Definition
Die Alopecia areata zeigt sich in einer oder mehreren, scharf begrenzten kahlen Stelle(n) ohne Haarwuchs, wo üblicherweise und bisher normale Haare gewachsen sind. Der Schweregrad wird wissenschaftlich in die Stufen I bis IV unterteilt.
Diagnose und Abgrenzung von ähnlichen Bildern (Differenzialdiagnose)
Meist ist die Alopecia areata im wahrsten Sinne des Wortes eine Blickdiagnose: ein Blick genügt, es sind keine weiteren (Labor-) Untersuchungen notwendig. Ähnlich aussehen können - heute selten - spätere Stadien der Syphilis; das psychotische Ausreißen der eigenen Haare (Trichotillomanie) und Pilzerkrankungen sind eher Exoten. Wichtig abzugrenzen sind die vernarbende Alopezien, da diese eine andere Behandlung erfordern. Symptome Ganz typisch liegt die erste Stelle im Bereich des Hinterkopfes. Diese ist zum Zeitpunkt der Entdeckung ungefähr einen halben bis zwei Zentimeter Durchmesser groß und kreisrund. Männer scheinen etwas häufiger als Frauen betroffen, vermutlich mit einer leichten Bevorzugung des so genannten Mittelmeertyps mit schwarzen Haaren und dunklem Teint. Eine weitere häufige Lokalisation ist das Kinn, hier fällt es bei Männern auf, und das Gesicht (auch Augenbrauen), seltener der sonstige Körper: Unterarm, Beine, Bauch und Rücken. Die Schambehaarung bleibt außer in seltenen Ausnahmefällen unbehelligt. Schmerzen oder Juckreiz bestehen nicht, ohne die zufällige Entdeckung bleibt der kreisrunde Haarausfall unbemerkt. Eine Entzündungsreaktion mit Rötung der betroffenen Hautareale ist nicht zu sehen. In zwanzig Prozent der Fälle werden weiße Einschlüsse der Fingernägel oder eine Tüpfelung beobachtet, der Zusammenhang mit der Alopecia areata ist aber nicht zweifelsfrei gesichert.
Verlauf
Bei der ersten Beobachtung fällt in der Regel genau ein Herd auf. Bei sorgfältiger Untersuchung von Kopf bis Fuß können manchmal allerdings kleinere, bisher nicht bekannte Herde entdeckt werden. Die kahlen Stellen werden langsam größer, bis sie nach zwei bis drei Monaten ihre endgültige Größe von drei bis vier Zentimetern Durchmesser erreicht haben. Jetzt werden sie nicht mehr größer. Liegen allerdings zwei oder mehr Herde nebeneinander, können sie zusammenfließen und größere Areale umfassen. Der individuelle Verlauf ist sehr unterschiedlich. In der weit überwiegenden Zahl bleibt es bei einem oder auf jedem Fall weniger als fünf Herden. Auch werden die Herde nur selten größer als die genannten vier Zentimeter. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass auch sehr massive Ausprägungen der Alopecia areata existieren. Das bedeutet konkret, es entwickeln sich große, kahle Areale; dies belastet selbstverständlich insbesondere am Kopf massiv. Der vollständige Haarausfall (Alopecia areata totalis) stellt die sehr seltene, meist genetisch bedingte Maximalvariante dar, die familiär gehäuft auftritt. Ursachen
Die genauen Ursachen für die Alopecia sind nicht bekannt. In Frage kommen wie bei vielen Haut- und Haarerkrankungen eine Menge von Faktoren, die in nicht näher bekannter Weise zusammenwirken. Dazu zählt zum Beispiel ein Autoimmunprozess, das Abwehrsystem des Körpers zerstört das eigene Gewebe, weil es fälschlicherweise für Fremdgewebe gehalten wird. Auch unterschwellige, harmlose Infektionen mit Bakterien könnten hier eine Rolle spielen. Die gesicherte Häufung bei Verwandten spricht für eine genetische Veranlagung. Die Belastung der modernen Zivilisation ist ebenso ein Faktor wie der persönliche Stress. Menschen, die zu empfindlicher Haut neigen einschließlich Heuschnupfen und Allergien, sind etwas vermehrt betroffen.
Behandlung
Die wesentliche Regel beim erstmaligen Auftreten eines einzigen Herdes besteht in Nichtstun und Abwarten. Diese vielleicht etwas überraschende Empfehlung beruht auf der gesicherten Erkenntnis, dass in den allermeisten Fällen - ungefähr neun von zehn - nach drei bis sechs Monaten der kreisrunde kahle Fleck auch ohne jede Behandlung verschwindet. Zuerst erscheinen feine Härchen auf der vorher vollständig glatten Haut, dann wachsen einzelne Haare nach, schließlich in normaler Zahl und Menge. Es ist nichts mehr zu sehen, die Alopecia ist spurlos verschwunden. Auch der hinzugezogene Hautarzt wird nichts besonderes unternehmen, sondern den Rat geben, erst einmal abzuwarten. Gegebenenfalls kann aber nach den oben genannten "Begleiterkrankungen" gefahndet werden. Wem das untätige Abwarten zu lang oder zu unsicher erscheint, kann - natürlich nach Verschreibung durch den Arzt - zu äußerlich anzuwendenden Mitteln greifen. An erster Stelle stehen dabei kortisonhaltige Cremes oder Lösungen. Tatsächlich macht man sich eine bekannte Nebenwirkung dieser Cremes zu Nutze, weswegen hier meist zu stärkeren Vertretern aus der Wirkstoffklasse der Kortisone gegriffen wird: das Wachstum von Haaren. Darüber hinaus wirken sie gegen die (vermutete) Immunreaktion. Nur bei sehr schweren und längeren Verläufen werden Kortikoide in die Haut gespritzt. Andere Mittel, die eher experimentell eingesetzt werden, sind die Provokation einer Kontaktsensibilisierung, Minoxidil, Fumarsäureester und der antibiotische Wirkstoff Dapson. Die so genannte Komplementärmedizin setzt u.a. auf die Gabe von Zink, Selen und Eisen oder das Einreiben mit speziell fermentierten Vitaminextrakten.
Prognose
Da die kahlen Stellen ohne Behandlung nach ca. sechs, mit Behandlung nach ca. vier Monaten folgenlos ohne Narben abheilen, ist die Prognose (Heilungsaussicht) sehr gut. Selbst größere und langwierige Verläufe heilen meist später ab. Bekannt ist allerdings, dass derjenige, die einmal eine Alopecia areata erleidet, gerne später noch einen Schub entwickelt. (Dr. Berthold Gehrke; Redaktion medizin.de)
© medizin.de 2007 (zuletzt aktualisiert 02/2009)