mit frischer Infektion.

Maßnahmen

Eine Impfung gegen das Parvovirus B19 ist nicht bekannt, die Behandlung erfolgt symptomatisch. Es müssen keine besonderen Maßnahmen ergriffen werden, wenn die Ringelröteln in Kindergarten oder Schule umgehen. Die zeitweise Empfehlung, das Kind mit Immunglobulinen zu schützen, konnte sich wegen Erfolglosigkeit nicht durchsetzen. Die Meidung des Kontakts von Kindern mit frischem Hautausschlag bringt wenig, da sich die anderen meist schon vorher angesteckt haben.

(Dr. Berthold Gehrke) © 2007 medizin.de (zuletzt aktualisiert 02/2009)