Stammzell-Forschung bei Querschnitts-Lähmung![]() Wirbelsäulen-Verletzungen: Selbstheilung durchtrennter Rückenmarkstrukturen und Bildung neuer Nervenzellen Der Star von vier "Superman"-Filmen hatte sich seit seinem Unfall für Menschen mit Rückgratverletzungen und die Förderung der Stammzellenforschung eingesetzt: Aktuell gewinnt das Thema auch an Bedeutung im amerikanischen Wahlkampf um die Präsidentschaft. Querschnittlähmungen sind Folge von Schädigungen des Rückenmarkes. Neben traumatischen gibt es eine Reihe von anderen Ursachen (zum Beispiel vaskulär, entzündlich, metabolisch, neoplastisch). Die neurologischen Ausfälle betreffen isoliert oder kombiniert motorische, sensible und vegetative Funktionen. Dazu gehören Lähmungen der Extremitäten, Empfindungsstörungen oder -ausfälle in den betroffenen Hautregionen und Funktionsstörungen wie Blasen- und Darmlähmung oder Fehlregulation von Herz und Kreislauf. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie liegt in industrialisierten Staaten die jährliche Inzidenz akuter traumatischer Rückenmarkläsionen bei 10 bis 30 Fällen pro einer Million Einwohnern. Männer sind mit rund 70% häufiger betroffen und das durchschnittliche Lebensalter bei Unfall liegt - trotz der Vermutung einer stärkeren Häufung bei Jugendlichen - bei 40 Jahren. Mit seiner nach dem Unfall gegründeten Stiftung engagiert sich der "Superman"-Darsteller für die weltweite Forschung zur Behandlung von Rückenmarksschäden. Hier wurden in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, ein wirklicher Durchbruch ist aber noch nicht in Sicht. Eines der Hauptprobleme sind die Heilungsbestrebungen des Körpers selbst: Während schon kurz nach einer Durchtrennung des Rückenmarks verschiedene neuronale Ausläufer versuchen, den Ort des Geschehens zu erreichen, bildet sich Narbengewebe, was ein Durchkommen verhindert. Vergleichbar ist dies den Bemühungen von Rettungskräften, sich auf einer verstopften Autobahn während der Reisezeit den Weg zum Unfallort zu bahnen. Ansätze, das unerwünschte Reparaturgewebe für wachsende Nervenfasern durchlässig zu machen, gibt es seit etwa zwei Jahren mit einem bakteriellen Enzym namens "Chondroitinase ABC". Die Substanz vermag die molekularen Strukturen durch Abspaltung von Zucker aufzubrechen. Im Tierversuch gelang es, durch Injektion des Enzyms bei Mäusen - unterstützt von Wachstumsfaktoren - künstlich verursachte Lähmungen wenigstens partiell wieder rückgängig zu machen. Letztlich ist aber die Regeneration des verletzten Nervengewebes entscheidend. Dazu wird das Transplantieren von Nervenzellen, Fibroblasten (Gewebezellen) und verschiedenen Gliazellen das Stützgewebe des Zentralnervensystems experimentell erforscht. Zu den vielversprechendsten Kandidaten scheinen die so genannten "olfactory ensheathing cells" (OECs) zu gehören. Diese olfaktorischen Gliazellen - der Nervus olfaktorius (Riechnerv) gehört zu den 12 Hinnerven - besitzen Eigenschaften sowohl des peripheren als auch des zentralen Nervensystems, was für die Regeneration der komplexen Nervenstrukturen offensichtlich von Vorteil ist. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie wurde die autologe Transplantation von OECs jedenfalls als vielversprechende Perspektive einer zukünftigen Therapie eingeschätzt. Versucht wird auch der Einsatz von Stammzellen © medizin.de 2004 (zuletzt aktualisiert 02/2009) Top Themen Apotheke.de |




