Eisen ist Bestandteil zahlreicher körpereigener Verbindungen, die Sauerstoff oder Energie übertragen. Das Zentralatom des roten Blutfarbstoffes ist Eisen. Wenn Eisen an Hämoglobin gebunden ist, wird es als Häm-Eisen bezeichnet. Es verbindet sich mit Sauerstoff und transportiert ihn zu den Körperzellen. Im Muskel ist Eisen Bestandteil des "Sauerstoffspeichers" Myoglobin und am Atmungsenzym ist es maßgeblich an der inneren Atmung beteiligt. Das Eisen ist im Körper an seine eiweißartigen Speicherformen Ferritin und Hämosiderin gebunden, die in der Leber und im Knochenmark vorkommen. Pro Tag verliert man(n) über Haut, Darm und Niere etwa 1 mg Eisen pro. Frauen im gebärfähigen Alter verlieren jedoch mindestens 15 mg. So ist es nicht verwunderlich, dass 40 Prozent der menstruierenden Frauen ein Eisendefizit aufweisen. Wenn man täglich nur 1 – 15 mg Eisen pro Tag zuführen müsste, um das Defizit zu decken, gäbe es vermutlich keinen Eisenmangel. Das Problem ist, dass Eisenverbindungen außerordentlich schlecht aus der Nahrung und selbst aus Medikamenten aufgenommen werden.
Über Eisen kursieren viele falsche Erkenntnisse. Beispielsweise, dass bei Müdigkeit die Einnahme von Eisen meist hilfreich ist. "Eisensalze bekämpfen nicht deutlich stärker Müdigkeit als Placebopräparate", dies stellte u.a. die STIFTUNG WARENTEST fest, die den Nutzen von Eisenmedikamenten untersuchte.
Die Teilnehmerinnen der Studie erhielten vier Wochen lang täglich entweder 80 Milligramm Eisensulfat oder ein Scheinmedikament. Die Frauen, die Eisen eingenommen haben fühlten sich nicht wesentlich besser als die Kontrollgruppe. Spinat enthält viel Eisen, selbst der Comicfigur Poppey verleiht er Bärenkräfte. Leider auch ein Irrtum, wenn auch ein wissenschaftlicher. Als vor etwa 100 Jahren ein Wissenschaftler den Eisengehalt von Spinat berechnete, ging er von 100 g getrockneter Ware aus, die 35 mg Eisen enthielt. Da das Gemüse zu 90 Prozent aus Wasser besteht, bezog sich der Wert also auf ein Kilo Spinat. Zum Vergleich: 100g Schokolade enthält 6,7mg Eisen, Spinat nur 3,5 mg. Durch diesen Rechenfehler ist Spinat zu zweifelhaften Ehren gekommen. Auf der Suche nach "echten" Eisenspendern stößt man immer wieder auf Leber, selbst auf namhaften Medizinportalen und Ernährungsseiten wird der Verzehr der Innereien empfohlen. Auch hier wird ein Nahrungsmittel zu Unrecht geadelt. In der Leber ist zwar viel Eisen enthalten, es liegt jedoch nicht zweiwertig als Häm-Eisen sondern dreiwertig und als Ferritin vor. Es muss aus dem Darm herausgelöst werden, fällt dort aber als unlösliches und sehr schlecht resorbierbares Eisenoxid aus. "Essen Sie deshalb jetzt besonders viele Lebensmittel mit einem hohen Eisengehalt: Leber, Spinat, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte", diesen Ratschlag findet man auf der Homepage einer Heilpraktikerin, die außerdem als Journalistin und Buchautorin von sich reden machen möchte. Der Wahrheitsgehalt dieser Empfehlung liegt bei exakt Null Prozent (!). Sog. Phytate in Getreide, Nüssen, Hülsenfrüchten sowie pflanzliche "nicht-Stärke-Polysaccharide" in Getreide machen eine Aufnahme des Eisen in den Körper fast unmöglich.
Ursachen für Eisenmangel
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Erhöhter Eisenbedarf: Wachstumsalter (Kleinkindesalter, Jugendalter) Schwangerschaft
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Ungenügende Eisenzufuhr in der Nahrung:
Kleinkinder; fleisch- und gemüsearme Kost Jugendalter: unregelmäßige Eßgewohnheiten, junk food Im höheren Alter: schlechter Kauapparat, apathisches Verhalten Einseitige Diäten und Ernährungsgewohnheiten
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Verminderte Eisenaufnahme über den Magendarmtrakt:
Sprue
Zöliakie Zustand nach chirurgischer Magenverkleinerung oder -entfernung Verminderte Magensäurebildung Chronische Durchfälle Chronisch entzündliche Darmkrankheiten |
Eisenverluste: Monatsblutung (vor allem in Verbindung mit Spirale) Sonstige gynäkologische Blutungen
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Blutverluste über den Magendarmtrakt:
Medikamentös bedingte Blutungen (NSAR) Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre Zwerchfellbruch Divertikulose Magen-, Darmkrebs Befall des Darms mit Hakenwürmern (Tropen) |
Seltene Blutungsursachen: Blutende Gefäßfehlbildungen des Darms Störungen der Blutgerinnung (Blutplättchen)
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Wenn Kinder Erde essen
Wenn Kinder auf ungewöhnliche Dinge wie Erde oder Sellerie Appetit haben, kann dies ein Hinweis auf einen Eisenmangel sein. Der Drang, bestimmte Lebenmittel aber auch Nichtessbares wie Erde oder Geldmünzen essen zu müssen, wird als Pica bezeichnet. Namensgeber dieser Erkrankung ist die Elster, lat. Name Pica Pica. Der Rabenvogel nimmt wahllos Dinge in den Schnabel und baut damit sein Nest. Es gibt aber zahlreiche andere Bezeichnungen zum gleichen Phänomen: Picatio, Picazismus (weshalb die Betroffenen auch Pikazisten genannt werden), Crissa, Citta, Malacia, Allotriophagia, Hapsicoria, Pellacia, Pseudorexia u.a.m. Bis zu 60 Prozent der Patienten mit Eisenmangel leiden an Pica, so eine Studie von Marinella et al. Die meisten gelüstet es nach Eiswürfeln; beliebt seien auch knackige Speisen wie Sellerie, Karotten oder Erdnüsse
Bei übergewichtigen Kindern besteht ein erhebliches Risiko für eine zusätzliche Eisenmangel-Anämie. Nach einer Studie von Nead et al. hatten Kinder mit Übergewicht eine doppelt so hohes Risiko einen Eisenmangel zu haben, wie gesunde Kinder einer Kontrollgruppe. Da durch einen Eisenmangel häufig auch Leistungsfähigkeit und Bewegungsfreude nachhaltig reduziert sind, führt dies zu einem Teufelskreis. Übergewicht – Eisenmangel – wenig Bewegung – Übergewicht.Eisenmangel beeinträchtigt die Lern- und Konzentrationsfähigkeit von Schulkindern. Als Folge von zu wenig Eisen im Blut sind Kinder reizbar, nervös und unaufmerksam. Darunter leidet insbesondere die schulische Leistungsfähigkeit. Besonders in den Wachstumsphasen brauchen Kinder genügend Eisen, um konzentriert und leistungsstark den Schulalltag zu meistern. 25 g Zuckerrübensirup auf einer Scheibe Vollkornbrot decken bereits fast 50 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs an Eisen.
Sportler verlieren Eisen, Veganer nehmen keines auf
Sportlern bauen Hämoglobin in Folge mechanischer Einflüsse vorzeitig ab. Dieses Phänomen wird als Marsch- bzw. Läuferhämolyse bezeichnet. Bei Läufern mit "sensiblen" Blutkörperchen werden diese durch den Aufprall der Füße auf den Boden regelrecht zerschmettert. Sie setzen dann Hämoglobin frei, das der Sportler mit dem Urin ausscheidet. Auch bei Kraftsportlern leidet der eisenhaltige Blutfarbstoff unter dem Muskeltraining. Selbst sportliche Aktivität auf Breitensportniveau führt zu Schweißverlusten von etwa einem Liter pro Stunde. Da Eisen auch in den Schweiß abgegeben wird, verliert der Sportler erhebliche Mengen des wichtigen Minerals. Pro Liter Schweiß gehen 0,2 – 0,5 mg Eisen verloren. Neben Eisenverlusten ist eine geringe Aufnahme des Metalls eine weitere Möglichkeit, einen Mangel zu entwickeln. Dies gilt beispielsweise für Veganer. Diese "Extremvegetarier" verzichten auf den Genuss von allen tierischen Lebensmitteln und Produkten von Tieren. Somit scheiden auch Honig, Eier und Milch als Eisenlieferanten aus. Neben Sportlern sind auch Schwangere, ältere Menschen, Diabetiker, Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, Blutspender und Heranwachsende von Eisenmangel betroffen.
Frauen leiden anders
Seit 2001 führt die Stiftung Coaching For Health eine Studie über Eisenmangel bei Frauen im Menstruationsalter durch. Viele Betroffene hatten Beschwerden, die ehr als Depression oder andere psychsche Störung fehlinterpretiert werden können. Die Stiftung definierte darauf hin ein Eisenmangelsyndroms IDS (Iron Deficiency Syndrome). Symptome sind u.a. Erschöpfungszustände, Konzentrationsstörungen und psychische Labilität.
Wie erkennt man einen Eisenmangel?
Es gibt zwar Indizien, doch Sicherheit schafft nur ein Bluttest beim Arzt. Symptome eines Eisendefizits können sein;
- Leistungsschwäche
- Blasse Haut und Schleimhaut
- Veränderungen der Fingernägel (löffelförmig)
- Entzündungen der Zunge
- Einrisse der Mundwinkel (Aphten, Rhagaden)
- Schluckstörungen
- Abnorme Lust, bestimmte Dinge zu Essen (Geophagie: Erde, Pagophagie: Eis)
Ein Eisenmangel kann nicht nur Bluterkrankungen wie Anämie auslösen. Auch Herzerkrankungen, Diabetes, "unruhige Beine" (sog. Restless-Legs) und andere Erkrankungen können durch einen Mangel verschlimmert werden.
Auf die Verbindung kommt es an
Gegen einen Eisenmangel ist kein Kraut gewachsen. Auch wenn Hersteller pflanzliche Produkte anbieten, Eisen ist darin entweder nur in geringen Mengen enthalten oder für den Körper nicht verfügbar. Bei einem latenten Eisenmangel hilft sicherlich eine ausgewogene, eisenhaltige Ernährung. In Rind- und Schweinefleisch sowie in Fisch und Geflügel liegt Eisen in erhöhten Konzentrationen (bis zu 5 mg/100g) und als sehr gut verwertbares Häm-Eisen vor. Diese Verbindung ist deutlich hochwertiger als Eisen in nicht "Häm-Form" wie es in Milch, Eiern, Innereien und Früchten vorkommt. Liegt ein manifester Eisenmangel vor, kommt man an einer Einnahme von Medikamenten nicht vorbei. Leider ist dies nicht so einfach, wie es scheint. 8 von 10 Patienten werden durch heftige Magen-Darmbeschwerden geplagt, wenn sie Eisenpräparate einnehmen. Eine Einnahme nach den Mahlzeiten mindert die Beschwerden, leider aber auch die Resorption der Eisensalze. Außerdem ist die Aufnahme aus Magen und Darm auch bei qualitativ hochwertigen Präparaten sehr schlecht. Wenn ein 70 kg schwerer Patient bei erschöpften Eisenspeichern einen Hämoglobinwert von 10mg/dl aufweist, hat er ein Gesamt-Eisen-Defizit von 1200 mg. Nähme er jeden Tag 100 mg eines Eisenpräparates ein, wären die Eisenspeicher erst nach etwa einem Jahr (!) aufgefüllt. Lediglich Häm-Eisen, das seit einiger Zeit als Arzneimittel zur Verfügung steht, wirkt rascher.
(Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie)
© medizin.de 2007 (zuletzt aktualisiert 02/2009)