Gesunder Lebensstil (noch) wichtiger als gedacht
Hypertonie: Nicht nur Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen führen zum hohen Blutdruck, er ist nichts für die Selbstmedikation
Dass Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen zum hohen Blutdruck (Hypertonie) beitragen ist seit langem bekannt. Studien belegen, wie bedeutsam eine gesunde Lebensführung wirklich ist. (Quelle: Stoschitzky, K.: Nichtmedikamentöse Therapie der Hypertonie - Life-Style-Modifikation, Journal für Hypertonie 2004; 8 (1): 20-22) Es wird berichtet, dass alle aktuellen Richtlinien der Fachgesellschaften übereinstimmend eine so genannte "LifeStyle-Modifikation" empfehlen.
Maßnahmen
Mit 10 Kniebeugen nach dem Zähneputzen und dem Weglassen von einer Tasse Kaffee ist es nicht getan. Neu ist die Erkenntnis, das eine Änderung der Lebensführung jedem Patienten nutzt. Unabhängig von seiner Therapieform. Die wichtigsten Maßnahmen betreffen dabei Körpergewichts-Reduktion, diätetische Maßnahmen, körperliche Aktivität, Kochsalz-Reduktion und Reduktion eines (erhöhten) Alkoholkonsums. Zusätzlich ist damit auch eine Reduktion des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos und die Einsparung von blutdrucksenkenden Medikamenten zu erwarten.
Leider können die in der Liste aufgeführten Maßnahmen und deren Auswirkung nicht einfach kritiklos addiert werden. Bei konsequenter Umsetzung ist aber eine Senkung um 30 mm Hg des systolischen Wertes oder mehr möglich.
- Nicht-medikamentöse Maßnahme erreichbare Blutdruck-Senkung - - Körpergewichts-Reduktion 5-20 mmHg je 10 kg KG Abnahme
- Ballaststoffreiche + fettarme Diät 8-14 mmHg
- Körperliche Aktivität 4-9 mmHg
- Kochsalz-Reduktion 2-8 mmHg
- Reduktion des Alkoholkonsums 2-4 mmHg
Welche Symptome treten auf?
Bluthochdruck tut nicht weh! Er wird deshalb auch als "silent killer", als leiser Mörder, bezeichnet. Warnsymptome können aber auf diese Erkrankung hindeuten. Es kann u.a. zu Kopfschmerzen, Sehstörungen, geröteter Gesichtshaut (Flush) und Herzbeschwerden kommen.
"Normaler" Blutdruck
Früher galt die Faustregel "Lebensalter + 100 = systolischer Blutdruck". Diese Regel ist zwar einfach, aber zu ungenau. Heute unterteilt man nicht nur in Normal- und Hypertoniebereich. Die Grenzwerthypertonie und zusätzliche Schweregrade ergänzen die Einteilung und ermöglichen eine bessere Beschreibung und eine angepasstere Therapie. Bis vor kurzem wurden erst Werte ab 160/95 mmHg (oberer/unterer Wert) als Hochdruck angesehen.
Normal
- Optimal < 120 < 80
- Normal < 130 < 85
- Hoch-normal 130 - 139 85 - 89
Hypertoniebereich
- Grad 1 (leicht) 140 - 159 90 - 99
- Grad 2 (mäßig) 160 - 179 100 - 109
- Grad 3 (schwer) > 180 > 110
Welche Medikamente sind hilfreich?
An der Regelung des Blutdrucks sind zahlreiche Botenstoffe, Enzyme und übergeordnete Zentren im Gehirn beteiligt. Die verschiedenen Arzneistoffe greifen auf unterschiedliche Art in dieses komplexe System ein. Zur Behandlung werden folgende Arzneistoffgruppen eingesetzt: Betablocker, Alpha1-Blocker, Alpha2-Agonisten, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer, AT1-Hemmer, Diuretika und Nitropräparate.
Alle Arzneimittel sind rezeptpflichtig und für die Selbstmedikation nicht geeignet. Nehmen Sie die Ihnen verordneten Medikamente regelmäßig ein. Ein selbständiges Absetzen kann sehr gefährlich sein.
Was kann außerdem noch lindern?
Gegen viele Krankheiten ist ein Kraut gewachsen, gegen Bluthochdruck leider nicht. "Wundermitteln", Pflanzenextrakten oder Tees sollte man keinen Glauben schenken. Pflanzen wie Weißdorn oder Mistel werden volksmedizinisch zur Senkung des Blutdruckes angewendet. Eine blutdrucksenkende Wirkung konnte nicht definitiv nachgewiesen werden. Leichte bis mittlere regelmäßige körperliche Betätigung trägt also zur Vorbeugung und zur Therapie des Bluthochdrucks bei.
Sinnvoll sind gemäßigte Ausdauersportarten wie Walking, Laufen, Schwimmen, Tanzen, Golf, Rudern, Gymnastik und Skilanglauf.Reduzieren Sie die Kochsalzzufuhr! Nehmen Sie maximal 6 g pro Tag zu sich und achten Sie auf verstecktes Salz in Wurst, Schinken und Fertiggerichten. Sinnvoll hingegen sind die Mineralstoffe Calcium, Magnesium und Kalium. Schränken Sie den Alkoholkonsum ein. Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe, da Sie dadurch auch weniger Kalorien aufnehmen.Geben Sie das Rauchen auf! Bereits nach kurzer Zeit als Nichtraucher sinkt Ihr Gesundheitsrisiko drastisch, auch Ihr Geldbeutel freut sich. Senken Sie einen erhöhten Cholesterinspiegel. Ersetzen Sie tierische durch pflanzliche Fette.Bauen Sie Stress ab und lernen Sie Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Muskelentspannung, Yoga, QiGong u.a.
Wann muss ich zum Arzt?
Bluthochdruck ist nichts für die Selbstmedikation! Sowohl die Diagnose als auch die Therapie gehören in die Hand eines Arztes. Dennoch muss der Patient aktiv mitarbeiten, um seine Werte in den Griff zu bekommen und im Normbereich zu halten.
(Matthias Bastigkeit) © medizin.de 2006 (zuletzt aktualisiert 02/2009)