Treten Symptome wie Schmerzen, Veränderungen in der Häufigkeit des Stuhlgangs oder Beschwerden beim Stuhlgang entweder andauernd oder regelmäßig in gewissen Zeitabständen auf, so liegt ein Reizdarmsyndrom nahe.
Weitere Anhaltspunkte sind eine Besserung der Beschwerden bei längerer Entspannung (z.B. im Urlaub) und eine Verschlechterung unter Stress.
Interessanterweise können sich nach einer Darmspiegelung die Beschwerden wochenlang bessern, da bei der Untersuchung oft Verkrampfungen gelöst werden und der Darm in sich gedehnt und entspannt wird. Steht die Diagnose „Reizdarm“ fest, sollten eingreifende Untersuchungen nicht ständig wiederholt, sondern nur in mehrjährigem Abstand zur Vorsorge durchgeführt werden. Solange keine weiteren Symptome dazukommen, die den Verdacht auf eine organische Ursache geben, besteht kein Grund zur Besorgnis, wichtig ist dann vielmehr die Betroffenen von ihren Beschwerden zu befreien.
Was sind die Ursachen des Reizdarmsyndroms?
Verschiedene Faktoren können bei der Entstehung eine Rolle spielen, eine eindeutige Ursache gibt es nicht.
-> Bei Patienten mit Reizdarm ist die Schmerzempfindlichkeit des Darms und der umgebenden Schleimhäute erhöht, darüber hinaus scheint die Schmerzverarbeitung im Gehirn und Rückenmark verändert zu sein, mit der Folge, dass viel geringere Schmerzreize ausreichen, schwere Beschwerden hervorzuru fen, oft genügt schon ein enger Hosenknopf oder einschneidender Rockbund, dass der in Alarm befindlichen Darm schmerzhaft reagiert. Die „Schmerzschwelle“ liegt einfach niedriger.
-> Stress oder seelische Belastungen können diese Empfindlichkeit erhöhen. Serotonin, ein Botenstoff, der zu 90 % im Darm gebildet wird und für die Schmerzweiterleitung zuständig ist: beim Reizdarmpatienten befindet sich dieses System fast dauernd im Alarmzustand.
-> Die Beweglichkeit des Darms ist beim Reizdarmsyndrom verändert. Normalerweise führt eine immer wiederkehrende Bewegung (Peristaltik) vom Dünn- zum Dickdarm zu einem Vorwärtstransport des Speisebreis. Beim Reizdarmpatienten ist oft nur eine kurz andauernde, rasch aufeinander folgende Bewegung feststellbar, der Darminhalt rauscht entweder zu schnell durch (Durchfall) oder er bleibt schwer wie Blei liegen (Verstopfung).
-> Nahrungsmittelunverträglichkeiten – z.B. die Unverträglichkeit von Milchzucker (Lactose) oder dem Süßstoff Sorbit und die Nebenwirkung von Medikamenten. Schmerzmittel, Antidepressiva und Blutdrucksenkende Medikamente können eine Verstopfung verursachen, während andere Arzneimittel wie u.a. Antibiotika direkt abführend wirken.
-> Patienten mit Infektionen und die mit Antibiotika behandelt wurden (teilweise auch nach länger zurückliegender Antibiotikaeinnahme) haben ein dreimal höheres Risiko ein Reizdarmsyndrom zu entwickeln – manchmal erst Monate und Jahre später. Die Antibiotika unterscheiden nicht nach guten und schlechten Darmbewohnern, sie schädigen auch die „friedliche“, nützliche „Wohngemeinschaft“ – Fehlbesiedlung mit schädlichen Fremdkeimen sind die unangenehme Folge.
Welchen Einfluss hat die Darmflora?
Schon früh in unserem Leben – etwa gegen Ende des 2. Lebensjahres - stellt sich ein Gleichgewicht zwischen den Darmbewohnern ein. Gute und schlechte Einflüsse prägen damit das ganze spätere Leben, entscheiden, ob wir ein David oder Goliath in Sachen Verdauung sein werden. Im Darm eines Erwachsenen leben etwa 100 Billionen (100 000 000 000 000!) Mikroorganismen (Darmbakterien), bis zu 500 verschiedene Arten, 10-mal mehr als wir Körperzellen besitzen, in friedlicher Koexistenz zusammen – sie vertragen sich miteinander und unterstützen sich gegenseitig. Besonders Escherichia-coli-Bakterien, die bereits den Säuglingsdarm besiedeln, schaffen die richtigen Lebensbedingungen im Darm. Ballaststoffe beispielsweise können von den körpereigenen Verdauungsenzymen nicht abgebaut werden, erst im Dickdarm mit Hilfe der dort vorhanden Darmflora werden die Ballaststoffe aufgespalten – Abbauprodukte, die für die Ernährung, Durchblutung und Schutz der Dickdarmschleimhaut von ausschlaggebender Bedeutung sind.