Scharlach: Kinderkrankheit - Gehäuftes Auftreten in den Wintermonaten

Kinderkrankheit Scharlach

Gehäuftes Auftreten in den Wintermonaten

Scharlach, eine bakterielle Infektion, gilt als eine der klassischen Erkrankungen des Kindesalters. Verursacht wird Scharlach durch ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die zu den häufigsten bakteriellen Erregern von Infektionskrankheiten der oberen Atemwege gehören. Im Gegensatz zu anderen A-Streptokokken-Infektionen gilt Scharlach als eine Sonderform, da die Erkrankung durch einen Streptokokken-Typ verursacht wird, der ein erythrogenes Toxin zu bilden vermag.

Übertragung

Übertragen wird Scharlach durch Tröpfcheninfektion. Typischerweise kommen intrafamiliäre Erkrankungen oder auch Kleinraumepidemien, ausgehend von kinderbetreuenden Einrichtungen, wie Kindergärten, - krippen oder -heimen vor. Übertragungen durch Lebensmittel oder kontaminierte Gegenstände sind dagegen eher selten. Zu Erkrankungshäufungen kommt es insbesondere in den kälteren Monaten.

Symptome und Komplikationen

Gekennzeichnet ist Scharlach durch ein Enanthem im Rachen, das charakteristischerweise eine Himbeerzunge und ein feinfleckiges Exanthem aufweist, das beginnend am Thorax in der Folge den ganzen Körper befällt. Typisch sind zum einen die Betonung der Leistenregion und die Aussparung der Mundpartie. Nach wenigen Tagen erfolgt eine groblamelläre Schuppung mit besonderer Beteiligung der Hände und Füße. Als wichtigste Komplikation des Scharlachs gilt das rheumatische Fieber, das 1 bis 5 Wochen nach der akuten Erkrankung auftreten kann. Nicht zuletzt durch die rechtzeitige antibiotische Therapie hat die Bedeutung des rheumatischen Fiebers erheblich abgenommen. Heute liegt die Inzidenz bei etwa 1 pro 5.000 Erkrankte.

Weitere Scharlach-assoziierte Komplikationen sind neben der Polyarthritis, das Erythema nodosum, das Erythema anulare rheumaticum sowie insbesondere die Pankarditis (Endo-, Myo- und Perikarditis) vor. Gerade bei der Herzbeteiligung ist die langfristige Prognose von der Schwere der Klappenschädigung abhängig. Weitere Komplikationen des Scharlachs sind die akute Glomerulonephritis, die bei Kindern meist eine gute Prognose hat. Bei Erwachsenen allerdings kann die akute in eine chronische Glomerulonephritis übergehen. Als eher seltene Komplikation des Scharlachs gilt die Chorea minor.

Diagnose

Die Diagnose des Scharlachs lässt sich zwar in den meisten Fällen bereits klinisch stellen, jedoch ist diese oftmals nicht verlässlich, da auch virale Infektionen ein ähnliches Krankheitsbild verursachen können. Differentialdiagnostisch spricht das Fehlen einer pulmonalen Beteiligung eher für Scharlach als für eine virale Infektion. In der haus- bzw. kinderärztlichen Praxis stehen häufig bereits Schnelltests zur Verfügung, mit denen Streptokokken-Antigene (Zellwandpolysaccharide) in Rachenabstrichen nachgewiesen werden können. Zwar sind diese Tests hinsichtlich Sensitivität und Spezifität eingeschränkt, trotzdem rechtfertigt ein positives Ergebnis die sofortige Einleitung der antimikrobiellen Therapie. Goldstandard der Diagnostik ist jedoch weiterhin die kulturelle Anzüchtung der Streptokokken. Präanalytische Abnahme- bzw. Lagerungsprobleme sind bei Streptokokken nicht von entscheidender Bedeutung, da die Keime auch in ausgetrockneten Baumwolltupfern sicher nachweisbar sind.

Therapie

Als Mittel der Wahl zur Therapie des Scharlachs gilt weiterhin Penicillin, das oral verabreicht werden kann. Die Therapiedauer sollte 10 Tage betragen. Dies ist umso wichtiger, da die Therapie oftmals bereits nach Sistieren der Beschwerden abgesetzt wird, obwohl diese noch weiter geführt werden hätte sollen. Berichte über eine eingeschränkte therapeutische Wirksamkeit der Penicillintherapie dürften am ehesten durch eine schlechte Compliance des Patinten verursacht sein. Tatsächliche Therapieversager sollten mit oralen Cephalosporinen behandelt werden. Alternativ dazu können neuere Makrolide verordnet werden.

Prophylaxe

Wichtig ist die antibiotische Prophylaxe bei Patienten mit rheumatischem Fieber. Ist eine Herzbeteiligung vorhanden, sollte die Prophylaxe mindestens über mehrere Monate durchgeführt werden. Die notwendige Dauer der Prophylaxe ist allerdings unklar

© medizin.de 2006 (zuletzt aktualisiert 02/2009)

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