Dauerwach nach Teetrunk
Mormonentee als Herbal Ecstasy
Ein in China seit mehr als 5.000 Jahren bekannter Tee soll Frauen als Liebestrank dienen, bei Männern die Muskeln wachsen und das Fett schwinden lassen und den Heuschnupfengeplagten von seiner Allergie befreien.
Das Internet und die Szeneliteratur ist voll von Hinweisen, was der Zaubertee zu leisten vermag. Es geht um Meerträubchentee.
Ein Kraut mit vielen verheißungsvoll klingenden Namen: chinesischer Ma Huang, Mormonentee, Cloud 9, Ultimate Xphoria, Ephedrakraut oder Herbal Ecstasy.
In unser auf Leistung getrimmten Gesellschaft ist es in, aktiv, schlank und gut drauf zu sein. Die pflanzliche Droge verspricht genau dies und erfreut sich deshalb derzeit großer Beliebtheit. Die Laienpresse sieht das Problem durch eine rosarote Brille. Die Sportrevue preist es in Kombination mit Koffein und Acetylsalicylsäure als Appetitzügler an, der FOCUS meint, dass Frauen damit sexuell glücklicher werden und auf der Homepage von Mister Universum findet man sogar Herstellungsrezepte für Fatburner-Pillen. Was ist drin? Ephedrae-Arten enthalten als Alkaloide u.a. Ephedrin, Norephedrin und N-Methylephedrin.
Szenenamen?
- Mormonentee
- Brigham Tee
- Mexikanischer Tee
- Meeresträubel
- Ma- Huang
- Herbal XTC
- Herbal Energizer
- Herbal Dynamite
Wie wird konsumiert?
Meistens wird Ephedrae als Tee aufgenommen. Getrunken wird für gewöhnlich eine Tasse des Tees, bei Bedarf (und abhängig von der Länge der Party) nach 2 bis 5 Stunden nochmals eine Tasse. Die lange und intensive Wirkung wird durch körperliche Anstrengung und eine ausgeglichene Atmosphäre verstärkt.
Was wird empfunden?
Der Konsument verspürt
- eine Verschärfung der Sinne
- eine Steigerung der Aufmerksamkeit
- Halluzinationen
- Steigerung der Kommunikationsfähigkeit
- Rededrang
- sexuelle Übererregbarkeit
- Schwitzen
Das Rauchen, insbesondere in der Wasserpfeife oder als Joint, ist zwar möglich, in der Szene aber nicht so beliebt. Der fehlende Kick macht die Inhalation zur Applikationsart der 2. Wahl. Um den Effekt des Tees zu steigern, wird er mit Zitrone versetzt. Der saure pH-Wert hilft, die Alkaloide besser zu lösen und die Wirkung zu intensivieren. Die Wirkung als Aphrodisiakum ist geschlechtsspezifisch. Bei Mann und Frau führt der Tee zu einer Steigerung der Libido. Das starke Geschlecht hat aber wenig davon. Es verspürt zwar mehr Lust, aber die Fähigkeit zur Ausübung wird verhindert. Wegen der vasokonstriktorischen Wirkung tritt eine temporäre Impotenz ein.
Teufelszeug ! Ich hab zwei Tassen getrunken, und ich bin, 24 Stunden nach der Einnahme, IMMER NOCH wach. Und in der Nacht habe ich mein komplettes Haus gesaeubert, meine Buecher nach Nummer bzw. Groesse geordnet, und im stroemenden Regen erst einen ziemlich grossen Baum mit Saege und Seitenschneider zu einem huebschen Haufen Kompost verarbeitet, und dann mein Fahrrad repariert. In kurzer Hosen und sonst nix !Und jetzt gehe ich arbeiten. Freiwillig. Lasst da besser die Finger von ;-) Trippbericht aus dem Internet
Wie wirkt es?
Ephedrin und andere Alkaloide wirken amphetaminähnlich und steigern im Körper den Gehalt des Stresshormons Adrenalin. Die Folge ist eine körperliche und geistige Aktivierung. Der Gesamtalkaloidgehalt beträgt 1,24 %.
Wie gefährlich ist es?
Besonders beim Erstkonsum und empfindlichen Personen kann die Anwendung der Droge gefährlich sein. Es besteht die Gefahr der psychischen Abhängigkeit. Mit Alkohol und zahlreichen Medikamenten sind Wechselwirkungen denkbar.
Was kann passieren?
Nervensystem: Zittern, Unruhe· Schlaflosigkeit· Depressionen Psyche: psychische Abhängigkeit Augen: Erweiterung der Pupillen Herz: Tachykarde Herzrhythmusstörungen Kreislauf: Blutdruckanstieg Körpertemperatur: leichte Erhöhung Magen-Darm: Appetitminderung, Gewichtsverlust· Gastritis· Übelkeit
Ist es legal?
Erstmals wurde das Ephedrinkraut 1923 gegen Asthma angewendet. Da viele Arzneimittel mit Amphetamin- und Ephedrinderivaten wegen des Missbrauchspotenzials vom Markt genommen wurden, sucht der Suchende in der Natur nach Alternativen. Am 8. Juni 2001 teilte die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker mit, dass die Zulassung für Appetitzügler mit den Amphetaminen Amfepramon, Mefenorex und Norpseudoephedrin widerrufen wurde. Die Landesapothekenkammer in Sachsen verfügte, dass die Abgabe von Großpackungen (250 Gramm / 500 Gramm) an Privatkunden untersagt ist. Seit dem 1. April 2006 ist ephedrinhaltiger Tee rezeptpflichtig.
Der Verschreibungspflicht unterstellt werden Ephedra-Arten und Zubereitungen aus Ephedra-Arten zur oralen Anwendung sowie homöopathische Zubereitungen aus Ephedra, ausgenommen höhere Verdünnungen als D1 sowie in homöopathischen Zubereitungen, die nach den Herstellungsvorschriften 25 und 26 des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt sind. Bislang unterstand nur Ephedrin (mit Ausnahmen) der Verschreibungspflicht. Die Drogen werden aber auf Grund ihres Gehaltes an Ephedrin und anderen, zentral erregend wirkenden Alkaloiden zunehmend missbräuchlich verwendet sowie über das Internet gehandelt und dabei teilweise als Nahrungsergänzungen deklariert. Doch selbst wenn der User in der Apotheke abblitzt, das Internet wimmelt von Bezugsadressen und Anleitungen.
(Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie, medizin.de) © medizin.de 2007 (zuletzt aktualisiert 02/2009)