Rote Beete statt Blutdrucktablette?

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Sie besitzen einen leicht erdig bis säuerlichen Geschmack und sind bei Weitem nicht jedermanns Sache. Doch Rote Beete besitzen bereits seit vielen Jahrhunderten einen ausgezeichneten Ruf hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe. Neben den früher vielfach genutzten Farbstoffen sind sie reich an Folsäure, Kalium, Eisen und Vitamin B. Besonders ihr hoher Anteil an Nitraten sorgt aber aktuell für großes Interesse in der medizinischen Forschung. Dieser Inhaltsstoff verleiht der Roten Beete eine durchaus beeindruckende Wirkung auf Bluthochdruck. Der regelmäßige Verzehr von Rote Beete senkt überhöhte Blutdruckwerte nachhaltig, wie britische Forscher kürzlich herausfanden.


Studie mit Bluthochdruckpatienten zeigte Erfolge

An der Londoner Queen Mary Universität wurden unlängst Versuche zu der antihypertensiven (blutdrucksenkenden) Wirkung von Rote Beete durchgeführt. Sowohl bei Ratten als auch bei Menschen konnte ein Rückgang überhöhter systolischer Blutdruckwerte nachgewiesen werden. Unter der Leitung der Pharmakologin Amrita Ahluwalia nahmen 15 Bluthochdruck-Patienten an einer Studie zur Wirksamkeit von Rote Beete teil. Alle Probanden wiesen deutlich überhöhte systolische Blutdruckwerte auf. Vorrausetzung für die Teilnahme an dem Programm war, dass keiner der Teilnehmer bereits ein blutdrucksenkendes Medikament einnahm, obwohl sich die systolischen Werte im Bereich von 140 bis knapp 160 mm Hg bewegten.

Nachdem die hypertensiven Patienten 250 ml reinen Rote-Beete-Saft getrunken hatten, kam es etwa 3 – 6  Stunden später zu einem deutlich messbaren Abfall des Blutdruckes. Die systolischen Werte sanken bei allen Teilnehmern um rund 12 mm Hg; auch der diastolische Blutdruck fiel messbar ab. Die Wirkung hielt rund 24 Stunden an. Vergleichbare Studien mit Personen ohne Bluthochdruck erzielten keinerlei Wirkung.

 

Nitrate werden im Körper zu Blutdrucksenkern

Ähnlich wie zahlreiche Kohlsorten und Fenchel enthält Rote Beete sehr viele Nitrate. Diese Salze werden nach Aufnahme in den Organismus zu Nitriten umgewandelt. Diese Umwandlung geschieht in Form einer Reduktion (Elektronenaufnahme) und findet vorwiegend im Gastrointestinaltrakt durch entsprechende Bakterien statt. Das entstehende Nitrit wiederum ist der Grundstoff für die körpereigene Synthese von Stickstoffmonoxid. Die dafür notwendige Reaktion geschieht unter Einwirkung von Enzymen aus der Gruppe der Nitritreduktasen (v. a. die Xanthin-Oxidoreduktase). Auch hierbei werden Elektronen auf das Nitrit-Molekül übertragen, es handelt sich folglich erneut um eine Reduktion. Das daraus resultierende Produkt – Stickstoffmonoxid – ist ein hochwirksamer Vasodilatator. Dies bedeutet, die Verbindung ist in der Lage, Blutgefäße deutlich zu erweitern. Folge ist ein Rückgang des peripheren Gefäßwiderstandes und somit ein Absinken des Blutdruckes.

Amrita Ahluwalia führte die Versuche mit der Roten Beete auch mit Ratten durch. Auch hier zeigte sich eine deutlich blutdrucksenkende Auswirkung des Konsums von Rote Beete. Der Effekt ließ sich allerdings ausschalten, wenn den Ratten vorher der Arzneistoff Allopurinol verabreicht wurde. Diese Verbindung bindet sich an die Xanthin-Oxidoreduktase und verhindert damit die Reduktion von Nitrit. Folglich kann – trotz Einnahme von Rote Beete – kein blutdrucksenkendes Stickstoffmonoxid synthetisiert werden.

 

Kein Ersatz für Blutdruckmedikamente

Trotz der beeindruckenden Ergebnisse gilt: Rote Beete ist bei Bluthochdruckpatienten kein Ersatz für eine angemessene Medikation. Um die Rote Beete therapeutisch nutzbar zu machen, müssen noch zahlreiche und jahrelange Studien erfolgen. Die aus der genannten Studie hervorgebrachte Fallzahl ist mit 15 viel zu gering. Die Wissenschaft kann noch lange keine Aussage über die Zuverlässigkeit von Rote Beete im Kampf gegen Bluthochdruck treffen. Wen aber der gewöhnungsbedürftige Geschmack, sowie der mitunter rötlich gefärbte Urin nicht stören, der tut seiner Gesundheit durch den regelmäßigen Konsum von Rote Beete sicherlich einen Gefallen.

Quellenangabe:

  • Pressemitteilung der Queen Mary Universität (16.04.2013)
  • Veröffentlichung der Studienergebnisse durch die British Heart Foundation (16.04.2013)
  • Dt. Ärzteblatt (16.04.2013)
  • Abstract: Enhanced Vasodilator Activity of Nitrite in Hypertension
  • Chemie für Mediziner (Axel Zeeck), Urban & Fischer
  • Biochemie des Menschen (Florian Horn), Thieme-Verlag
  • Kurzlehrbuch Physiologie (Jens Huppelsberg & Kerstin Walter), Thieme-Verlag

© medizin.de 2013 (Gunnar Römer)