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Magnesium-Mangel und Diabetes

Magnesium

Das Mineral Magnesium-Mangel fördert diabetische Folgeschäden
Wer ist nicht schon mal durch einen Wadenkrampf Nachts hochgeschreckt oder hat nach dem Sport erfahren, wie schmerzhaft Muskelkrämpfe sein können. Magnesiummangel?

In Drogerie, Reformhaus, Supermarkt oder Apotheke findet sich eine große Auswahl an Produkten. Welche sind aber wirklich sinnvoll und wofür?

Ganz aktuell warnt auch die Gesellschaft für Biofaktoren: Magnesium-Mangel fördert diabetische Folgeschäden. Eine Studie an der Universität Stuttgart-Hohenheim belegt, dass von rund 5.500 Diabetikern nur 11% der insulinpflichtigen und 15% der nicht-insulinpflichtigen Patienten optimale Magnesiumwerte im Blutserum hatten. Ein Defizit kann aber für den Krankheitsverlauf fatale Folgen haben. Magnesium-Mangel fördert nicht nur den Diabetes, sondern auch die gefürchteten Folgeschäden der Stoffwechselstörung an Herz und Blutgefäßen. "Umfangreiche epidemiologische Studien zeigen, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei erniedrigten Magnesium-Konzentrationen im Blut erhöht ist", erklärte der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Hans-Georg Classen, Magnesium-Experte aus Stuttgart-Hohenheim. Aktuellen Erkenntnissen zufolge, scheint ein Magnesium-Mangel entzündliche Prozesse zu fördern, die wiederum die Gefäßwände schädigen. Magnesium ist vor allem in Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten enthaltenen. Diese Produkte werden häufig von Diabetikern gemieden. Außerdem wird Magnesium bei Diabetikern häufig vermehrt über die Nieren ausgeschwemmt. Das wichtige Mineral verbessert auch die Wirksamkeit von Insulin, ein Mangelzustand schadet dem Diabetiker deshalb mehrfach. Magnesium kann auch Darmkrebs vorbeugen In der Februarausgabe der Fachzeitschrift American Journal of Epidemiology wurde eine Studie publiziert, nach der eine ausreichende Magnesiumversorgung das Risiko für Darmkrebs reduziert. Die Forscher befragten mehr als 35.000 Frauen im Alter zwischen 55 und 69 Jahren nach ihren Ernährungsgewohnheiten und verfolgten dann 16 Jahre lang ihren Gesundheitszustand. 1.100 Frauen waren in dieser Zeit an Darmkrebs erkrankt. Bei denen, die am meisten Magnesium aufnahmen, war das Risiko für Darmkrebs um 27 % niedriger als bei den Frauen mit einer schlechten Magnesium-Versorgung. Vermutlich verhindert der Mineralstoff ein unkontrolliertes Wachstum der Zellen in der Darmschleimhaut. Die Forscher empfehlen die Aufnahme von täglich mindestens 300 bis 400 mg Magnesium, um das Darmkrebsrisiko gering zu halten.

Mögliche Indikationen für eine Magnesiumgabe:
Wirksamkeit bei Wadenkrämpfen umstritten

Etwa ein Drittel aller Erwachsenen leiden mindestens einmal jährlich an Wadenkrämpfen. Zu den Ursachen nächtlicher Wadenkrämpfe gehören Durchblutungs- und Elektrolytstörungen, Diabetes, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen sowie orthopädische, neuromuskuläre und rheumatische Erkrankungen. Auch Medikamente, beispielsweise Diuretika oder Asthmamittel, können Wadenkrämpfe auslösen. Meist ist die Ursache jedoch unklar. Sehr häufig wird zur Einnahme von Magnesium geraten. Die empirische Annahme Wadenkrämpfe = Magnesiummangel wird nicht selten als Tatsache aufgefasst. Das ist falsch. Die Datenlage, ob Magnesium wirklich bei nächtlichen Krämpfen hilft, ist sehr unzureichend. Lediglich für Muskelkrämpfe in der Schwangerschaft liegen aussagekräftige Studien vor. Zwei placebokontrollierte Untersuchungen bescheinigen Magnesiumcitrat Wirkungslosigkeit für diese Indikation. Deutlich wirksamer scheint hingegen Chinin zu sein. Der Bitterstoff den wir aus Limonaden oder Uraltmittel gegen Erkältungen und Fieber kennen, hemmt die Erregbarkeit der Muskulatur. Nach einer Einnahme von 2 x 200 mg geht die Häufigkeit und Heftigkeit von Wadenkrämpfen deutlich zurück. Achtung: für Schwangere ist Chinin nicht geeignet. Menge und Verbindung bestimmt Wirksamkeit Die Bioverfügbarkeit von Magnesium wird durch einen hohen Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung vermindert, da es zur Bildung von schwer absorbierbaren Magnesium-Komplexen kommen kann. Auch Alkohol, Konservierungsstoffe und andere Mineralien wie Calcium und Eisen beeinträchtigen die Aufnahme. Die Bioverfügbarkeit ist sehr stark von der Verbindung abhängig. Außerdem bestimmt die aufgenommene Menge die Wirkung. Gesteigert wird die Resorption durch Laktose und wahrscheinlich auch noch durch andere Kohlenhydrate, die die Fermentation stimulieren. Auch einige Arzneimittel können die Aufnahme von Magnesium hemmen oder die Ausscheidung fördern:

  • Abführmittel
  • Aminoglykoside
  • Antiarrhythmika
  • Antibiotika
  • Antihistaminika
  • Cisplatin
  • Cyclosporin
  • Diuretika
  • Psychopharmaka
  • Tacrolimus

Das einfachste und billigste Magnesiumsalz ist das Oxid, welches auch den höchsten Gewichtsanteil an Magnesium besitzt. Wie bei Carbonaten gilt jedoch, dass zur Resorption ausreichend (Magen)Säure vorhanden sein muss. Organische Magnesiumsalze wie das Citrat, (Hydrogen-)Aspartat oder Orotat sind nicht nur unabhängig von der Säurekonzentration im Magen löslich, sie werden auch besser im Dünndarm resorbiert. Dem Orotat spricht man darüber hinaus eine eigenständige, günstige pharmakologische Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Allgemein gilt, dass Magnesium in Verbindung mit schwachen Säuren wie Citrat eher im sauren Magenmilieu gelöst und resorbiert wird, während dies für Basen wie Mg-Oxid überwiegend im alkalischen Darmmilieu erfolgt. In einer Doppelblindstudie von Walker und Marakis wurde die Bioverfügbarkeit der Magnesiumverbindungen Magnesium-Aminosäure-Chelat, Magnesiumcitrat und Magnesiumoxid verglichen. Magnesiumcitrat zeigte dabei die beste Bioverfügbarkeit und führte sowohl bei akuter (24 Stunden) wie auch chronischer (60 Tage) Therapie in einer Dosierung von 300 mg/Tag zu einem signifikanten Anstieg der Magnesiumkonzentration im Serum. Auch der Magnesiumgehalt im Speichel sowie die Magnesiumausscheidung über die Niere nahmen unter Magnesiumcitrat deutlich zu. (Walker AF, Marakis G, Christie S and Byng M: Mg citrate found more bioavailable than other Mg preparations in a randomised, double-blind study. Magnesium Research 16:183-191 (2003)

Lange und hoch dosiert Zahlreiche Studien zeigen, dass eine Magnesium-Supplementierung mit Tablette, Kapsel, Dragee oder Granulat erst nach längerer Dauer (etwa drei bis vier Wochen) in den Zellen messbare klinische oder physiologische Wirkungen zeigt.

Pro Tag sollten je nach Beschwerden 300 bis 600 mg Magnesium eingenommen werden.

Die Kennzeichnung auf der Verpackung ist mitunter sehr irreführend

"Eine Tablette enthält 370 mg Magnesiumhydrogenaspartat". Diese Angabe lässt viele Anwender denken, sie hätten ein hoch dosiertes Arzneimittel erworben. Man sollte sich nicht von großen Zahlen blenden lassen, es kommt auf den Gehalt an reinem Magnesium an, und der beträgt bei diesem Beispiel nur 25 mg. Es müssten also 10 bis 20 (!) Tabletten eingenommen werden.
Es reicht also nicht, eine sinnvolle, bioverfügbare Verbindung zu kaufen, auch die Dosierung muss adäquat sein. Sehr häufig enthalten Produkte aus Drogerie oder Kaufhaus weniger bioverfügbares Magnesiumoxid. Es ist preiswert und häufig nicht als Medikament sondern als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Doch auch bei Markenprodukten aus der Apotheke lohnt sich ein genauer Vergleich. Einer der Marktführer der apothekenpflichtigen Magnesiumpräparate bietet sein Mittel einmal als Dragee und einmal als Granulat an. In beiden ist eine sinnvolle Magnesiumverbindung. Im Granulat 300 mg und in den Dragees aber gerade mal 40 mg! Häufig wird der Magnesiumgehalt auch in der Einheit Mol oder mmol angegeben. 1 mmol Mg entspricht 24,3 mg.

(Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie, medizin.de) © medizin.de 2007 (zuletzt aktualisiert 02/2009)

 


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