Was ist die Japanische Enzephalitis?
Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine durch das "Japan B-Enzephalitis-Virus" ausgelöste, schwere Tropenerkrankung, die vor allem in Ost- und Südostasien vorkommt.
Das Virus, ein Arbovirus, das wie der Erreger des Gelbfiebers zu den Flaviviridae gehört, infiziert das Gehirn, verursacht Entzündungen und Schwellungen und kann zu bleibenden Gehirnschädigungen und zum Tod führen. In Südostasien gibt es regelmäßig zur Regenzeit Epidemien, welche in Ländern ohne effektives Impfprogramm hunderte bis tausende von Opfern fordern.
Welche Symptome hat die Japanische Enzephalitis?
In den meisten Fällen verläuft die Infektion mild oder sogar asymptomatisch. Durchschnittlich eine von 300 Infektionen mit der Japanischen Enzephalitis führt zu einer schweren Erkrankung. Bei den Erkrankten setzen zu Beginn in der Regel grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopfschmerz, Übelkeit und Brechreiz ein. Bei Kindern kann ein plötzlicher Krampfanfall das erste Krankheitszeichen sein. In den Frühstadien der Krankheit kommt es oft zu Verwirrtheit und Unruhe.
Die Erkrankung kann zu einer Entzündung des Gehirns fortschreiten, bei der die Patienten ihr Sprechvermögen verlieren, an Krämpfen und Lähmungen leiden oder ins Koma fallen. Die Erkrankung kann dann auch tödlich verlaufen. Von 50.000 Fällen jährlich enden bis zu 15.000 mit dem Tod des Patienten. Jeder zweite Überlebende leidet unter Umständen an lebenslangen Behinderungen, hervorgerufen durch bleibende neurologische und psychiatrische Folgeerscheinungen, die zum Teil eine lebenslange Behandlung erfordern. Bei Kindern können die neurologischen Schäden langfristig zu Entwicklungs- und Verhaltensveränderungen führen.
Wie wird die Japanische Enzephalitis übertragen?
Die Japanische Enzephalitis ist eine Zoonose. Das Japanische Enzephalitis-Virus wird von bestimmten Stechmückenarten (meistens von Culex tritaeniorhynchus, C. fuscocephala oder C. annulus) auf den Menschen übertragen. Diese Stechmücken kommen üblicherweise in ländlichen Reisanbaugebieten Asiens vor, treten jedoch auch in städtischen Randbezirken auf. Die Aufnahme des Virus durch die Stechmücken erfolgt bei einer Blutnahrung an Hausschweinen, Pferden oder Wildvögeln (z.B. Reihern), die mit dem Japanischen Enzephalitisvirus infiziert sind. Die so infizierten Stechmücken übertragen das Japanische Enzephalitisvirus dann bei der nächsten Blutmahlzeit auf andere Schweine und Wasservögel oder auch auf den Menschen.
Wie zieht sich der Mensch die Erkrankung zu?
Das Japanische Enzephalitis-Virus wird von Stechmücken, die mit dem JE-Virus infiziert sind, auf den Menschen übertragen.
Wie lange dauert es, bis nach dem Mückenstich die ersten Symptome der Erkrankung auftreten?
Im Falle einer Infektion mit der Japanischen Enzephalitis treten in der Regel 5 bis 15 Tage nach dem Mückenstich erste Beschwerden auf.
Wo tritt die Krankheit auf?
Die Japanische Enzephalitis ist die häufigste virusbedingte Enzephalitis (Gehirnentzündung) in Asien. Nahezu 3 Milliarden Menschen leben in Gebieten, in denen ein Risiko für die Infektion mit dem Japanischen Enzephalitis-Virus besteht. Die Japanische Enzephalitis ist in Asien bereits seit Anfang des 20sten Jahrhunderts bekannt. Das geografische Ausbreitungsgebiet der JE erstreckt sich vom Osten, Süden und Südosten Asiens bis nach Papua-Neuguinea und die Torres Strait in Nordaustralien. Betroffen sind auch beliebte Reiseziele wie Thailand, Indien und Sri Lanka, Indonesien, Japan und Malaysia. Die westliche Grenze der Verbreitung dieses Virus ist Pakistan. Mit einer Ausdehnung in die nördlichen Regionen Australiens muss zukünftig gerechnet werden.
Wie viele Fälle werden jedes Jahr gemeldet?
Die Japanische Enzephalitis ist die führende Ursache für virusbedingte Enzephalitis in Asien. In vielen Ländern Asiens gibt es ausgedehnte Impfprogramme, mit denen die Gesamthäufigkeit der JE verringert werden konnte. Dennoch gehen bei der Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich immer noch 30.000 bis 50.000 Meldungen von JE-Erkrankungsfällen ein, die zu geschätzten 10.000 bis 15.000 Todesfällen führen. Wegen fehlender Überwachungsprogramme und diagnostischer Lücken in den Gebieten, in denen die Krankheit besonders häufig ist, ist die tatsächliche Zahl der Erkrankten weitgehend unbekannt.
Bei wem besteht ein Risiko, an der Japanischen Enzephalitis zu erkranken?
Klinisch schwere Verläufe treten vor allem bei Kindern unter 10 Jahren sowie älteren Menschen auf. Das Risiko, an der Japanischen Enzephalitis zu erkranken, besteht jedoch bei allen Personen, die in Regionen leben oder in Regionen reisen, in denen die Japanische Enzephalitis vorkommt.
Das Infektionsrisiko für Touristen in städtischen Regionen ist vergleichsweise gering. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht bei Reisen in die Endemiegebiete auf dem Land, besonders am Ende der Monsunzeit. Zu den betroffen Ländern zählen China, Indien, Indonesien, Sri Lanka, Nepal, Malaysia, Pakistan, die Philippinen, Nordthailand und Vietnam.
Wie hoch ist das Risiko, an der Japanischen Enzephalitis zu erkranken, für Reisende nach Asien?
Die Abschätzung des Risikos für Reisende ist generell nicht ganz einfach. Statistisch schätzt die Centers of Disease Control (CDC) das Risiko etwa auf eine schwere Erkrankung bezogen auf 10.000 Reisende mit 14-tägiger Aufenthaltsdauer in asiatischen Risikogebieten. Dieses statistisch betrachtet relativ niedrige Einzelrisiko, liegt vermutlich auch daran, dass bei etwa jedem 300sten mit dem JE Virus Infizierten tatsächlich eine schwere Erkrankung auftritt. Auch wenn das statistische Risiko für einen Reisenden eher gering sein mag, ist die Impfung für Reisende aufgrund der im Erkrankungsfall verheerenden Konsequenzen eine gute Möglichkeit, sich adäquat vor einer Japanischen Enzephalitis zu schützen. Bisher sind ganz unterschiedliche Typen von Reisenden an der JE erkrankt, und leider war der Krankheitsverlauf zumeist schwer und manchmal auch tödlich.
Nur ein Teil der Mücken sind Virusträger. Das Risiko einer Infektion mit dem Japan B-Enzephalitis-Virus steigt proportional zur Anzahl der erlittenen Stiche.
Wie wird die Japanische Enzephalitis diagnostiziert?
Eine erste Verdachtsdiagnose kann aus dem klinischen Bild erhoben werden.
Die weiterführende Diagnostik beinhaltet:
- Blutbild: Leukozytose
- CT oder MRI
- Liquoruntersuchung: lymphozytäre Pleozytose bei normalem Glucosespiegel
- Serologischer Antikörpernachweis (ELISA, IFF, HHT, KBR)
- ggf. Virusnachweis aus Liquor mittels PCR
Differentialdiagnosen stellen bakterielle Meningitis, die zerebrale Malaria oder das Reye-Syndrom dar.
Gibt es eine Therapie für die Japanische Enzephalitis?
Es gibt keine ursächlich wirksame also virostatische Therapie gegen die Japanische Enzephalitis. Es können lediglich die auftretenden Symptome gelindert werden. Zur symtomatischen Behandlung gehören die Kontrolle des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts, die Verhinderung von Sekundärinfektionen und in schweren Fällen Beatmung. Eine Impfung ist der wirksamste Schutz vor einer Japanischen Enzephalitis.
Wie kann man die Japanische Enzephalitis verhindern?
Eine Impfung ist der wirksamste Schutz zur Vermeidung einer Japanischen Enzephalitis. Darüber hinaus sollten Maßnahmen ergriffen werden, um Stiche durch Stechmücken zu vermeiden, d. h. entsprechende Kleidung und die Anwendung von Insektenschutzmitteln auf Reisen in Gebieten, in denen die JE vorkommt. Der Schutz mit Insekten-Repellenzien, langärmeliger Kleidung oder Insektennetzen wird im Einzelfall keinen ausreichenden Schutz garantieren können.
(Dr. Florian Korff; Pressegrafik ixiaro) © 2009 medizin.de
(zuletzt aktualisiert 11/2009)