Rosacea: Das Gesicht blüht

Rosacea

Konsequente Behandlung hilft bei dieser Hauterkrankung

Hauterkrankungen im Gesicht sind für jeden sichtbar. Und deshalb schlagen "Unregelmäßigkeiten" der Gesichtshaut den Betroffenen nicht selten aufs Gemüt. Sind sie doch gegen alle Erfahrung davon überzeugt, jeder, der ihnen begegnen, starre auf die Flecken und Rötungen. Besonders zwei Erkrankungen beeinträchtigen das Lebensgefühl, da sie im Gesicht blühen: die Akne und die Rosacea. Bei der Akne trösten sich die meist jüngeren Leute damit, dass sich das Bild mit der Zeit bessern wird; außerdem sind sehr viele betroffen und damit ist der Leidensdruck etwas geringer. Die Rosacea ist aus anderem Holz geschnitzt. Sie beginnt erst später, frühestens ab dem 30. Lebensjahr, der Erkrankungsgipfel liegt sogar erst in den vierziger Jahren.

Was ist Rosacea

Rosacea bedeutet wörtlich übersetzt "kleine Rosenblüten", korrekt wird es mit der Betonung auf dem ersten a ausgesprochen. Das deutsche Wort für das Krankheitsbild lautet Rosenfinne oder Kupferfinne, betroffen zu sein scheinen etwas mehr Frauen als Männer. Die ersten Vorboten bestehen in einer leichten Rötung der Wangen einschließlich der Nasenflügel, die Stirn und das Kinn bleiben vorerst frei. Kennzeichnend für die Rosacea ist, dass fast immer beide Gesichtshälften betroffen sind, meist sogar auffallend symmetrisch.

Beschwerden im eigentlichen Sinne macht die Rosenfinne nicht, manchmal wird von leichtem Juckreiz oder Spannungsgefühl berichtet. Im weiteren Verlauf "verdichtet" sich die Hautreizung und wird langsam zu kleinen Entzündungen, Eiterbläschen und Pusteln. Die Flecken fließen zusammen, es bildet sich ein flächenhafte Rötung, die dann auch auf Stirn und Kinn übergreifen kann. Manchmal kommt es zu Entzündungen des Augenlidrandes und der Bindehaut, extrem selten sogar zum Befall der Hornhaut.

Typischerweise verläuft der Wechsel zwischen starkem pusteligen Befall und eher leichter unreiner Haut in Schüben. Allerdings führen die phasenweise auftretenden Entzündungen der Talgdrüsen zu einer sichtbaren Vermehrung des Bindegewebes, die als gelbe oder leicht rötliche Knötchen sichtbar sind. Ohne Behandlung ist irgendwann der Zeitpunkt gekommen, an dem sie nicht mehr zu beeinflussen sind. Besonders unangenehm ist der chronische Befall der Talgdrüsen der Nase. Es kann sich, fast nur bei Männern, ein so genanntes Rhinophym bilden. Diese "Knollennase" wird unschön auch als "Säufernase" bezeichnet, obschon der Alkohol nicht die entscheidende Rolle spielt.

Ursachen

Die genauen Ursachen für das Entstehen einer Rosacea liegen noch im Dunkeln. Vermutet werden eine Neigung zu verstärkter Hautdurchblutung, gefolgt von einer Weitstellung der kleinen Äderchen im Gesicht. Die Entstehung dieser Teleangiektasien ? im Volksmund auch geplatzte Äderchen genannt ? fördern auch äußere Faktoren wie ein abrupter Temperaturwechsel von heiß nach kalt und umgekehrt sowie allzu scharfe Speisen. Die meisten Menschen verkraften diese Faktoren ohne sichtbare Folgen, bei denen, die zur Rosacea neigen, beginnt dann irgendwann das Problem. Rosacea ist keine Erbkrankheit, obschon der dazu neigende Hauttyp natürlich von den Eltern übernommen wird. Ansteckend ist die Rosacea auch bei intimen Berührungen nicht. Die beteiligten eitererregenden Bakterien sind sowieso überall zu Hause und niemand kann sich davor schützen. Zusammenhänge Betroffene und Ärzte berichten übereinstimmend von bestimmten Triggerfaktoren, die einen Schub auslösen und/ oder das Hautbild verschlechtern.

Einer der wichtigsten Einflüsse besteht in übermäßigem Stress, aber auch Klimaanlagen, trockene Heizungs-Luft oder Kosmetika tragen ihr Scherflein bei. Übermäßiger Alkoholgenuss mag subjektiv das Hautgefühl beeinträchtigen, scheint aber kein harter Faktor zu sein. Gerade Frauen neigen erfahrungsgemäß dazu, die auffallenden Rötungen mit entsprechender Kosmetik abzudecken. Leider scheint dies allzu oft den Schub noch zu verstärken. In den einschlägigen Quellen wird immer wieder ein Zusammenhang zwischen der Rosacea und Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes vermutet oder sogar behauptet. Tatsächlich lohnt sich schon aus Gründen der Vorsicht immer eine Kontrolle wichtiger Organe, auch wenn sich ein Zusammenhang statistisch nicht beweisen lässt. Liegen vielleicht unbehandelte und bisher unbemerkte Magengeschwüre vor? Haben sich in der Magenschleimhaut Helicobacter-pylori-Bakterien eingenistet und verursachen eine chronische Gastritis? Eventuell können sogar Gallensteine bis auf die Gesichtshaut wirken.

Behandlung - Stufentherapie

Obschon die Rosacea nicht wehtut und nicht ansteckend ist, wollen die meisten Betroffenen sie so schnell wie möglich los werden. Das ist selbstverständlich, weil es einfach nicht gut aussieht und das Selbstwertgefühl belastet. Der kompetente Ansprechpartner ist ein Hautarzt, der sich die notwendige Zeit nimmt. Zu Beginn steht die korrekte Diagnose, auf gut deutsch: Das Krankheitsbild muss als Rosacea erkannt werden. Wenngleich das Vollbild auch von Laien richtig zugeordnet wird, gibt es Verwechslungsmöglichkeiten. So kann eine Akne in bestimmten Stadien ähnlich aussehen, das gleiche gilt für die Demodex-Follikulitis, eine durch Milben hervorgerufene Entzündung der Talgdrüsen.

Auch ein "Lupus erythematodes" und noch andere eher seltene Hauterkrankungen bedingen ähnliche Hautbilder. Gleich zu Anfang der Behandlung muss man sich darüber klar sein, dass die Rosacea nicht von heute auf morgen verschwindet. Zum Erreichen guter Erfolge ist Geduld notwendig - und die Veränderung eingeschliffener Lebensgewohnheiten. Selbst wenn sie dann hoffentlich unsichtbar geworden ist, den zu Rosacea neigenden Hauttyp behält der Mensch sein Leben lang. Beim Zusammentreffen der geeigneten Triggerfaktoren kann auch nach jahrelanger Pause die Rosacea zurückkehren und das ganze Spiel beginnt von neuem. Die Hauterscheinungen sind insgesamt sehr gut beeinflussbar. Das Repertoire reicht über äußerliche Maßnahmen wie das Auftragen von Cremes oder Gels, über die Einnahme von Medikamenten bis hin zur operativen Therapie zum Beispiel der Knollennase.

Was kann man selbst tun?

Es beginnt mit der täglichen Hautpflege: nicht kräftig Reiben, vorsichtiges Abtupfen. Nur parfümfreie, milde Reinigungspräparate statt Seife verwenden und auf Salben ganz verzichten. Das Vermeiden von starken Temperaturschwankungen gehört ebenso dazu (im Winter Kälteschutzcreme verwenden) wie der Verzicht auf lange Sonnenbäder (geeignete Sonnenmilch). Das Weglassen von heißen und scharfe Speisen und von solchen, auf denen eine Verschlechterung bei sich selbst beobachtet wurde, ist selbstverständlich. Das Reduzieren von Alkohol und Tabak nützt nicht nur der Gesichtshaut.

Wirkstoff-Cremes

Diese begleitenden Maßnahmen werden bei Bedarf unterstützt durch wirkstoffhaltige Cremes und Gels. Der Standardwirkstoff ist Metronidazol gefolgt von Erythromycin; beide gibt es als Antibiotika nur auf Rezept. Neben den fertigen Präparaten im Handel rezeptieren viele Hautärzte individuell eine Mischung, die die Apotheke zusammenrührt. Kortisonhaltige Mittel sind bei der Rosacea nicht nur unnütz, sondern sogar schädlich. Insbesondere muss vor der Anwendung der rezeptfreien Kortison-Präparate aus der Apotheke gewarnt werden: Nach kurzfristiger Besserung wird es schnell umso schlimmer und dann noch schwieriger zu behandeln. Die Cremes werden großflächig aufgetragen, dünn am besten über Nacht.

Medikamente: Tabletten

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sollte nicht zu lange mir der konsequenten Einnahme von Tabletten gewartet werden. So hat sich der Wirkstoff Minocyclin, ebenfalls ein Antibiotikum aus der Familie der Tetracycline, über sechs Wochen genommen, als sehr effektiv und nebenwirkungsarm erwiesen. Es wirkt besonders auf die Talgdrüsen, die ja eine besondere Rolle bei der Entstehung und Unterhaltung der Rosacea spielen. Nur in sehr schweren Fällen, bei denen alle bisher erwähnten Versuche nicht weiterbringen, sollte die Einnahme von Isotretinoin erwägt werden. Es ist chemisch mit Vitamin A verwandt und reguliert die Talgproduktion und Verhornung. Isotretinoin wird auch bei schwerer Akne eingesetzt und hat teilweise massive Nebenwirkungen. So trocknen die Schleimhäute aus, der Tränenfluss schwindet und vor allem wirkt es fruchtschädigend (teratogen), d.h., falls Mütter es während der Schwangerschaft nehmen, wird das Kind missgebildet. Deshalb muss eine absolut sichere Verhütung gewährleistet sein.
Die Knollennase als Extremvariante der Rosacea bei Männern kann gut operativ angegangen werde. Dabei wird die obere Hautschicht der Nase "abgefräst". Das hört sich zwar unangenehm an, hat aber in der Klinik sehr gute Ergebnisse gezeigt.

Fazit

Die Rosacea ist eine langwierige Hauterkrankung des Gesichts ab dem 30. Lebensjahr und später. Der Betroffene kann durch geeignete Hautpflege und Vermeidung bestimmter Faktoren viel selbst zur Linderung beitragen. Bei Bedarf stehen sehr effektive Cremes und auch Tabletten zur Verfügung. Wichtig ist die konsequente Therapie über einen längeren Zeitraum in Absprache mit einem Hautarzt.

(Dr. med. Dipl. Inf. Berthold Gehrke, Redaktion medizin.de) © medizin.de 2006 (zuletzt aktualisiert 02/2009)

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